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Veröffentlicht: 17.02.2017, 11:27 Uhr

Reaktionen auf Pressekonferenz „Es ist verrückt, komplett verrückt“

Unglaublich, schwindelerregend, hypnotisch – so bezeichnen amerikanische Medien Trumps Pressekonferenz. Sie wittern hinter der Schimpftirade des amerikanischen Präsidenten allerdings eine Strategie.

von Anna-Lena Ripperger
© AP Ist er zu seinem Wahlkampfmodus zurückgekehrt? Donald Trump arbeitete sich in seiner Pressekonferenz über eine Stunde lang an seinen Gegnern ab.

Wenn Donald Trump mit seiner 77 Minuten langen Pressekonferenz vom Donnerstag eines geschafft hat, dann die amerikanischen Medien zu einen, zumindest für einen Moment. Sein Rundumschlag gegen Zeitungen, Journalisten und Fernsehsender löste – unabhängig von der Ausrichtung der jeweiligen Medien – Entsetzen aus.

Für die „New York Times“ ist klar, welche Strategie Trump mit seiner Kriegserklärung an Journalisten, Zeitungen und Fernsehsender verfolgt: Der Angriff auf Medienleute sei „die perfekte Ablenkung von den tatsächlichen Vorkommnissen, die gerade in Mr. Trumps neuer Regierung schwelen“, wie dem Rückzug des von Trump nominierten Arbeitsministers Puzder, der Entlassung des Nationalen Sicherheitsberaters Flynn und die Reaktion der Justiz auf Trumps Einreiseverbot gegen sieben Länder mit vorwiegend muslimischer Bevölkerung.

© EPA, F.A.Z., White House Donald Trump: Höhepunkte der Präsidenten-Show

Trump, der in der Pressekonferenz erklärte, die Medien seien völlig „außer Kontrolle geraten“, solle sich lieber an weitere Leaks und Berichte über seine Regierung gewöhnen, so die „New York Times“ weiter. Denn die Macht der menschlichen Neugier sei in einer Demokratie groß, „vor allem, wenn ein Präsident es wagt, sich zum alleinigen Besitzer der Wirklichkeit zu erklären“.

Auch der Sender „Bloomberg“ sieht in Trumps Wutrede vom Donnerstag den Versuch, seine „umkämpfte Präsidentschaft zu retten“.

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Der Sender CNBC bezeichnet die Pressekonferenz schlicht als „verrückt“, das Nachrichtenmagazin „Politico“ als „schwindelerregende, hypnotische Trump Show“ und CNN schreibt über die Pressekonferenz, sie stelle „einen unglaublichen Moment in der jüngeren politischen Geschichte Amerikas“ dar. Während die Dynamik des Abends für eine Pressekonferenz im Weißen Haus durchaus ungewöhnlich gewesen sei, habe man aber „vintage Trump“, den „klassischen Trump“, gesehen, der sich über Umfrageergebnisse, Hillary Clintons Wahlergebnis und Einschaltquoten ereifert habe – genau in dem Stil, der ihm auch zu seinem Wahlsieg verholfen habe. Auch für die „Los Angeles Times“ ist Trump mit seiner ersten „Solo-Pressekonferenz“ zum „ungezügelten Stil seines Wahlkampfes“ zurückgekehrt.

© Twitter

Für Aufregung sorgt besonders Trumps Reaktion auf die Frage eines Journalisten des jüdisch-orthodoxen Magazins „Ami“ nach der Reaktion der Regierung auf die wachsende Zahl antisemitischer Übergriffe. Die Frage selbst beantwortete Trump nicht, sie sei „sehr beleidigend“. Er erklärte nur, er sei die „am wenigsten antisemitische Person, die Ihnen in ihrem Leben je begegnet ist“ und forderte den Journalisten auf, sich zu setzen. Dieser Schlagabtausch zwischen Trump und dem Medienvertreter machte schnell im Kurznachrichtendienst Twitter die Runde und mündete in einem Statement der Anti-Defamation League, die sich gegen die Diskriminierung von Juden einsetzt.

© Johnny Dollar/Twitter Shepard Smith: Trumps Auftritt schockiert sogar Fox-News-Moderator

Als „Tiefpunkt“ von Trumps Pressekonferenz bezeichnet das Nachrichtenportal „Vox“ den Umgang Trumps mit einer schwarzen Journalistin. Auf ihre Frage, ob er mit einer Vereinigung zusammenarbeiten wolle, die afroamerikanische Kongressabgeordnete repräsentiert, reagierte er mit den Gegenfragen: „Vereinbaren Sie ein Treffen?“ und „Sind Sie befreundet?“ Damit zeigte er laut „Vox“, dass er Afroamerikaner als einheitliche Gruppe versteht, innerhalb derer alle gleich handeln und gleiche Interessen haben.

Shaun King von „New York Daily News“ nimmt Bezug auf diese beiden Momente der Pressekonferenz und richtet sich in einem Kommentar direkt an den Präsidenten: „Echte Menschen werden im ganzen Land zur Zielscheibe gemacht und angegriffen und Sie haben auf die Ängste eine Mannes keine andere Antwort, als dass er sicherlich noch nie einen so tollen und heiligen Menschen wie Sie getroffen hat.“

Selbst der Moderator des als konservativ und Trump-freundlich bekannten Senders Fox News, Shepard Smith, konnte nach Trumps Pressekonferenz nicht mehr an sich halten. Er kommentierte Trumps Auftritt mit den Worten: „Es ist verrückt, was wir da jeden Tag sehen, komplett verrückt.“ Der neue Präsident wiederhole absurde, schlicht unwahre Sätze und stelle die Journalisten, die berechtigte Fragen nach seinen Russland-Verstrickungen stellten, als „Deppen“ dar. Seine Anhänger würden ihn aber sicherlich weiterhin unterstützen, mutmaßte Smith.

Eine Vermutung, für die Smith in den sozialen Netzwerken schnell Belege finden sollte. Trump-Unterstützer lobten die Pressekonferenz als „unorthodox“ und „beeindruckend“ und forderten den Rausschmiss des Moderators. Er solle sich anderen „Fake News-Sendern“ anschließen.

Auch Trump selbst äußerte sich am Freitag zu seiner viel diskutierten Pressekonferenz. Mit einem Tweet bedankte er sich für „all die netten Äußerungen'“.

© Twitter

Sein besonderes Lob geht an Rush Limbaugh, einen als konservativ geltenden Radiomoderator, der über die Pressekonferenz gesagt hatte, sie sei „genau das, was der Arzt verordnet hat“. Die Medienvertreter seien nur bei der Konferenz gewesen, um Trump zu zerstören, „ob sie es zugeben wollen oder nicht“. Aber Trump habe direkt zum amerikanischen Volk gesprochen und transparent seine Agenda verkündet.

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