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Niger : Führt Amerika „Schattenkriege“ in Afrika?

  • -Aktualisiert am

Nigrische Soldaten bei einer Übung mit amerikanischen Soldaten im März in Diffa Bild: H/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Tod von vier amerikanischen Soldaten in Niger machte Schlagzeilen, weil Donald Trump es gegenüber einer Witwe an Respekt fehlen ließ. Der Vorfall facht die Debatte darüber an, wie es mit dem amerikanischen Anti-Terror-Einsatz in Afrika weiter geht.

          Donald Trump hatte sich nicht nur den Namen La David T. Johnson nicht gemerkt, er soll dessen Witwe Myeshia auch gesagt haben, ihr Mann habe ja gewusst, worauf er sich einlasse. Johnson war einer von vier amerikanischen Soldaten, die Anfang Oktober in Niger in einen Hinterhalt gerieten und getötet wurden. Das Gespräch Trumps mit dessen Witwe wurde zum traurigen Zankapfel, ja zu einem der vielen Skandale, die Trumps Präsidentschaft begleiten. Die Attacke, bei der auch fünf nigrische Soldaten starben, führte unterdessen zu einer Debatte über Militäreinsätze im Ausland.

          Einige Kongressabgeordnete stellten nach dem Vorfall in Niger Fragen. Sie wollten wissen, was die amerikanischen Soldaten eigentlich genau in dem Land machen, auf welcher rechtlichen Grundlage sie operieren, ob ihr Einsatz amerikanischen Interessen dient und ob sie dabei so gut es geht geschützt sind.

          Die Amerikaner sind mit rund 800 Soldaten auf einer Unterstützungs- und Beratungsmission in Niger. Sie trainieren die dortigen Sicherheitskräfte und sollen außerdem 4000 dort stationierten Franzosen logistisch und im Bereich der Aufklärung helfen.

          Die Soldaten, die Anfang Oktober bei einem Angriff mutmaßlicher Terroristen in Niger getötet wurden, waren auf dem Weg von einem Dorf zurück in ihre Basis. Eigentlich handelte es sich um eine Aufklärungsmission, bei der die Soldaten mit regionalen Führern zusammentreffen sollten. Die Gegend nahe der Grenze zu Mali ist als Durchzugsgebiet islamistischer Terroristen bekannt. Laut dem Sender CBS hätten die Befehle der Soldaten sich plötzlich geändert. Statt zurück in ihre Militärbasis zu fahren, seien sie gezwungen gewesen, die Nacht im Freien zu verbringen.

          Was passierte in Niger?

          Im Dorf Tongo Tongo hätten 12 Amerikaner und 30 Nigrer Halt gemacht, um sich mit Wasser und Essen zu versorgen. Ein Dorfbewohner sagte dem Sender, dass er drei oder vier bewaffnete Männer auf Motorrädern gesehen habe, die sich dem Konvoi näherten. „Wir dachten, mit wenigen werden sie fertig, aber am Ende waren es viel mehr“, so der Zeuge. Es sollen Terroristen des „Islamischen Staates“ gewesen sein, die die Soldaten aus dem Dorf weg und schließlich in einen Hinterhalt lockten.

          Sechzig Angreifer hätten sich zwei Stunden lang ein Feuergefecht mit den Truppen geliefert. Schließlich, sagte der Dorfbewohner, habe er drei tote amerikanische Soldaten gesehen, denen die Kleider fehlten. Erst zwei Tage später hätten Kinder weiter weg die Leiche von La David T. Johnson gefunden – er war von den anderen Soldaten getrennt und ebenfalls ausgezogen worden. Zeugen sagten, dass Johnson gefesselt und in den Kopf geschossen wurde. Das Pentagon kommentierte die Berichte bislang nicht.

          Der plötzliche Wechsel des Befehls wirft Fragen auf – nicht nur, weil er dazu führte, dass die Soldaten in gefährlichem Gebiet campen mussten, sondern auch, weil die Amerikaner im Land keine offensiven Missionen durchführen sollen. Laut neuem Befehl sollten die Soldaten nun jedoch einen Terroristen festsetzen oder töten, der sowohl zu Al-Qaida als auch zum „Islamischen Staat“ Verbindungen gehabt habe, berichten Medien. Gegenüber „ABC-News“ sagten vier Offizielle aus Niger, es habe sich um eine „capture or kill“-Mission gegen einen der gefährlichsten Terroristen, einen Mann namens Dandou, gehandelt.

          Trauerfeier für einen im Niger gefallenen Soldaten der amerikanischen Streitkräfte

          Das Pentagon untersucht den Vorfall zur Zeit noch. Der Chef des Generalstabs, General Joseph F. Dunford Jr., wies bereits Berichte zurück, dass die CIA in den Einsatz involviert gewesen sei – davon habe er keine Kenntnis.

          „Schattenkriege“ ohne ausreichende politische Diskussion?

          Die amerikanische Regierung beruft sich bei ihren Einsätzen auf eine Autorisierung, die als Antwort auf den 11. September 2001 militärische Einsätze auch ohne die Zustimmung des Kongresses erlaubt. Kritiker werfen den Abgeordneten deshalb immer wieder vor, ihre verfassungsmäßigen Rechte und Pflichten nicht ernst genug zu nehmen, weil sie diese Direktive seit 15 Jahren nicht energisch genug in Frage stellten. Was in Afrika passiere, seien „Schattenkriege“ des amerikanischen Militärs und der Geheimdienste – die Abgeordneten hätten zugelassen, dass ihre Macht im Kampf gegen den Terror ausgehöhlt wurde, hieß es etwa in einem Kommentar der „Washington Post“.

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