http://www.faz.net/-gpf-8zmn1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 10.07.2017, 04:22 Uhr

Moskauer Einflussnahme? Trump Junior traf russische Anwältin wegen Hillary Clinton

Russlands Einflussnahme auf den Wahlsieg Trumps hält Amerika weiter in Atem: Nun wird ein brisantes Treffen bekannt - die erste öffentliche Bestätigung, dass Mitglieder von Trumps Wahlkampfteam bereit gewesen sind, „russische Hilfe anzunehmen“.

© dpa Donald Trump Jr. im Dezember 2016 im Trump Tower: Dort hatte er im Wahlkampf auch eine russische Anwältin getroffen.

Der älteste Sohn von Amerikas Präsident Donald Trump hat sich Berichten zufolge während des Wahlkampfs im Juni 2016 mit einer russischen Anwältin getroffen, die belastende Informationen über Trumps demokratische Konkurrentin Hillary Clinton versprochen haben soll. Das berichten die Zeitungen „New York Times“ und „Washington Post“ am Sonntag.

Bei dem Treffen - zwei Wochen nach Trumps Nominierung zum Kandidaten der Republikaner -, seien auch Trumps damaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort und sein Schwiegersohn Jared Kushner dabei gewesen. Trump weist energisch jedwede Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland zurück.

Mehr zum Thema

Der Zeitung zufolge handelt sich bei dem Treffen um den frühesten bekannten Russland-Kontakt von Trumps Wahlkampfteam. Laut „New York Times“ bestätigte Donald Trump Jr., dass das Treffen mit der Anwältin Natalia Veselnitskaya im Trump Tower stattgefunden habe.

© reuters Senatoren wollen Trump-Sohn zu Russland-Kontakten befragen

Er erklärte, bei der Begegnung sei es um die Frage von Adoptionen russischer Kinder durch Paare in den Vereinigten Staaten gegangen, die Russlands Präsident Wladimir Putin zuvor ausgesetzt hatte. Er sei gebeten worden, an dem Gespräch teilzunehmen, und es habe kein weiteres Treffen gegeben.

Die Zeitung „New York Times“ zitiert aus die Mitteilung von Trump Jr.: „Nachdem Freundlichkeiten ausgetauscht waren, verkündete die Frau, sie habe Informationen, dass Menschen mit Verbindungen zu Russland das Democratic National Committee und Frau Clinton unterstützen.“ Allerdings seien ihre Äußerungen vage und mehrdeutig gewesen, sie hätten keinen Sinn ergeben. Einzelheiten oder unterstützende Informationen seien nicht angeboten worden. „Es wurde schnell deutlich, dass sie keine wichtige Information hatte.“ Das Democratic National Committee ist eine Organisation der Demokratischen Partei, die unter anderem für die Mittelbeschaffung zuständig ist.

Die amerikanischen Geheimdienste sind überzeugt, dass Russland hinter Hackerangriffen während des Wahlkampfs steckte und dass Moskau damit den Ausgang der Präsidentschaftswahl im November zugunsten Trumps beeinflussen wollte. Russland hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Zuletzt bestritt Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen mit Trump am Rande des G-20-Gipfels in Hamburg die Vorwürfe. Trump kündigte nach dem zweistündigen Gespräch an, mit Russland „konstruktiv“ zusammenzuarbeiten - auch in der Abwehr von Cyberattacken. Damit löste er am Sonntag in den eigenen Reihen spöttische Reaktionen aus.

Die russische Anwältin Veselnitskaya sagte der Zeitung zufolge am Samstag, dass nichts im Zusammenhang mit dem Präsidentschaftswahlkampf diskutiert worden sei. Nach Angaben der „New York Times“ scheint das Treffen die erste öffentliche Bestätigung zu sein, dass einige Mitglieder von Trumps Wahlkampfteam bereit gewesen seien, „russische Hilfe anzunehmen“.

© EPA, reuters Informationen über Clinton: Trump-Sohn sprach mit russischer Anwältin

Kein Rabatt für Links oder Rechts

Von Reinhard Müller

Das Strafrecht kennt weder rechts noch links; wohl aber Terror und Mord. Schuldig macht sich, wer Gewalt für ein Mittel der Politik hält. Mehr 65 148

Zur Homepage