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Lesung für Deniz Yücel : „Der einzige Druck, den Erdogan auch versteht“

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Hand in Hand: Bärbel Schäfer, Oliver Polak, Paula Hans und Jan Böhmermann (rechts) nach ihrer Lesung im Schauspiel Frankfurt Bild: dpa

Seit Ende Februar sitzt „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel in türkischer Haft. Mit einer Lesung wird in Frankfurt an sein Schicksal erinnert. Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung ist groß.

          Mit einer Lesung aus den Werken von Deniz Yücel haben Autoren und Angehörige die Freilassung des in der Türkei seit drei Monaten inhaftierten Journalisten verlangt. Bei der Matinee am Sonntag im vollbesetzten Frankfurter Schauspiel wurde die Bundesregierung aufgefordert, den Druck auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu verstärken.

          Es müsse jetzt auch über wirtschaftliche Sanktionen nachgedacht werden, sagte die Journalistin Doris Akrap, Mitorganisatorin der Free-Deniz-Kampagne der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist der einzige Druck, den Erdogan auch versteht.“

          Yücel, Korrespondent der Berliner Tageszeitung „Die Welt“ mit deutschem und türkischem Pass, sitzt seit Ende Februar in Haft. Ihm wird unter anderem Volksverhetzung sowie Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

          Vor den rund 800 Besuchern der Matinee las Jan Böhmermann aus Briefen Yücels, die er in seiner Zelle verfasst hat. Der TV-Moderator hatte im vergangenen Jahr mit der Kontroverse über sein Schmähgedicht eine Krise zwischen Deutschland und der Türkei ausgelöst. In anderen Texten ging es um Artikel, die Yücel als früherer Redakteur der Berliner „taz“ über sein Verhältnis zu Deutschland oder den deutschen Fußball geschrieben hat. Der 43 Jahre alte Deutsch-Türke stammt aus Flörsheim bei Frankfurt.

          Nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sind inzwischen mehr als 130 Journalisten und Autoren in der Türkei inhaftiert. „Die Türkei ist auf dem Weg in einen totalitären Unrechtsstaat“, sagte der Geschäftsführer des Verbands, Alexander Skipis, bei der Lesung. Bundesregierung und EU-Kommission dürften die Meinungsfreiheit nicht zu Gunsten der wirtschaftlichen Beziehungen mit Ankara opfern.

          Die Free-Deniz-Kampagne setzt ihre Lesungen am kommenden Dienstag (23.5.) in den Kammerspielen in München fort. Am 3. Juli ist eine Veranstaltung in Köln geplant.

          Quelle: dpa

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