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Asienreise : Nicht mehr ganz totale Vernichtung

„Wir gehen zusammen“: Moon (links) und Trump am Dienstag bei einer Begrüßungszeremonie in Seoul Bild: AP

Trumps Asien-Reise folgt einer ausgeklügelten Regie: Moderate Töne zu Nordkorea sollen die Verbündeten fest an die Seite Amerikas binden. Mit Präsident Moon in Südkorea funktioniert das bestens.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump ist immer für eine Überraschung gut. Viel war im Vorfeld seines Asien-Besuchs von politischen Analysten sorgenvoll spekuliert worden, dass Trump die Rhetorik gegenüber der nordkoreanischen Diktatur noch verschärfen könnte. Tatsächlich aber schlug der Amerikaner in den ersten Tagen seiner Reise, die ihn nach Japan, Südkorea, China, Vietnam und auf die Philippinen führt, eher moderate Töne an. Was sich schon in Tokio abgezeichnet hatte, wurde am Dienstag in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul noch deutlicher. „Ich glaube wirklich, dass es für Nordkorea sinnvoll ist, an den Tisch zu kommen und einen Vertrag abzuschließen, der für die nordkoreanische Bevölkerung und die Völker der Welt gut ist“, sagte Trump in einer Pressekonferenz mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Er sehe gewisse Bewegung, sagte Trump, ohne das näher zu erklären. Das klang weniger aggressiv und konzilianter als die Warnungen etwa mit der totalen Vernichtung, die der Präsident noch vor Wochen angeschlagen hatte. Die Aufforderung an Kim Jong-un, an den Verhandlungstisch zu kommen, untermauerte Trump dennoch mit militärischen Drohungen. Die Vereinigten Staaten hätten drei der größten Flugzeugträger der Welt und ein nukleares Unterseeboot in der Region stationiert. „Wir haben viele Dinge in der Mache, die wir hoffen, bei Gott, niemals einsetzen zu müssen“, sagte Trump. In Seoul demonstrierten am Abend Hunderte Demonstranten mit Schildern „Kein Trump – kein Krieg“. Konservative Gruppen hielten mit Sprechchören für Trump dagegen.

          Trump zeigt sich in Asien zurückhaltend

          In der Metropolregion Seoul mit rund 25 Millionen Einwohnern, die wenige Dutzend Kilometer von der entmilitarisierten Zone zwischen den beiden koreanischen Staaten entfernt liegt, muss bei einem nordkoreanischen Angriff mit vielen zehntausend Toten schon in den ersten Kriegstagen gerechnet werden. Die Gefahr durch Nordkorea ist so besonders greifbar, auch wenn die Bevölkerung daran weitgehend gewöhnt ist.

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          Trumps moderater Tonfall war wohl nur am Rande dem „Genius Loci“ geschuldet. Wie schon in Tokio las der Präsident bei seinen öffentlichen Auftritten in Seoul überwiegend vorbereitete Redetexte ab und improvisierte wenig. Der zurückhaltendere Ton scheint Teil einer ausgeklügelten Regie der Asien-Reise mit dem Ziel, Verbündete für noch mehr Druck auf Nordkorea zu finden. „Nordkorea ist eine weltweite Bedrohung, die der globalen Handlung bedarf“, sagte Trump. Alle Nationen müssten die Beschlüsse des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen umsetzen und den Handel und die Geschäfte mit Nordkorea vollständig beenden. China habe sich als sehr hilfreich erwiesen. „Wir hoffen, dass auch Russland hilfreich sein wird.“ Trump wollte am Mittwoch in der südkoreanischen Nationalversammlung in Seoul eine Rede halten, bevor er nach China weiterreiste.

          Moon nähert sich an

          Sein Gastgeber Moon Jae-in machte es dem amerikanischen Präsidenten leicht, sich in Seoul wohl zu fühlen. Trump habe schon große Fortschritte gemacht darin, Amerika wieder groß zu machen, sagte der südkoreanische Präsident direkt vor dem Jahrestag der Wahl Trumps zum Präsidenten. Er fühle etwas wie eine alte Freundschaft mit Trump, schmeichelte Moon abends beim Staatsbankett. „Wir gehen zusammen“ stand auf einer großen Dekoration.

          Beide haben sich in den vergangenen Monaten über den Nordkorea-Konflikt oft beharkt. Moon sucht eigentlich den Dialog mit Pjöngjang, Trump setzt auf Drohung und Abschreckung. Trump warf Moon Appeasement-Politik vor, Moon beharrt darauf, dass es nie wieder Krieg auf der koreanischen Halbinsel geben dürfe. Der Konflikt ist nicht beigelegt, aber von Moons Seite aus pragmatisch durch Annäherung an Trumps Position übertüncht. Er sprach von der gemeinsamen Strategie, Nordkorea durch maximalen Druck zum Gespräch zu bewegen, zugleich aber eine helle Zukunft für das Land in Aussicht zu stellen, wenn Pjöngjang das Richtige tue.

          Muss sich Südkorea mehr beteiligen?

          Maximaler Druck bedeutet für Südkorea auch, stärker aufzurüsten. Amerika und Südkorea haben sich nach den Worten Moons endgültig darauf geeinigt, dass Südkorea künftig seine Raketen ohne Gewichtsobergrenze mit Sprengköpfen bestücken dürfe. Trump kündigte an, dass Südkorea für Milliarden Dollar amerikanische Waffen kaufen werde. Wie schon in Japan gab der amerikanische Präsident so den Waffenhändler, in der Hoffnung, die bilateralen Handelsdefizite Amerikas zu verringern. Moon verwies auf vereinbarte Gespräche über den Kauf von Aufklärungsgerät. Südkorea prüft auch den Kauf nuklearer Atom-U-Boote. Damit könnte sich auch die frühere Forderung Trumps erfüllen, dass Südkorea finanziell mehr zur gemeinsamen Verteidigung beitragen müsse.

          Trump hatte direkt nach seiner Ankunft in Südkorea die Militärbasis Camp Humphreys besucht, die in den vergangenen Jahren zum großen Teil mit südkoreanischem Geld ausgebaut wurde. Moon hofft, dass Trump durch den Besuch den Wert des südkoreanischen Verteidigungsbeitrags erkannt habe. Doch Trump ließ an dieser Stelle den moderaten Tonfall fallen. Auch Amerika habe Geld in die Anlage gesteckt, bedeutete er den fragenden südkoreanischen Journalisten. Im Übrigen sei er sicher, dass er die Basis für weniger Geld hätte bauen können.

          Quelle: F.A.Z.

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