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Erdogan trifft Trump : Punkt, Komma, Schlussstrich?

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan landet in Washington. Begleitet wird er von seiner Ehefrau Emine. Bild: POOL Presidency Press Service/AP/dpa

Erdogans Verhältnis zu Barack Obama war am Ende zerrüttet. Vor seinem Besuch im Weißen Haus stellt der türkische Präsident nun umso höhere Forderungen an Donald Trump. Das spricht nicht für seinen Realitätssinn.

          Mitunter wirkt es so, als sei der türkische Präsidentenpalast mit seinen angeblich tausend Räumen die größte Echokammer der Welt. Eine gewisse Echolastigkeit dürfte zwar jedem Regierungssitz zu eigen sein, doch im Palast zu Ankara wirkt sie inzwischen überdurchschnittlich stark ausgeprägt: Hier scheinen die Bewohner nur noch sich selbst zu hören. So ließe sich auch ein Kommentar von Ilnur Cevik erklären, einem der außenpolitischen Berater des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Cevik hat dieser Tage Bemerkenswertes zur ersten persönlichen Begegnung seines Chefs mit Donald Trump an diesem Dienstagabend kundgetan. Seit dessen Regierung in der vergangenen Woche mitteilte, dass sie die Volksschutzeinheiten (YPG) der syrischen Kurden künftig auch mit schweren Waffen ausrüsten werde, hat diese Ankündigung fast alle anderen außenpolitischen Themen in Ankara verdrängt.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Unter anderen Umständen hätte vor der Begegnung Trumps mit Erdogan im Weißen Haus womöglich Ankaras Forderung nach einer Auslieferung des im amerikanischen Exil lebenden Türken Fethullah Gülen im Mittelpunkt gestanden. Schließlich bezeichnet die Regierung Erdogan den „radikalen Prediger“ oder „Terrorführer“ Gülen, der pünktlich zu Erdogans Ankunft in den Vereinigten Staaten einen Gastartikel in der „Washington Post“ veröffentlichen konnte, weiterhin als Drahtzieher des Putschversuchs vom Juli 2016 und verlangt seine Überstellung an die türkische Justiz. Doch verglichen mit der Angst vor mit amerikanischen Waffen ertüchtigten kurdischen Freischärlern in Syrien, wirkt die Causa Gülen aus türkischer Sicht wie eine Petitesse.

          Realitätsverlust im Präsidentenpalast

          Überraschend war die Vollzugsmeldung aus Washington nicht, denn im Norden Syriens sind die YPG seit langem die schlagkräftigsten Verbündeten der Amerikaner im Kampf gegen die multiethnische Terrortruppe des „Islamischen Staats“ (IS). Überraschend war aber die Lagebeurteilung des Präsidentenberaters Cevik. Während es allgemein hieß, Erdogan werde in Washington einen letzten verzweifelten Versuch unternehmen, Trump umzustimmen, und dafür werben, die amerikanische Unterstützung für die kurdischen IS-Bekämpfer einzustellen, stellte Cevik es umgekehrt dar: Trump stehe in Washington vor der „schweren Aufgabe“, Erdogan davon zu überzeugen, dass die amerikanische Entscheidung zur Unterstützung der Kurden eine gute Idee sei. Wie Trump Erdogan davon überzeugen könne, einem Einsatz kurdischer Truppen bei dem geplanten Feldzug gegen die vom IS gehaltene syrische Stadt Raqqa zuzustimmen, bleibe offen, schrieb Cevik in einer Kolumne.

          Die Ansicht, dass der Oberbefehlshaber der mächtigsten Armee der Welt um Erdogan werben müsse und nicht dieser um den amerikanischen Präsidenten, sagt zwar viel über die Selbstsicht Ankaras aus, spricht aber nicht für den Realitätssinn im dortigen Palast – zumal nicht nur Washington, sondern auch Moskau die Kurden in Syrien unterstützt. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bei seiner Teilnahme an Chinas Seidenstraßen-Gipfel in Peking die kurdischen Kämpfer in Syrien ausdrücklich gelobt und gesagt, Russland wolle weiterhin „Arbeitskontakte“ zu ihnen pflegen. Schließlich sei „der kurdische Faktor“ ein „realer Faktor“ in Syrien, so Putin, der anfügte, er sehe keinen Grund zur Sorge „für unsere türkischen Partner“.

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