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Veröffentlicht: 17.02.2017, 10:34 Uhr

Vereinigte Staaten Wann beginnt Trump endlich mit der Arbeit?

Alle anderen sind schuld, nur nicht er selber: Trumps jüngste Pressekonferenz war wieder eine reine Show-Veranstaltung für seine Wähler. Über das Chaos der ersten Wochen kann das aber nicht hinwegtäuschen. Ein Kommentar.

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© EPA, F.A.Z., White House Donald Trump: Höhepunkte der Präsidenten-Show

Böse, böse Medien. Ganz böse! Man fragt sich, wie Donald Trump wohl seinen Tag zubringen würde, wenn er sich nicht an den angeblichen „Lügen“ der „Mainstream-Medien“ abarbeiten könnte. Klar, twittern, seine Spezialdisziplin. Regieren? Wäre ja mal eine Idee.

Klaus-Dieter Frankenberger Folgen:

Seine jüngste Pressekonferenz im Weißen Haus geriet abermals zu einer schulmeisterlichen Show-Veranstaltung für seine Wähler: Der Präsident, der sich nichts bieten lässt, gegen die ihn verunglimpfende arrogante Presse, die dem Wunder Wirkenden einfach nicht die ihm gebührende Anerkennung zollen will. Und weil das vielleicht nicht genug ist, weil das Chaos der ersten Tage nicht behoben ist, verstieg sich Trump wieder zu abstrusen Vergleichen.

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Er habe ein ganz schlimmes Durcheinander übernommen. Ja, die Welt ist aus den Fugen – das aber war sie auch 2009 schon, als Obama sein Amt antrat und zwei Kriege und die „Große Rezession“ erbte. Im Vergleich dazu nimmt sich die Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten heute rosig aus. Und das ist nicht Trumps Verdienst. Dass er den größten Wahlerfolg seit Reagan errungen habe, gemessen an den Stimmen im Wahlmännergremium, glaubt er vielleicht wirklich – Frage: warum nicht seit George Washington? –, ist aber auch nicht korrekt. Bill Clinton und Barack Obama hatten schon mehr zu bieten.

Abarbeiten an vermeintlichen Sündenböcken führt zu nichts

In einem hat Trump freilich ohne Wenn und Aber recht: Amerika ist ein tief gespaltenes Land. Das war es schon unter seinen Vorgängern, es ist nicht besser, es ist noch schlimmer geworden. Donald Trump hat von dieser Polarisierung profitiert, er ist deren Ergebnis. Im Wahlkampf hat er als „Hassprediger“ (Frank-Walter Steinmeier) alles daran gesetzt, dass die Spaltung sich seinen Gunsten auswirkt – mit Erfolg.   

Es wäre langsam Zeit, dass Präsident Trump mit dem Regieren anfängt. Der Kampf gegen die Presse mag ihm und seinen Anhängern zwar eine emotionale Gratifikation bieten. Aber dieses Abarbeiten an vermeintlichen Sündenböcken führt zu nichts. Genauso wenig wie Trumps egomanes Getue die Wirren der ersten Wochen im Amt schönreden kann.

© AP, reuters Trump-Show bei Pressekonferenz

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