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Ukraine Kiewer Wahlkampf in Wien

Der Verdacht, daß er vergiftet worden sei, begleitete den Wahlkampf des Oppositionsfüheres in der Ukraine ohne durch medizinische Ergebnisse wirklich erhärtet worden zu sein. Haben Juschtschenkos Männer die Wiener Ärzte bedroht?

© dpa/dpaweb Vergrößern Gezeichnet: Wiktor Juschtschenko

Zum dritten Mal in diesem Herbst ist Wiktor Juschtschenko mit seinem Troß am Freitag abend überraschend nach Wien gekommen, um seine rätselhafte Krankheit in der noblen Privatklinik Rudolfinerhaus analysieren zu lassen.

Und diesmal kann der ukrainische Präsidentschaftskandidat mit einem Befund heimreisen, der bestätigt, daß die Pusteln und Narben in seinem angeschwollenen Gesicht auf eine Dioxinvergiftung zurückzuführen sind. Der Verdacht, daß er vergiftet worden sei, begleitete seinen Wahlkampf nun schon drei Monate lang, ohne durch medizinische Ergebnisse erhärtet worden zu sein.

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„Es war eine hohe Dosis Dioxin“

Daß die Diagnose drei Monate nach Ausbruch der heftigen Krankheitssymptome nicht einfacher geworden ist, gaben die Wiener Ärzte schon vor Juschtschenkos Ankunft zu. Noch in der Nacht begannen sie bei dem prominenten Patienten, der Analysen aus Kiew mitgebracht hatte, mit eigenen Untersuchungen, um verifizieren zu können, was sie nach Rücksprache mit Medizinern und Toxikologen aus aller Welt vermuteten: daß es sich bei der Hautdeformation um eine durch Dioxin ausgelöste Chlorakne handelt.

Juschtschenko dankt Wiener Ärzten © dpa/dpaweb Vergrößern Juschtschenko dankt den Wiener Ärzten

Auch das klinische Bild deutet auf Dioxin hin. Schon am Samstag nachmittag gingen die Ärzte mit ihrer Diagnose vor die Presse: „Es war eine hohe Dosis Dioxin“, man habe in Blut und Gewebe das Tausendfache einer normalen Konzentration gefunden. Wodurch die Vergiftung genau ausgelöst worden war, vermochten sie nicht zu sagen, legten sich aber auf „Verdacht durch Fremdverschulden“ fest.

Diskretes Vorgehen

Von welch zentraler Bedeutung die Aussagen der Ärzte sind, darauf lassen bislang im Rudolfinerkrankenhaus unübliche Vorgänge - wie Drohungen, Polizeischutz, Beschlagnahme eines Arztberichts und nun auch der Rücktritt des ärztlichen Direktors - schließen, die aber in Wien vorsichtig und diskret behandelt wurden, ganz gemäß dem Ruf des seriösen, 120 Jahre alten Hauses. Nur einmal, am 11. Oktober, berichtete der Journalist Emil Bobi im Nachrichtenmagazin „Profil“, was sich alles rund um den Patienten Juschtschenko abspielte, der sich im September neun Tage lang und im Oktober nochmals zehn Tage lang im Rudolfinerspital aufhielt.

Vier Tage nachdem Juschtschenko am 5. September mit dem Chef des ukrainischen Geheimdienstes zu Abend gespeist hatte und Stunden danach von Übelkeit, Rückenschmerzen, Erbrechen und Gesichtslähmungen heimgesucht wurde, war er nach Wien gekommen. Ukrainische Parlamentarier hatten sich an den im Rudolfinerhaus ordinierenden Allgemeinchirurgen Nikolai Korpan gewandt, einen gebürtigen Ukrainer, der in Wien schon viele Landsleute und auch Russen behandelt hat.

Er verhalf nun Juschtschenko zu einem Spitalsbett. Der gut bewachte Juschtschenko kam mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung und einem Leberleiden. Als noch neurologische Beschwerden und Hautveränderungen dazugekommen seien, habe er, Korpan, das Ärzteteam vergrößert.

Erste Vermutungen

Doch am 18. September flog Juschtschenko gegen den Willen der Ärzte wieder heim nach Kiew. Dort kursierten schon erste Meldungen über eine eventuelle Vergiftung und machte bald auch ein Arztbrief des Rudolfinerhauses mit der Unterschrift Nikolai Korpans die Runde, in dem ohne die Einschränkung „möglicherweise“ zu lesen war, was auch am 16. September in einem „ärztlichen Zwischenbericht“ mit der Nummer AZ 2004/04767 festgehalten wurde, darin freilich mit dem Wörtchen „möglicherweise“: „Der beeinträchtigte Allgemein- und Ernährungszustand wurde vermutlich sowohl durch einen schweren Virusinfekt als auch möglicherweise durch chemische Substanzen, die sich üblicherweise nicht als Bestandteil in Lebensmitteln befinden, verursacht.“

Der Originalbericht wurden von drei Ärzten unterschrieben, von Korpan, von Michael Zimpfer, Präsident des Aufsichtsrates der Rudolfinerklinik und auch Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, und von Lothar Wicke, ärztlicher Direktor im Rudolfinerspital. Eine „administrative Unterschrift“, wie Wicke später sagte. Er habe den Satz überlesen.

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