11.08.2009 · Abermals sind Menschenrechtler in Tschetschenien ermordet worden - und in Moskau stehen Putin und Medwedjew wie die begossenen Pudel da, mit denen der tschetschenische Pitbull Katz und Maus spielt. Sie müssen das Gebaren von Präsident Kadyrow dulden - weil sie sich den Kaukasus ohne ihn nicht vorstellen können.
Von Jasper von AltenbockumMenschenrechtler sind in Russland vogelfrei. Nach dem Mord an Natalja Estemirowa Mitte Juli gebärdete sich die Führung im Kreml noch so, als sei auch für sie das Maß nun voll. Die „Memorial“-Menschenrechtlerin war in Tschetschenien verschleppt und ermordet worden, ganz nach der Methode, wie das tschetschenische Regime unter Ramsan Kadyrow lästige Kritiker und „Terroristen“ aus dem Wege räumen lässt. Ministerpräsident Putin sprach nun nicht mehr von „Schakalen“, wie er Menschenrechtler und Bürgerrechtler zuvor noch verunglimpft und damit allen seinen Handlangern in Russland einen Wink gegeben hatte. Und Präsident Medwedjew schickte ein Beileidstelegramm an die Mitstreiter Frau Estemirowas nach Grosnyj. Das konnte als grandiose Heuchelei aufgefasst werden. Es konnte aber auch als Warnung an Kadyrow gelten, der die Aktivistin noch über ihren Tod hinaus übel beschimpfte. Und es konnte als Fortsetzung der Machtspiele zwischen Putin und Medwedjew aufgefasst werden, indem sich der Präsident als der zivilisiertere Staatsmann zu profilieren wollen schien.
Nun hat es Sarema Sajdulajewa und ihren Mann getroffen. Der Hergang ist wieder derselbe. Auf die Entführung durch Bewaffnete, die so auftreten können, als seien sie die Herren im Staate, folgt der kaltblütige Mord. Auch Präsident Kadyrow sprach am Dienstag von einem „zynischen, unmenschlichen und demonstrativen Morden“. Sehr glaubwürdig ist das nicht. Kadyrow hat seine Art und Weise, die islamistische und separatistische Unruhe der Kaukasusrepublik zu unterdrücken, zum dauerhaften Regierungsstil erhoben. Das verschafft dem geschundenen Land eine blendende Fassade, aber dahinter ein Leben in Angst und Schrecken. Bedauerte er das „Morden“ tatsächlich, müsste er im gleichen Atemzug zugeben, mit seinen Methoden gescheitert zu sein und die Kontrolle verloren zu haben. Denn das Morden gehört dazu.
Putin und Medwedjew stehen nun wie die begossenen Pudel da, mit denen der tschetschenische Pitbull Katz und Maus spielt. Das können sie eigentlich nicht dulden, müssen es aber, weil sie sich den Kaukasus ohne Kadyrow nicht vorstellen können. Die Fälle Politkowskaja, Estemirowa, Sajdulajewa stehen deshalb für einen Staat, der es nicht besser kann. Das ist die ganze grausame Tragik Russlands, allerdings nicht erst seit gestern.
Russlands Lage
Peter Just (PeterJust)
- 12.08.2009, 01:53 Uhr