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Erdogan und Qatar : Gute Geschäfte mit dem Emir

Auf gute Partnerschaft: Erdogan (r.) und der Emir von Qatar im Jahr 2016. Bild: dpa

Die politische Isolation durch seine arabischen Nachbarn stürzt Qatar in eine Krise. Die Türkei bleibt dem Außenseiter treu und verlegt Truppen in das Emirat. Was hat Erdogan vor?

          Politische Turbulenzen sind die Türken gewohnt, doch selbst in der Türkei gehört es nicht zum Alltag, dass ein Außenminister kurzfristig eine Reise absagt und das Parlament im Eilmarsch die Ratifizierung außenpolitischer Verträge vorzieht. Überraschend ist es jedoch nicht, dass die Krise um die regionale Isolation Qatars auch die Türkei beeinflusst, denn Ankara pflegt seit einigen Jahren enge Beziehungen zu Doha – politisch, finanziell und nicht zuletzt militärisch.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          So hat das türkische Parlament in der Nacht zum Donnerstag ein Abkommen gebilligt, das der Türkei die Stationierung zusätzlicher türkischer Truppeneinheiten in Qatar erlaubt und die Entsendung (weiterer) Militärberater vorsieht. Zugleich sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu einen eigentlich für Donnerstag geplanten Besuch in Litauen mit Verweis auf die Krise am Golf kurzfristig ab. Staatschef Recep Tayyip Erdogan schlug sich in dem Konflikt zwischen einer von Saudi-Arabien angeführten und vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump unterstützten Koalition arabischer Staaten, die seit Montag alle diplomatischen Kontakte zu Qatar abgebrochen hat, derweil auf die Seite des isolierten Emirats. Die Sanktionen gegen Qatar seien „nicht richtig“, sagte Erdogan, der im Ramadan seit Jahren Auftritte bei Zusammenkünften zum abendlichen Fastenbrechen nutzt, um Grundsatzreden zu halten.

          Bei einem solchen Treffen in Ankara vermutete Erdogan nun dunkle Mächte hinter den Ereignissen am Persischen Golf: „Wir haben die Kräfte hinter diesem Spiel noch nicht ausmachen können, aber wir müssen jene enttäuschen, die auf eine Gelegenheit warten, sich in die Region einzumischen“, wurde der Staats- und Parteichef zitiert. War dieser Satz noch zur Interpretation nach allen Seiten offen, fiel Erdogans Verteidigung Qatars deutlicher aus. Der türkische Präsident wies den von Saudi-Arabien erhobenen Vorwurf zurück, Qatar unterstütze den internationalen (islamistischen) Terrorismus. „Ich kenne sie seit 15 Jahren. Wenn so etwas existieren würde, wäre ich der erste Präsident, der sich ihnen entgegenstellt. Aber ich habe so etwas nicht gesehen“, sagte Erdogan.

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          Wenn Erdogan in dem Land, das die Fußballweltmeisterschaft 2022 ausrichten soll und in dem Franz Beckenbauer 2013 „nicht einen einzigen Sklaven“ gesehen hat, vier Jahre später keinen einzigen Terroristen entdecken kann, liegt das nicht an einer Geistesverwandtschaft des türkischen Präsidenten mit dem deutschen Kaiser, sondern an den guten Beziehungen Ankaras zu Doha. Erdogan kommt mit dem Emir Hamad Bin Chalifa Al Thani seit Jahren bestens aus. In Syrien verfolgt man die gleichen Ziele, ebenso (erfolglos) in Ägypten, wo Erdogan und der Emir die Muslimbruderschaft unterstützen. Die Türkei würdige die „besonnene und konstruktive“ Haltung Qatars, lobte Erdogan nun: „Die Tatsache, dass Qatar, von dem wir wissen, das es einen effektiven Kampf gegen den Terrorismus führt, auf diese Weise isoliert wird, kann keine Probleme lösen. Ich hoffe, dass alle Sanktionen gegen Qatar so rasch wie möglich aufgehoben werden.“

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