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Wegen Belästigungsvorwürfen : Dienstältester Kongressabgeordneter gibt Mandat ab

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Der dienstälteste amerikanische Kongressabgeordnete John Conyers Jr. Bild: AP

Er ist der letzte amtierende Kongressabgeordnete, der schon unter dem ehemaligen Präsidenten Lyndon Johnson diente. Doch jetzt wird dem Demokraten vorgeworfen, Mitarbeiterinnen sexuell belästigt zu haben – und John Conyers Jr. zieht Konsequenzen.

          Der dienstälteste Abgeordnete im amerikanischen Repräsentantenhaus, der Demokrat John Conyers Jr., hat wegen Belästigungsvorwürfen seinen Rückzug bekannt gegeben. „Ich trete heute zurück“, sagte Conyers am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem Radiointerview. Dem Demokraten aus Michigan wird vorgeworfen, Mitarbeiterinnen sexuell belästigt zu haben.

          Conyers sagte, er wolle, dass sein Sohn, John Conyers III., ihm nachfolge. Sein Sitz im Repräsentantenhaus gilt als sicher in demokratischer Hand; die Nachfolge wird durch eine außerordentliche Wahl geregelt werden. „Ich möchte, dass Sie wissen, dass mein Erbe von meinen Kindern fortgeführt wird“, sagte Conyers in dem Radiointerview.

          Der 88 Jahre alte Politiker, dessen Wahlbezirk Michigan die Hälfte der ehemaligen Autostadt Detroit einschließt, machte sich durch seinen Kampf für die Rechte der Schwarzen einen Namen. Er ist der letzte amtierende Kongressabgeordnete, der schon unter dem ehemaligen Präsidenten Lyndon Johnson in den sechziger Jahren diente.

          Hat Conyers öffentliche Gelder missbraucht?

          Ende November hatte Conyers bereits einen wichtigen Posten abgegeben, seinen Sitz im Rechtsausschuss. Vertreter der Ethikkommission hatten Ermittlungen gegen Conyers angekündigt, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, der Politiker habe über Jahre hinweg Mitarbeiterinnen sexuell belästigt und öffentliche Gelder „für unerlaubte persönliche Zwecke“ genutzt.

          Die Website Buzzfeed hatte berichtet, Conyers habe vor zwei Jahren einer früheren parlamentarischen Mitarbeiterin 27.000 Dollar im Gegenzug für ihre Unterschrift unter ein Schweigeabkommen gezahlt. Der Website lagen nach eigenen Angaben Aussagen von mehreren einstigen Mitarbeitern des Abgeordneten vor, in denen diese Conyers’ Verhalten gegenüber weiblichen Mitarbeiterinnen beschrieben.

          Der Politiker wies die Vorwürfe zurück. Vor der Ethikkommission des Repräsentantenhauses wollte sich Conyers um seine Rehabilitation bemühen. Zunächst hatte er auch erklärt, sein Abgeordnetenmandat behalten zu wollen.

          Conyers erklärte, die zitierten Dokumente seien „von einem Anhänger der Alt-Right-Bewegung“ bezahlt worden. Buzzfeed hatte erklärt, die Unterlagen von Mike Cernovich erhalten zu haben, einem rechtsgerichteten Kommentator.

          Die Welle der Enthüllungen über sexuelle Belästigungen durch Prominente in den Vereinigten Staaten hatte zuletzt auch den Kongress erreicht. In Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den ultrakonservativen republikanischen Senatskandidaten Roy Moore hatte sich auch der amerikanische Präsident Donald Trump eingeschaltet – und Moore verteidigt. Am Montag schrieb Trump auf Twitter, Moores Stimme im Senat werde gebraucht, um Kriminalität und illegale Einwanderung zu stoppen, das Militär zu unterstützen und ungeborenes Leben zu schützen.

          Vor einigen Wochen hatten mehrere Frauen Moore vorgeworfen, er habe sie vor Jahrzehnten als Minderjährige bedrängt und sexuell belästigt. Moore weist das zurück. Trump hatte die Vorwürfe nach Angaben des Weißen Hauses zunächst als „sehr besorgniserregend“ bezeichnet.

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