23.08.2002 · Zum TV-Duell geben sich SPD und CDU weltmeisterlich: Mit Übertragungen auf Großbildleinwänden und Parties wird der Redewettstreit gefeiert.
Von Joachim WentzelVorberichterstattung, Live-Übertragung und anschließende Analyse: Was sich wie der Ablauf eines Fußball-Spiels bei der Weltmeisterschaft anhört, ist der Programmplan des ersten TV-Duells am Sonntagabend bei RTL und Sat1 zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU). Auch die „Fan-Clubs“ sind weltmeisterlich. SPD und CDU planen zahlreiche Veranstaltungen rund um den Fernseh-Auftritt von Kanzler und Kandidat.
In ihre Berliner Parteizentrale in Berlin, das Willy-Brandt-Haus, lädt die SPD Parteimitglieder und Journalisten ein, um das Fernseh-Duell gemeinsam zu gucken. Hochrangige Parteimitglieder sollen auch kommen. Wer das sein wird, ist Teil der geheimen Mannschaftstaktik.
Junge Union mag´s „gagig“
Ebenfalls in der Hauptstadt plant die Junge Union eine Party im Hotel Berlin, Stadtteil Tiergarten. In der „Sports-Bar“ ähnlichen Lützow-Lounge wird das TV-Duell zum „Event“. Mit „Sandwiches, Snacks and Dipps“ soll Stoiber gefeiert werden. Dazu soll es auch allerlei Grund geben. Der Pressesprecher der Jungen Union, Sidney Pfannstiehl, ist überzeugt, dass der Auftritt Stoibers ein Erfolg wird, viel besser, als „der Stotter-Auftritt bei Sabine Christiansen“, sagte er FAZ.NET. Neben anderen prominenten Gästen hat sich CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer angesagt. Pfannstiehl hofft, dass die wahrscheinlich aufgeheizte Stimmung rüberkommt und so letzte Reserven der Unions-Wahlkämpfer mobilisiert werden.
Aber auch in anderen Städten gibt es Veranstaltungen rund um den prominenten Redewettstreit. Die CDU in Frankfurt beispielsweise lädt in das Restaurant eines großen Kinos ein. „Das Duell - Stoiber vs. Schröder“ wird mit einem Welcome-Drink eingeleitet. Außerdem stehen Vorabdiskussion, Fernseh-Übertragung und „Manöverkritik“ auf dem Programm. Einer der Organisatoren sagte auf Nachfrage, man habe es mal ein bisschen „gagig“ machen wollen.
SPD diskutiert über das Endspiel
Ernsthafter geben sich die Genossen in Darmstadt, dort baut die SPD eine Großbildleinwand in einem Bürgerhaus auf. Jeder, der will kann kommen. Der Hessische SPD-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Gerhard Bökel, wird als Hauptgast erwartet. Mit ihm soll es im Anschluss an das Duell eine ausgiebige Analyse über Taktik, Tore, Eigentore und das Endspiel geben.
Von FDP, PDS oder den Grünen organisierte Veranstaltungen dieser Art sind nicht bekannt. Kein Wunder, wenn man nicht mitspielen darf.