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Wahlen in Amerika : Warum Trump die besseren Karten hat

Als Wackelfiguren verkaufen sich Trump und Clinton gut. Im Wahlkampf nicht. Bild: dpa

Narrenfreiheit gegen politische Festlegung: Nach Jahrzehnten in der ersten Reihe der amerikanischen Politik ist Clinton gegenüber Trump im Nachteil. Warum?

          Hillary Clinton eifert im Wahlkampf dem Mann nach, an dem sie vor acht Jahren scheiterte: Sie setzt auf die sogenannte Obama-Allianz. Wie Amerikas erster schwarzer Präsident will die Demokratin vor allem Afroamerikaner und Wähler mit lateinamerikanischen oder asiatischen Wurzeln mobilisieren. Obama schnitt 2008 und 2012 zudem unter jungen Weißen gut ab. Zu Clintons Leidwesen fühlen sich viele dieser „Millennials“ bisher bei Bernie Sanders besser aufgehoben, ihrem innerparteilichen Rivalen. Ein Teil der Sanders-Anhänger könnte für Clinton verloren sein. Dafür fordert die frühere First Lady, Senatorin und Außenministerin die weibliche Wählerschaft auf, Amerikas „höchste gläserne Decke“ zu zertrümmern. Bisher scheinen allerdings nicht allzu viele Wählerinnen Clintons Kandidatur als feministische Verheißung aufzufassen.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Von Donald Trump war noch keine Rede, als Clinton sich auf ihre Minderheiten-Strategie festlegte. Dass sich der Populist bei den Republikanern durchgesetzt hat, dürfte ihr nun dabei helfen, Schwarze, Latinos, Muslime und Frauen zu mobilisieren. Mit seinen rassistischen und frauenfeindlichen Parolen hat Trump ihr reichlich Munition geliefert. Das könnte für einen Sieg genügen – muss es aber nicht. Denn Trump verspricht, den Republikanern ein großes Reservoir bisheriger Nichtwähler zu erschließen. Sollte er das schaffen und zugleich die Stammwähler bei der Stange halten, könnte sich Clintons Teile-und-herrsche-Strategie als nicht ausreichend erweisen.

          Trump mag zu dick auftragen mit der Behauptung, er werde demokratisch dominierte Staaten wie Pennsylvania, Michigan oder New York gewinnen. In ihrem Zweifrontenkampf gegen Sanders und Trump tut Clinton sich aber schwer, die weiße Arbeiterschaft für sich einzunehmen.

          „Netto-Beliebtheitswert“: Tief im Minus

          Viel mehr Amerikaner haben eine schlechte als eine gute Meinung über Clinton. Eine neue NBC-Umfrage beziffert ihren „Netto-Beliebtheitswert“ auf minus 24 Prozent. Damit ist sie der mit Abstand unbeliebteste Präsidentschaftskandidat aller Zeiten – abgesehen von Trump. Seine Popularität wird auf minus 41 Prozent taxiert. Ein solches Duell der Verabscheuten hat es noch nie gegeben. Prognosen sind daher schwierig.

          Fest scheint nur zu stehen, dass die Vereinigten Staaten 2016 kein Land der Regel, sondern der Ausnahmen ist. Trump dürfte davon eher profitieren. Erstens ist er ideologisch beweglicher als Clinton und kann auf neue Wählergruppen zugehen, ohne den Kern seiner Anhänger zu verprellen. Zweitens beherrscht Trump die Kunst, Feuer mit Feuer zu bekämpfen: Er neutralisiert den negativen Effekt seiner Provokationen, indem er gleich die nächste Salve abschießt. Drittens hat sich Hillary Clinton so klar links positioniert, dass sie die wenigsten von Trump entsetzten Republikaner in ihr Lager locken kann. Nicht nur Evangelikale, auch wirtschaftsliberale Mitte-Republikaner und wertkonservative Unabhängige werden lieber vier turbulente Jahre Trump in Kauf nehmen als einen Supreme Court, den eine Präsidentin Clinton für eine ganze Generation auf links gebürstet hat.

          Trumps „Marke“ ist ideologisch nicht definiert

          Trump hat sich in wichtigen Fragen festgelegt. Er will Amerika abschotten, indem er Handelsverträge kündigt, Muslime an der Einreise hindert, massenweise illegale Einwanderer deportiert und eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichtet. Zugleich verspricht er den Fortbestand des Wohlfahrtsstaats, vor allem der staatlichen Krankenversicherung für Rentner. Doch für viele Amerikaner ist seine „Marke“ nicht ideologisch definiert. Über Jahrzehnte hat Trump sich ein Gewinner-Image gegeben. Für seine Anhänger zählt, dass Trump tut, was er tun muss, um das Establishment zu bezwingen. Selbst drastische Änderungen seiner Forderungen werden sie ihm als gewiefte Schachzüge verzeihen und nicht wie anderen Politikern als Rückgratlosigkeit auslegen. So regt sich im Trump-Lager bisher kein erkennbarer Unmut darüber, dass der Milliardär plötzlich dieselben Großspender umgarnt, von denen er sich bisher unter wüsten Beschimpfungen für unabhängig erklärt hat.

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