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Terrorangriffe : Die Namen der Attentäter

  • -Aktualisiert am

Dilemma: Soll der Name von Attentätern bekannt gegeben werden? Bild: dpa

Nach Anschlägen werden Attentäter berühmt. Die Welt kennt ihre Namen und potentielle Nachahmer verehren sie. Einzelne Zeitungen können dagegen nichts tun – wohl aber viele.

          Wer ein Attentat begeht, kann sicher sein, dass er berühmt wird. Nicht nur seine Tat, sondern er selbst. Er wird nach dem Attentat vielleicht tot sein, wer weiß – sein Name aber nicht. Der wird anfangen zu leben. Er wird auf den Lippen der Menschen durch Straßen, Städte und Länder getragen. Jeder kennt den Namen des Hamburger Attentäters auf die Twin-Türme vom 11. September 2001. Den Namen des Mannes, der 2011 auf der Insel Utøya 69 Menschen erschoss. Jeder kennt den Namen des Kopiloten, der 2015 in Frankreich 149 Menschen tötete.

          Da ist eine Lust in den Menschen, nach einem Attentat alles über den Täter zu wissen. Und diese Lust wird selten behindert, sie wird von Medien erfühlt und bedient. Das Argument für eine Veröffentlichung des Namens ist meist dasselbe: Attentäter seien Personen der Zeitgeschichte. Es gehe also um mehr als sie selbst. Im Pressekodex des Deutschen Presserats heißt es im Abschnitt 8, der sich mit dem Schutz der Persönlichkeit befasst: „Für ein überwiegendes öffentliches Interesse spricht in der Regel, wenn eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat vorliegt“ und wenn „eine schwere Tat in aller Öffentlichkeit geschehen ist“.

          Beides, so kann man argumentieren, ist bei öffentlichen Anschlägen der Fall. Gleichwohl aber heißt es unter dem Stichwort „Selbsttötung“ im Pressekodex: „Die Berichterstattung über Selbsttötung gebietet Zurückhaltung. Dies gilt insbesondere für die Nennung von Namen, die Veröffentlichung von Fotos und die Schilderung näherer Begleitumstände.“ Und im Abschnitt 11, „Sensationsberichterstattung“, wird die Presse angehalten, bei Gewalttaten „über diese Vorgänge unabhängig und authentisch“ zu berichten und sich dabei „nicht zum Werkzeug von Verbrechern machen“ zu lassen. Ist ein öffentlicher Anschlag also derart wichtig, dass man alles über ihn wissen sollte, auch die Namen der Täter – oder gebietet sich eine gewisse Vorsicht, um nicht Tätern gerade zu der Berühmtheit zu verhelfen, die sie angestrebt haben und die andere zu ähnlichen Taten anstiften könnte?

          Einzelentscheidungen bestimmen

          Die Frage ist wichtig, aber für die einzelne Zeitung ist sie fast auch wieder wurscht. Es sind nicht Einzelentscheidungen, die darüber bestimmen, welcher Name berühmt wird und welcher nicht. Es gibt immer wieder Medien, die sich erst gegen eine volle Namensnennung entscheiden. Wie die „Süddeutsche Zeitung“, die direkt nach dem Anschlag von Nizza den Nachnamen des Lastwagenfahrers abkürzte. Oder F.A.Z. und „Tagesspiegel“, die keinen Namen des „Würzburger Attentäters“ veröffentlichten.

          Aber dieses Widerstehen gegen den Strom hält keiner lange aus. Die „Süddeutsche“ schrieb schon in ihrer nächsten Ausgabe den Namen des Lastwagenfahrers von Nizza voll aus. Dasselbe beim Würzburger Attentäter in F.A.Z. und „Tagesspiegel“. Wenn der „Spiegel“ zu den Anschlägen in Paris im November 2015 einen Text veröffentlicht, in dem ein langer Abschnitt ausschließlich den Tätern mit vollen Namen gewidmet ist (die alle schon von anderen mehr oder weniger bekanntgemacht worden waren), dann brechen alle Dämme. Was nützt es, sich gegen dieses Wissen zu stellen, das längst durch die Gesellschaft kriecht? Wenn man es nicht mehr aufhalten kann, dann muss man es vor sich hertreiben, alles andere wäre dumm.

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