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Veröffentlicht: 24.02.2017, 20:34 Uhr

Trump spricht auf CPAC-Treffen „Die Ära des leeren Geschwätzes ist vorbei!“

Vor begeisterten Fans teilt Donald Trump den „unehrlichen“ Medien mit, wie sie in Zukunft zu berichten haben. Ansonsten gibt es viel Eigenlob - und Neuigkeiten zur Mauer zu Mexiko.

von Simon Riesche, Washington
© Reuters Einmal auf dem Bildschirm, einmal auf der Bühne: Donald Trump spricht auf dem CPAC-Treffen.

Donald Trump nimmt sich einmal mehr die Medien vor. Diese „Feinde des Volkes“ würden massenhaft Unwahrheiten verkünden und Umfragen fälschen, lässt er am Freitagvormittag (Ortszeit) die Teilnehmer der einflussreichen CPAC-Konferenz vor den Toren Washingtons wissen.

Vorwürfe dieser Art sind nichts Neues, doch dieses Mal geht der Präsident noch einen Schritt weiter. Journalisten, so sagt er, sollte es nur noch erlaubt sein, Personen zu zitieren, die auch namentlich genannt werden. „Lasst sie es mir ins Gesicht sagen“, so Trump. „Es darf keine Quellen mehr geben.“

Diese für einen amerikanischen Präsidenten äußerst ungewöhnliche Forderung dürfte, so sind sich viele Beobachter einig, vor allem eine Reaktion auf aktuelle Berichte des Nachrichtensenders CNN gewesen sein. Dieser hatte unter Berufung auf anonyme Regierungsquellen vermeldet, dass das Weiße Hause die Bundespolizei FBI gebeten habe, Kontakte zwischen Trump-Mitarbeitern und russischen Geheimdienstlern abzustreiten.

„Sie können nicht einmal die anonymen Informanten im FBI selbst finden“

Stimmt nicht, ließ Präsidentensprecher Sean Spicer bereits gestern verlauten. Sein Chef attackiert am Freitagmorgen via Twitter die Behörden. Das FBI sei „vollständig unfähig“, wenn es darum gehe, undichte Stellen zu stopfen, schreibt er. „Sie können nicht einmal die anonymen Informanten im FBI selbst finden.“ Schon länger steht Trump wegen angeblich sehr enger Verbindungen nach Russland unter Druck.

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er sich deswegen den Auftritt vor seinen Fans vermiesen lassen würde. „Ich liebe diese Konferenz, ich liebe euch“, ruft er lächelnd. „Wir lieben dich auch“, erwidern begeisterte Zuschauer. Viele haben rote Trump-Mützen auf dem Kopf. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die CPAC-Teilnehmer dem Milliardär aus New York in den letzten Jahren eher ablehnend gegenüber standen. Trump sei nicht konservativ genug, hieß es stets. Inzwischen offenbar Schnee von gestern.

© Reuters, reuters Im Februar: Trump kritisiert abermals „Fake News“

CPAC steht für „Conservative Political Action Conference“. Die Veranstalter sehen ihre Versammlung als Sprachrohr einer breiten „konservativen Bewegung“, das Treffen ist Diskussionsforum und Happening zugleich. Präsidentenberaterin Kellyanne Conway, die neben Vizepräsident Mike Pence, Stabschef Reince Priebus und Chefstratege Stephen Bannon bereits gestern der Konferenz ihre Aufwartung machte, schlägt angesichts der Begeisterung für den Präsidenten augenzwinkernd vor, CPAC in Zukunft in „TPAC“ umzubenennen. T wie Trump.

Nach der anfänglichen Medienschelte entwickelt sich Trumps Rede unterdessen zum üblichen Rundumschlag. Wie in seinen Wahlkampf-Veranstaltungen rauscht er durch zahlreiche Themen und verspricht große Veränderungen. Es geht um die Grenzmauer zu Mexiko, deren Baubeginn angeblich unmittelbar bevorstehe, dann um die „größte militärische Aufrüstung in der amerikanischen Geschichte“. Es geht aber auch um Hillary Clinton, die amerikanische Flagge und die angebliche Tatsache, dass draußen vor der Halle die Menschen „noch sechs Blocks entfernt“ Schlange stehen würden, um ihn reden zu hören. „USA, USA, USA“, rufen die Zuschauer, als Trump verspricht, die Interessen der eigenen Staatsbürger immer an erste Stelle zu setzen. „Ich repräsentiere nicht den Globus, ich repräsentiere unser Land.“

Auch die Pressefreiheit lässt er nicht aus

Daran, dass er der beste Mann für den Job ist, versucht Trump abermals keine Zweifel zu lassen. In langen Passagen seiner Ansprache lobt er das eigene Talent und erzählt zum wiederholten Male die Anekdote, wie er sich persönlich dafür eingesetzt habe, dass Ölpipelines in den Vereinigten Staaten in Zukunft nur mit amerikanischen Stahl gefertigt werden dürfen. Dann noch ein Wort zur Pressefreiheit: „Niemand liebt das First Amendement mehr als ich“, sagt der Präsident in Bezug auf den ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, in dem das Recht auf freie Meinungsäußerung festgeschrieben ist.

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Da war er wieder, der Trumpsche Superlativ. Die Medienplattform „Vice“ hatte in dieser Woche bereits die Lacher auf ihrer Seite, als sie ein Best-of-Video mit (echten) Trump-Aussagen der letzten Monate präsentierte, in denen der 70-Jährige prahlt, was er alles besser könne als der Rest der Welt. „Niemand liebt die Bibel mehr als ich“, sagt er da etwa. Oder: „Niemand tut mehr Gutes für Menschen mit Behinderungen als ich.“ Oder auch: „Niemand ist konservativer als ich.“

Am kommenden Dienstag wird Trump zum ersten Mal vor dem amerikanischen Kongress sprechen. Erwartet wird eine staatsmännische Rede. Vor allem aber müssten endlich konkrete Informationen zu Gesetzesinitiativen, etwa der versprochenen Steuer- oder Gesundheitsreform, genannt werden, fordern nicht nur die oppositionellen Demokraten, sondern auch Wirtschaftsführer, die mit dem politischen Klein-Klein in Washington sonst eher wenig zu tun haben. „Die Ära des leeren Geschwätzes ist vorbei“, sagt Trump in seiner CPAC-Rede. Er wird sich an diesen Worten messen lassen müssen

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