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Trumps Angriffe : Deutschland ist kein Vasall

Im Beisein von Stahlarbeitern unterzeichnet Präsident Trump die Anordnung von Strafzöllen. Bild: AP

Der Nationalist Trump malt sich offenbar schon aus, wie Deutschland in einem Akt der Demütigung um Straferlass betteln und versprechen werde, künftig brav seine „Verpflichtungen“ einzuhalten. Er sollte sich nicht täuschen.

          Auf der Münchner Sicherheitskonferenz neulich versicherten seine Abgesandten noch, wie sehr sich die europäischen Partner auf die Vereinigten Staaten verlassen könnten. Doch als der amerikanische Präsident jetzt die Erhöhung von Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte verkündete, schlug er, wieder einmal, Töne an, die einen an der atlantischen Gemeinschaft zweifeln lassen. Aus Sicht Donald Trumps sind es gerade die Verbündeten, die Amerika auf den Feldern Handel und Sicherheit seit Jahren über den Tisch zögen. Und der Oberbösewicht, so muss man Trumps Worte interpretieren, ist Deutschland. Das Mantra ist bekannt: Deutschland exportiere zu viel in die Vereinigten Staaten, und es gebe zu wenig Geld für Verteidigung aus. Dass beide Themen miteinander verknüpft werden, das aber ist neu. Der Nationalist Trump hat Deutschland schon lange auf dem Kieker; dass er es jetzt so heftig attackiert, da alle Welt vor einem Handelskrieg warnt, ist ein Affront.

          Welches Verständnis dieser Präsident von einem Bündnis hat, zeigt sich darin, dass er zwischen wahren Freunden unterscheidet, die eine Ausnahme von den Zöllen beantragen können, wie Australien, und solchen, bei denen er sich nicht flexibel zeigen werde, eben gegenüber Ländern wie Deutschland, die Amerika besonders „unfair“ behandelten. Viele Amerikaner messen dem deutsch-amerikanischen Verhältnis große Bedeutung bei – für Amerika. Dessen Präsident, und auf den kommt es an, aber ist auf einem anderen Trip. Offenbar malt er sich schon aus, wie Deutschland in einem Akt der Demütigung um Straferlass betteln und versprechen werde, künftig brav seine „Verpflichtungen“ einzuhalten. Ein Vasall ist Deutschland nicht!

          Die Mahnungen, jetzt nicht an der Eskalationsspirale zu drehen und erst einmal die WTO anzurufen, sind berechtigt. Aber groß ist die Hoffnung nicht, dass Trump einlenken wird. Und auch das stimmt: Jahrelang rief Washington den Europäern zu, endlich mehr in eigene und kollektive Verteidigung zu investieren. Diese Rufe stießen lange auf taube Ohren, auch hierzulande. Aber Deutschland hat in den vergangenen Jahren seine Ausgaben für Verteidigung erhöht. Es muss das auch weiter tun, und zwar nicht, weil Trump Berlin erpresst, sondern weil es in unserem eigenen Interesse ist. Aber das Klima ist vergiftet. Überhaupt: Diese Partnerschaft verträgt sich nicht mit Strafen und Erpressen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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