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Trump-Anwalt Michael Cohen : Der Mann fürs Grobe wird zur Gefahr

  • -Aktualisiert am

Trumps Anwalt Michael Cohen verlässt das Bundesgericht in New York Bild: AP

Nach Trumps Wahlerfolg machte Michael Cohen seine Beziehung zum Präsidenten zu Geld. Er ist nicht der einzige. Doch möglicherweise ging der Anwalt dabei weiter als die anderen.

          Seit das FBI Anfang April die Räume von Trump-Anwalt Michael Cohen durchsuchte, kommt der nicht mehr zur Ruhe. Cohen ist vom „Pitbull“ des Präsidenten, der für das Abräumen unliebsamer Schlagzeilen und Konflikte zuständig war, zu einem wachsenden Problem für Trump geworden. Fast täglich gibt es neue Enthüllungen über seine Geschäfte und immer steht eine Frage ganz oben: Wie sehr ist Trump in diese Geschäfte verwickelt?

          Fest steht, dass Cohen wesentlich mehr Geld von Privatunternehmen bekam, als bislang bekannt war. Mehrere Firmen zahlten ihm hohe Summen, damit er sie beriet und möglicherweise auch Kontakte zum Weißen Haus einfädelte. Nachdem Cohen sich eigentlich erhofft hatte, dort nach der Wahl einen wichtigen Posten zu bekommen und leer ausging, wollte er seine enge Beziehung zu Trump zu Geld machen. Private Kunden sollen Cohen mindestens drei Millionen Dollar über eine Firma namens „Essential Consultants“ bezahlt haben.

          Drei Tage nach Trumps Vereidigung wandte sich der Telekommunikationsriese AT&T an den Anwalt. Laut der Zeitung „Washington Post“ ging es neuen Dokumenten zufolge dabei auch um die geplante Fusion mit Time Warner. AT&T zahlte Cohen 600.000 Dollar für die Beratung über den 85 Milliarden Dollar schweren Deal, der eine Genehmigung der Regierung benötigt. Trump hatte sich im Wahlkampf gegen den Zusammenschluss ausgesprochen. Seine Regierung blockierte die Fusion im vergangenen November, seitdem liegt der Fall beim Justizministerium und die Parteien warten auf eine Entscheidung.

          AT&T, Novartis und Vekselberg

          Unklar ist, ob der Präsident irgendetwas von dem Vertrag Cohens mit AT&T wusste. Trumps Anwalt Rudy Giuliani stritt diese Vermutung am Mittwoch ab. Doch immerhin besuchten Cohen und AT&T-Chef Randall Stephenson mindestens einmal gleichzeitig den Trump Tower, und zwar am 12. Januar 2017, kurz bevor sie offiziell den Deal miteinander abschlossen.

          AT&T und der Pharmakonzern Novartis, den Cohen für 1,2 Millionen Dollar Honorar zur Gesundheitspolitik der neuen Regierung beriet, bestätigten unterdessen, dass sie dem Sonderermittler Robert Mueller Informationen über die Zahlungen an Cohen zur Verfügung gestellt hätten. Mueller, der etwaige Verbindungen des Trump-Teams nach Russland untersucht, kann auch Vorgänge einbeziehen, die nicht direkt etwas damit zu tun haben. Ein weiterer Kunde Cohens kommt zudem aus Russland. Cohen erhielt eine halbe Million Dollar, um die Investmentfirma Columbus Nova zu beraten, die das Geld des russisch-ukrainischen Oligarchen Viktor Vekselberg managt. Dabei ging es vor allem um Rat bei Immobiliendeals in Amerika.

          Wusste Trump von der Schweigegeld-Zahlung?

          Zuerst hatte Michael Cohen dadurch Aufsehen erregt, dass er behauptete, der Pornodarstellerin Stephanie Clifford alias Stormy Daniels aus eigener Tasche 130.000 Dollar Schweigegeld gezahlt zu haben, damit sie nicht über einen One Night Stand mit Trump sprach. Inzwischen ist klar, dass Trump seinem Anwalt dessen Aufwendungen erstattet hat. Doch das Trump-Team behauptet nach wie vor, dass nicht besprochen worden sei, wofür das Geld konkret bestimmt war. Klingt unwahrscheinlich, ist es aber nicht, sagte der Neue in Trumps Anwaltsteam, Rudy Giuliani. Er selbst habe auch schon derartige Dinge für Klienten erledigt, ohne dass diese im Detail über seine Schritte Bescheid gewusst hätten.

          Das finden Giulianis ehemalige Kollegen allerdings mehr als ungewöhnlich. Nachdem der ehemalige Bürgermeister von New York am Donnerstag seine Anwaltsfirma Greenberg Traurig verließ, gab die eine Stellungnahme ab. „Wir können nicht für Herrn Giuliani sprechen. Was uns betrifft, so würden wir Zahlungen der in Rede stehenden Art ohne das Wissen und die Anweisung des jeweiligen Klienten nicht anraten“, sagte eine Sprecherin der Zeitung „New York Times“.

          Nicht nur Cohen

          Die New Yorker Staatsanwaltschaft muss am Ende klären, ob irgendetwas an Cohens Geschäften oder an seinen Zahlungen illegal war. Sie konzentriert sich dabei auch auf die Firma „Essential Consultants“, über die sowohl die Beraterverträge als auch das Schweigegeld an Stephanie Clifford alias Stormy Daniels liefen. Cohen ist nicht der Einzige in Trumps Umfeld, der, als sich die Hoffnung auf einen Regierungsjob nicht erfüllte, eine Beraterfirma gründete. Auch andere, wie Brian Ballard oder Corey Lewandowski, wollten ihre vermeintliche oder tatsächliche Nähe zum Präsidenten so zu Geld machen. Doch keiner von ihnen war zuvor auch der Mann fürs Grobe für einen Kandidaten, der Schweigegeld verteilte, um nicht vom Siegeszug abgebracht zu werden.

          Und Cohen könnte mehr getan haben, als sein Wissen zu verkaufen. Michael Avenatti, der Anwalt von Pornodarstellerin Clifford, machte die Zahlungen von Unternehmen an Cohen als Erster bekannt. Er glaubt, dass der Anwalt für die Firmen direkt Lobbyarbeit im Weißen Haus machte, ohne als Lobbyist registriert zu sein.

          „Wenn Michael Cohen, der persönliche Anwalt des Präsidenten, Zugang zum höchsten Amt des Staates verkaufte, ohne sich an die entsprechenden Regeln zu halten, dann muss es ernste Konsequenzen geben“, sagte Avenatti gegenüber dem Magazin „Politico“.

          Selbst, wenn sich am Ende herausstellt, dass weder Trump noch Cohen etwas Illegales getan haben, zeigt Cohens Tätigkeit doch eines: Den Washingtoner „Sumpf“, den Trump versprach „trockenzulegen“, bevölkerten nach der Wahl nicht zuletzt auch seine engsten Vertrauten.

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