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Im Ausland lebende Amerikaner : Zurück in die Fremde

  • -Aktualisiert am

Die Sterne von Amerikas Flagge wieder zurücktragen: Das wollen viele im Ausland lebende Amerikaner. Bild: Illustration Thomas Fuchs

Viele im Ausland lebende Amerikaner verstehen ihr Land nicht mehr. Sie fürchten das Ende der Demokratie – und wollen nun heimkehren, um diese zu retten.

          Einen Flug zurück in die Heimat hat Peter Schwartzstein noch nicht gebucht. Doch er spielt mit dem Gedanken, es bald zu tun. Er sitzt in einem Großraumbüro im Zentrum von Kairo. Um die Ecke liegt der Tahrir-Platz. Von hier ging vor sechs Jahren eine Revolution aus. Schwartzstein aber denkt heute viel an zu Hause: an Amerika, an Washington und die Stimmungen in seinem Land; an die Wahl im vergangenen November und den Machtwechsel im Januar, an die neue Administration, ihre Politik und das, was von ihr noch zu erwarten ist. Gut hundert Tage ist Donald Trump nun im Amt. Doch schon vorher hatte Schwartzstein kein gutes Gefühl.

          Trump hat ein Kabinett mit ein paar der reichsten Männer des Landes auf zentrale Positionen berufen, die Weltpolitik kräftig durcheinandergewirbelt, Dutzende Raketen abschießen und Kriegsschiffe vor Krisenregionen in Stellung bringen lassen. Trump hat über seinen Twitter-Account mittlerweile mehr Kurznachrichten abgesetzt, als Barack Obama in acht Jahren.

          „Wenn wir liberalen Auslands-Amerikaner es ernst meinen, müssen wir handeln“, sagt Schwartzstein. Wütende Twitter-Tweets aus der Ferne würden da nicht mehr reichen. Worte brauchen Taten. Er kennt sich da aus: Seit Jahren schon berichtet er aus dem Norden Afrikas, aus dem Nahen und Mittleren Osten. Er arbeitet für große Zeitungen in London, New York, Jerusalem oder Paris. Er war für sie in Syrien, im Irak und im Libanon, dem Sudan, dem Westjordanland, den Emiraten, der Türkei und Äthiopien. Als er über Terror und Rebellionen, über Krisen, Kriege und Desaster, Foltergefängnisse, Selbstmordanschläge, Täter und Opfer, Umweltkatastrophen und zerbombte Altertümer schrieb, war Amerika weit weg. Nun ist es ganz nah.

          Sensibilisiert durch jüdische Wurzeln und Erfahrungen in Diktaturen

          Schwartzstein ist Kind des angelsächsischen Establishments. Die Mutter stammt aus England, der Vater aus Amerika. Er wuchs in Washington D. C. auf, besuchte das englische Elite-Internat Eaton und das Trinity College in Dublin. Dann ging er in den Nahen Osten. Eine Rückkehr nach Amerika hatte er bislang noch nicht geplant. Doch Pläne können sich ändern. Die Entwicklung rund um Trump macht ihm Sorgen. Große Sorgen. „Ich hätte nie geglaubt, eines Tages zur Rückkehr gezwungen zu sein, weil in meiner Heimat undemokratische Zeiten anbrechen.“ Er wolle zunächst erst einmal abwarten, wie der neue Herr im Oval Office sich bewährt. „Sobald Trump gegen die Medien oder Minderheiten vorgeht oder er sich scheut, die ,Alt-Right'-Nazi-Bewegung einzufangen, geht es für mich zurück in die Staaten.“ Es seien seine jüdischen Wurzeln und die Erfahrungen in repressiven Systemen, die ihn für die Gefahren des Populismus sensibilisiert hätten.

          Dieser Artikel stammt aus der Frankfurter Allgemeine Woche

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          Schwartzstein findet es furchtbar, „meine Freunde in Ägypten zu erleben, wie sie sich scheuen, in der Öffentlichkeit über Politik zu sprechen“. Es bedürfe nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, „was uns bevorstehen könnte, wenn Trump seiner Linie aus dem Wahlkampf treu bleibt“. Der hatte als Präsidentschaftskandidat in gut gefüllten Hallen und vor einem Millionenpublikum an den TV-Geräten Behinderte verspottet und Frauen verhöhnt, die Eltern gefallener Soldaten beschimpft, Minderheiten beleidigt und Mehrheiten gewonnen.

          „Die Geschichte zeigt doch“, sagt Schwartzstein, „wenn der populistische Zorn erst einmal aus der Flasche ist, kann er leicht außer Kontrolle geraten.“ Zwei Dinge treiben Schwartzstein an: Vaterlandsliebe und Eigeninteresse. „Sollten meine Kinder eines Tages in den Vereinigten Staaten leben wollen, muss man doch jetzt eingreifen.“ Mit Skepsis blicken viele der politisch eher liberalen Auslands-Amerikaner auf ihre Heimat. Für sie war die letzte Wahl ein Schock. Die Starre löst sich nun. Den neuen Mann im Weißen Haus müssen sie als Weckruf begreifen, sagt Schwartzstein.

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