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Treffen mit Kim Jong-un : Weiß Trump, worauf er sich eingelassen hat?

Nordkoreas Diktator beobachtet den Start einer Hwasong-12 Rakete. Bild: Reuters

Trump hat seine eigenen Berater verblüfft, als er einem Treffen mit Kim Jong-un zustimmte. Die Hintergründe einer spontanen Entscheidung mit womöglich großer historischer Bedeutung.

          „Wir freuen uns auf die Denuklearisierung Nordkoreas“, teilte die Sprecherin des Weißen Hauses am Donnerstagabend lapidar mit. Wie alle anderen Berater von Donald Trump hatte sie da noch nicht viel Zeit gehabt, die spontane Entscheidung des Präsidenten zu verdauen, sich „bis Mai“ mit Machthaber Kim Jong-un zu treffen. In Washington kursierten Gerüchte über einen Brief, den der Diktator dem amerikanischen Präsidenten habe überbringen lassen. Doch ein hoher Mitarbeiter der Regierung dementierte das auf Anfrage dieser Zeitung: „Es gibt keinen Brief. Es gibt nur eine mündliche Botschaft, die Kim Jong-un Südkoreas Nationalem Sicherheitsberater während mehrstündiger Treffen vor wenigen Tagen in Pjöngjang übermittelt hat.“

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Dieser Sicherheitsberater, Chung Eui-yong, war am Donnerstag in Washington angekommen. Am Freitag sollte er Trump treffen, doch als der Präsident hörte, dass Seouls Emissär schon im Gebäude war, zitierte er ihn sofort in sein Büro. Kaum hatte Chung Kims Wunsch nach einem Treffen mit Trump erwähnt, so berichtete es einer von dessen Mitarbeitern der „New York Times“, nahm der Präsident die Einladung an. Vizepräsident Mike Pence, Sicherheitsberater H.R. McMaster, Verteidigungsminister James Mattis, der Nationale Geheimdienstdirektor Dan Coats und andere Berater waren perplex. Sie alle wissen zwar, wie viel sich Trump auf seine Fähigkeit einbildet, im persönlichen Gespräch „Deals“ zu schließen. Doch sie hatten erwartet, nach dem Besuch der Südkoreaner in Ruhe die Chancen und Risiken eines Treffens abzuwägen, das Kim einen großen Image-Gewinn bescheren würde. Um sich selbst nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, baten die Amerikaner den südkoreanischen Gast, die Sache zu verkünden. Doch Trump hielt die Zurückhaltung schwer aus. Persönlich lief er ins Pressezentrum des Weißen Hauses, wo eine Handvoll Reporter herumsaß, und kündigte eine „große Nordkorea-Neuigkeit“ für den frühen Abend an.

          Als Chung dann im Halbdunkel vor dem Weißen Haus vor die Reporter trat, rühmte er zuerst Trumps „Politik des maximalen Drucks, die uns an diese Weggabelung gebracht hat“. Er habe dem amerikanischen Präsidenten berichtet, „dass Kim Jong-un gesagt hat, er bekenne sich zur Denuklearisierung“. Kim habe zugesagt, „dass Nordkorea von weiteren Atom- oder Raketentestes Abstand nehmen werde“, fügte Chung hinzu, ohne einen Zeitraum zu nennen, für den dieses Versprechen gelte. Außerdem „versteht“ der nordkoreanische Diktator laut Chung, dass die „gemeinsamen Routine-Militärmanöver“ von Südkorea und Amerika „fortgesetzt werden müssen“. Dann die entscheidenden Sätze: „Und er drückte seine Begierde aus, Präsident Trump so schnell wie möglich zu treffen. Präsident Trump wusste die Unterrichtung zu schätzen und sagte, er werde Kim Jong-un bis Mai treffen, um eine dauerhafte Denuklearisierung zu erreichen.“

          Keine Rede von Verhandlungen

          Ein hoher Mitarbeiter der Trump-Regierung hob später hervor, dass von „Verhandlungen“ keine Rede sein könne. Minuten später freilich sagte er: „Präsident Trump hat sich mit Deals einen Namen gemacht. Und Kim Jong-un ist diejenige Person, die in (Nordkoreas) einzigartig autoritären oder totalitären System Entscheidungen treffen kann. Also ergibt es Sinn, die Einladung anzunehmen.“ Soweit bekannt, hat noch nie ein amtierender amerikanischer Präsident mit einem Vertreter Pjöngjangs gesprochen, geschweige denn dem Diktator die Hand geschüttelt. Doch die Frage, warum Washington nicht zuvor auf niedrigerer Ebene auslote, worum es dabei gehen könne, wies das Weiße Haus zurück: Seit 1992 sei dieser Ansatz immer wieder versucht worden, ohne Erfolg. „Präsident Trump aber wurde auch für seine Bereitschaft gewählt, sehr, sehr andere Ansätze zu verfolgen“, erklärte der Regierungsvertreter. Daher also der Beschluss, Kim „in den nächsten zwei Monaten“ zu treffen.

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