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Uigurenproteste in China Keine Gnade

06.07.2009 ·  Das Klima zwischen der Minderheit der Uiguren und der chinesischen Führung ist angespannt und von Misstrauen geprägt. Da wird aus einer Kleinigkeit schnell ein ausgewachsener Konflikt. In Urumqi kam es mit quälender Folgerichtigkeit zur blutigen Eskalation.

Von Peter Sturm
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Xinjiang gilt in China als „autonome Region“. Diesen Begriff interpretieren die Einwohner des Gebietes, die Uiguren, und die chinesische Zentralregierung sehr unterschiedlich. Das weiß man in Peking eigentlich. Und doch hat es die Zentrale bis jetzt noch immer „geschafft“, bei den Uiguren Feindschaft gegen China zu schüren.

Die Probleme in Xinjiang sind ähnlich denen in Tibet. Die Uiguren fühlen sich von zugewanderten Han-Chinesen bedrängt. Sie fürchten, zu Fremden im eigenen Land zu werden. Hinzu kommt, dass China mit seinen Bürgern, unabhängig von deren ethnischer Herkunft, nicht gerade feinfühlig umzugehen pflegt.

Einsicht nicht zu erwarten

In einer solchen Situation wird aus einer Kleinigkeit schnell ein ausgewachsener Konflikt. Im vorliegenden Fall ging es offenbar darum, dass uigurische Demonstranten Aufklärung über den Tod zweier Landsleute forderten. Das ist an sich eine Selbstverständlichkeit und womöglich hätten einsichtige Behörden auch eine Untersuchung in die Wege geleitet. Aber das Misstrauen der Uiguren gegen den chinesischen Staat ist, aus leidvoller jahrzehntelanger Erfahrung, so ausgeprägt, dass sie ihrer Forderung durch Straßenproteste Nachdruck verleihen zu müssen glaubten.

Aber bei Straßenprotesten kennt Peking keine Gnade. Ausnahmen sind nur dann gestattet, wenn wie vor einigen Jahren der nationalistische Volkszorn gegen japanische Einrichtungen gerichtet werden kann. Deshalb kam es mit quälender Folgerichtigkeit zur blutigen Eskalation in Urumqi. Zwar werden die Sicherheitskräfte sicher die Oberhand gewinnen und behalten. Damit ist aber keines der Probleme Xinjiangs gelöst.

Hausgemachtes Problem

Für China ist leider jeder, der den Begriff „autonome Region“ mit Leben erfüllen will, mindestens ein „Separatist“, sehr schnell auch ein „Terrorist“. Mit dieser Herangehensweise hat sich Peking genau das Problem herangezüchtet, das es angeblich so hingebungsvoll bekämpft. Einsicht in diese Realität ist von der Führung in Peking nicht zu erwarten. Verfahrener könnte die Situation gar nicht sein.

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Jahrgang 1958, Redakteur in der Politik.

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