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Trump über „Drecksloch“-Länder : UN kritisieren Trumps Aussage als rassistisch

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Donald Trump spricht im September 2017 bei einem Mittagessen vor Vertretern afrikanischer Länder im Rahmen eines Treffen der Vereinten Nationen

Donald Trump spricht im September 2017 bei einem Mittagessen vor Vertretern afrikanischer Länder im Rahmen eines Treffen der Vereinten Nationen Bild: Picture-Alliance

Bei einer Besprechung im Weißen Haus hat Donald Trump afrikanische Länder und Haiti als „Dreckslöcher“ bezeichnet, berichten Insider. Darauf reagiert nicht nur der karibische Inselstaat mit heftiger Kritik.

          Die Vereinten Nationen haben empört auf Berichte reagiert, wonach der amerikanische Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit Afrika und Haiti von „Drecksloch-Ländern“ gesprochen haben soll. Die Äußerungen ließen sich nicht anders als „rassistisch“ bezeichnen, sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Rupert Colville, am Freitag in Genf vor Journalisten. „Man kann nicht ganze Länder und Kontinente als ‚Dreckslöcher‘ abtun, deren Einwohner, die alle nicht weiß sind, deshalb nicht willkommen sind.“

          Informierten Personen zufolge fragte Trump bei einem Gespräch mit zwei Senatoren im Weißen Haus: „Warum wollen wir alle diese Leute aus Afrika hier haben? Das sind Drecksloch-Länder. (...) Wir sollten mehr Leute aus Norwegen haben.“ Einer mit der Unterhaltung vertrauten Person zufolge zog Trump zudem in Zweifel, dass Menschen aus Haiti in die Vereinigten Staaten kommen sollten.

          Sollte sich bestätigen, dass Trump sich in dieser Form geäußert habe, seien dies „schockierende und beschämende Äußerungen durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten“, sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros. Es gehe hier um mehr als nur „vulgäre Sprache“. „Es geht darum, die Tür zur schlimmste Seite der Menschheit zu öffnen.“ Es werde zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ermutigt, was potentiell „die Leben vieler Menschen zerstört“, sagte Colville.

          Die Zeitungen „Washington Post“ und  „New York Times“ hatten am Donnerstag unter Berufung auf Teilnehmer der Gespräche über die verächtlichen Äußerungen Trumps berichtet.

          Trump traf sich am Donnerstag mit Senatoren und Kongressabgeordneten im Weißen Haus, um einen von beiden Parteien vorgelegen Gesetzentwurf zu beraten. Der soll den Nachzug von Familienmitgliedern von Einwanderern begrenzen und die Green-Card-Verlosung einschränken. Im Gegenzug sollen Hunderttausende „Dreamer“ (Träumer), die als Kinder illegal in die Vereinigten Staaten gekommen waren, im Land bleiben dürfen.

          Das Weiße Haus dementierte die Wortwahl Trumps nicht. Präsidentensprecher Raj Shah erklärte, während einige Politiker in Washington sich für fremde Länder einsetzten, werde „Trump immer für das amerikanische Volk kämpfen“. Es gehe ihm um „dauerhafte Lösungen“.

          Haiti bestellt Botschafter ein

          Der demokratische Kongressabgeordnete Luis Gutierrez sagte, nun sei „zu hundert Prozent“ klar, „dass der Präsident ein Rassist ist, der die von unserer Verfassung garantierten Werte nicht teilt“. Neben weiteren demokratischen Abgeordneten kritisierten laut CNN Republikaner Trumps Kommentare als „spaltend“ und „inakzeptabel“.

          Haiti, eines der von Trump ausdrücklich genannten Länder, bestellte unterdessen den obersten amerikanischen Diplomaten ein, um die Äußerungen des amerikanischen Präsidenten zu diskutieren. Robin Diallo, der derzeit amtierende Botschafter der Vereinigten Staaten in Haiti, werde sich am Freitag mit dem haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse treffen, sagte ein leitender Abteilungsbeamter gegenüber CNN.

          Der Botschafter von Haiti in Deutschland, Pierre M. Kerby Lacarriere, kritisierte im Gespräch mit FAZ.NET auch den Zeitpunkt der Äußerungen: „Heute ist der achte Jahrestag des Erdbebens von 2010, die Menschen kommen heute zusammen, um zu trauern.“ 316.000 Menschen waren bei dem verheerenden Unglück vor acht Jahren ums Leben gekommen.

          Lacarriere erinnerte außerdem daran, dass Soldaten aus Haiti im 18. Jahrhundert für die amerikanische Unabhängigkeit gekämpft hätten, zum Beispiel bei der Schlacht von Savannah. „Viele sind dabei gefallen. Donald Trump hat offenbar nicht an die langen Beziehungen zwischen Haiti und Amerika gedacht.“ Bei ihm hätten aber am Morgen schon viele Amerikaner angerufen, um sich für Trumps Äußerungen zu entschuldigen.

          Früherer Präsident Haitis: „Völlig inakzeptabel“

          Der ehemalige haitianische Präsident Laurent Lamothe sprach von einem „neuen Tief“ und nannte Trumps Äußerungen „völlig inakzeptabel“. Die Kommentare zeigten „eine Respektlosigkeit und Ignoranz, die in der jüngeren Geschichte Amerikas beispiellos sind. Genug ist genug!“ twitterte Lamothe.

          Der Außenminister Nepals, Bharat Raj Paudyal, sagte gegenüber CNN: „Wir sind uns der Kommentare von Präsident Trump bewusst. Unser Ministerium diskutiert die Reaktion auf die Angelegenheit.“

          Der ehemalige mexikanische Präsident und langjährige Trump-Kritiker Vicente Fox twitterte unterdessen, Trumps Mund sei „das fauligste Drecksloch der Welt“ („your mouth is the foulest shithole in the world“). „Mit welcher Autorität verkünden Sie, wer in Amerika willkommen ist und wer nicht? Amerikas Großartigkeit basiert auf Vielfalt, oder haben Sie Ihren Migrationshintergrund vergessen, Donald?“ so Fox.

          Der Kampf gegen die illegale Einwanderung war eines von Trumps zentralen Versprechen im Wahlkampf. Mit seiner harschen Anti-Immigranten-Rhetorik löste er im Wahlkampf immer wieder Empörung aus, etwa als er Einwanderer aus Mexiko pauschal als „Vergewaltiger“ brandmarkte.

          Quelle: sede./rad./alri./AFP/Reuters

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