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Porträt Jared Kushner : America’s First Schwiegersohn

Jared Kushner, 35, macht in Immobilien, gefällt sich aber immer mehr in seiner Rolle als Politstratege. Bild: Reuters

Jared Kushner, Schwiegersohn von Trump, stammt aus einem reichen Immobilien-Clan. Eine Geschichte über Macht, Sex & Crime.

          Harmloser als Jared Kushner kann man eigentlich gar nicht aussehen. Der Schwiegersohn des künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat ein Babygesicht, Grübchen, gescheitelte Haare und ist immer adrett angezogen. Er ist 35 Jahre alt, wirkt aber noch viel jünger. Er kommt wie ein Gegenentwurf zu seinem doppelt so alten Schwiegervater daher: höflich, mit ruhigem Ton, ohne Ambitionen, sich ins Rampenlicht zu drängen. Neben einer Naturgewalt wie Trump, der pompöse und krawallige Auftritte liebt, gibt Kushner eine ziemlich blasse Figur ab. Sein öffentliches Mitteilungsbedürfnis hält sich derart in Grenzen, dass er auf seinem schon vor Jahren eingerichteten Konto auf Trumps liebstem Verlautbarungskanal Twitter noch keinen einzigen Eintrag verfasst hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber so verschieden die beiden Männer auch sind, Trump hält enorme Stücke auf seinen Schwiegersohn. Kushner ist im Wahlkampf zu einem von Trumps engsten Vertrauten geworden und übt jetzt auch in der Übergangszeit bis zu dessen Vereidigung im Januar, in der wichtige Personalentscheidungen zu treffen sind, erheblichen Einfluss aus. Er war mit dabei, als Trump wenige Tage nach der Wahl dem noch amtierenden Präsidenten Barack Obama einen Besuch im Weißen Haus abstattete.

          Trump traut ihm die Lösung des Nahost-Konflikts zu

          Er ist der Strippenzieher im Hintergrund und dürfte einen großen Anteil an Trumps Sieg über Hillary Clinton gehabt haben. Und er wird mit Sicherheit weiter eine zentrale Rolle spielen, wenn Trump sein Amt antritt. Erst in dieser Woche wurde er von seinem Schwiegervater in den höchsten Tönen gelobt. „Jared ist ein wirklich schlauer Kerl“, schwärmte Trump in einem Interview. Ihm würde er sogar zutrauen, im Nahost-Konflikt Frieden zwischen Israel und den Palästinensern zu stiften.

          Seit 2009 ist Kushner mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet, die um einiges glamouröser ist als er selbst. Er konnte Ivanka überreden, für ihn zum Judentum zu konvertieren. Kushner und seine Familie sind modern-orthodoxe Juden, die zwar einerseits fest in der säkularen Welt stehen, aber auch ihren Glauben strikt praktizieren, etwa indem sie die Sabbatruhe einhalten. Deshalb schaltet das Ehepaar Kushner-Trump am Freitag nach Sonnenuntergang seine Telefone ab. Donald Trump soll Ankündigungen wegen Kushner schon so gelegt haben, dass sie nicht auf den Sabbat fallen.

          Ivanka und Jared als Power-Couple

          Kushner hat allein deshalb eine besondere Stellung in der Familie, weil Ivanka Trump der Star unter den fünf Kindern des künftigen Präsidenten ist und als Papas Liebling gilt. Nicht nur hat sie ebenso wie zwei ihrer Brüder eine führende Position in Trumps Immobilienimperium. Sie ist auch selbst erfolgreiche Unternehmerin und vermarktet Schmuck und Bekleidung unter ihrem Namen. Kushner und Ivanka Trump haben drei Kinder. Sie sind ein New Yorker „Power Couple“, das sich mit anderen Berühmtheiten umgibt. Sogar Chelsea Clinton, die Tochter von Trumps unterlegener Rivalin, zählt zu ihrem Freundeskreis.

          Trump und sein Schwiegersohn mögen sich in ihrem Naturell nicht allzu ähnlich sein, aber sie verbindet viel. Beide Männer stammen aus gutsituierten Familien, die mit Immobilien zu Geld kamen, und beide haben es geschafft, diesen Startvorteil zu nutzen und sich selbst einen Namen in diesem Geschäft zu machen. Trump bekam finanzielle Anschubhilfe von seinem Vater Fred, der es mit unspektakulären Wohnkomplexen zu Wohlstand gebracht hatte. Er wurde selbst mit Protzbauten wie dem Trump Tower an der New Yorker Fifth Avenue bekannt, in dem er bis heute residiert.

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