http://www.faz.net/-gpf-8o9es

Eine neue Art von Wahlkampf : Wie Trump gewann

Trump bei einer Militärveranstaltung in Baltimore Bild: AFP

Der Republikaner hat den Wahlkampf neu erfunden, genauer: sein Schwiegersohn. Es geht um Persönlichkeitsprofile, wie es sie noch nie gab, und um maßgeschneiderte Botschaften. Das ändert alles.

          In den letzten Tagen sind mehrere wichtige Aufsätze über Trumps Wahlkampf erschienen. Sie erzählen, wie ihm sein überraschender Sieg gelang. Das New Yorker Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zeigt auf dem Titelblatt einen selbstbewusst lächelnden jungen Mann im grauen Geschäftsanzug, den 35 Jahre alten Jared Kushner. „This guy got Trump elected“ steht in Blockschrift daneben: Dieser Typ hat für Trump die Wahl gewonnen.

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kushner ist Trumps Schwiegersohn, der Ehemann seiner Tochter Ivanka. Trump hat dreimal geheiratet, Ivanka ist die Tochter aus seiner ersten Ehe. Auch sie ist 35. Anders als ihr Ehemann hat sie in Trumps Wahlkampf eine deutlich sichtbare Rolle gespielt und mit vielerlei Auftritten für ihren Vater geworben. Trump seinerseits hat keine Gelegenheit vergeudet, seine Tochter überschwänglich zu loben. Nominell ist sie als Vizepräsidentin für die Immobiliensparte der Trump-Unternehmen verantwortlich. Es heißt aber, dass sie vor allem als Ratgeberin und Vertraute innerhalb der Familie seine wichtigste Bezugsperson sei. Als Geschäftsfrau hat Ivanka das Selbstvermarktungsmodell ihres Vaters übernommen. So hat sie ihre Fernsehauftritte im Rahmen der politischen Kampagne für ihr Unternehmen Ivanka Trump Fine Jewelry genutzt, um dessen Produkte zu promoten - etwa das Diamantenarmband, das sie nach dem Wahlsieg in dem Familieninterview „60 Minutes“ bei CBS trug.

          Das stieß wegen der Vermischung privater und öffentlicher Interessen sofort auf berechtigte Kritik. Allerdings ist die Vermarktung des eigenen Namens in der Popkultur, zu der auch Fashion zählt, gang und gäbe. Ivanka hat das von ihrem Vater gelernt. Im europäischen Bewusstsein ist kaum verbreitet, dass Donald Trump in den Vereinigten Staaten schon lange zu den bekanntesten Persönlichkeiten gehört. Er ist seit Jahrzehnten ein Popstar, wie Michael D’Antonio in seiner Trump-Biographie zeigt (Literaturangaben siehe Kasten). Personenkult gehört von jeher zum amerikanischen Wirtschaftsleben, auch in der Industrie.

          Jared Kushner: reich und geheimnisvoll

          Es geht aber auch anders. Jared Kushner ist so reich wie seine Frau. Auch sein Vater ist ein Immobilien-Tycoon. Kushners weißrussische Vorfahren, Überlebende des Holocausts, emigrierten nach dem Zweiten Weltkrieg. Ivanka trat vor der Hochzeit mit Jared 2009 zum (orthodoxen) Judentum über. Anders als sein Schwiegervater ist Kushner zurückhaltend, kontrolliert und, auch nach den Maßstäben der New Yorker Eliten, stilsicher. Schon mit 24 Jahren musste er die Geschäfte seines Vaters übernehmen, der wegen illegaler Wahlkampffinanzierung, Steuerhinterziehung und Zeugenbeeinflussung in einer von ihm selbst angezettelten Intrige zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Steven Bertoni, Autor des „Forbes“-Artikels, nennt Jared Kushner still und geradezu geheimnisvoll („enigmatic“). Ausgerechnet dieser Mann habe dem ruhmsüchtigsten und bombastischsten Kandidaten aller Zeiten die Präsidentschaft eingetragen.

          Weitere Themen

          Texanische Träume

          Kongresswahlen in Amerika : Texanische Träume

          Für die Demokraten hat die Präsidentschaft von Donald Trump zumindest einen positiven Effekt: Ihre Basis ist so enthusiastisch wie selten zuvor. Nun hofft die Partei sogar im republikanischen Texas auf einen Erfolg bei den Kongresswahlen.

          Abschied von Barbara Bush Video-Seite öffnen

          1.500 Trauergäste : Abschied von Barbara Bush

          Anwesend waren unter anderem auch vier ehemalige amerikanische Präsidenten: Ihr Mann George Bush, der Sohn George W. Bush, sowie Bill Clinton und Barack Obama. Donald Trump war nicht gekommen.

          Macron für drei Tage bei Trump Video-Seite öffnen

          Syrien-Konflikt und EU-Zölle : Macron für drei Tage bei Trump

          Trump soll aus Sicht der EU-Spitzen dazu gebracht werden, Europa auf Dauer von Stahl- und Aluminiumzöllen auszunehmen. Bislang sind sie bis zum 1. Mai ausgesetzt. Nach Macron kommt am Freitag Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Washington zu Besuch.

          Topmeldungen

          Die Quartalszahlen der Google-Mutter übertrafen die Erwartungen.

          Quartalszahlen : Google-Holding Alphabet überzeugt

          Das Werbegeschäft des Internetkonzerns läuft weiterhin glänzend. Aber die Kosten steigen noch mehr als die Umsätze. Und Sparten wie Waymo bringen bislang kaum Geld ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.