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Reaktionen auf Korea-Gipfel : So irritiert sind Amerikas Verbündete

Die gemeinsamen Militärmanöver von Amerika und Südkorea dienten zur Abschreckung des kommunistischen Nordens. Bild: dpa

Nach dem Gipfeltreffen von Trump und Kim in Singapur streiten sich Amerikas Alliierte über die Absage der Militärmanöver. Einige haben Verständnis – doch die meisten sind ernüchtert.

          Einen Tag nach dem Gipfeltreffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un sprachen Kommentatoren von Kindergartendiplomatie und einem Papier ohne Wert. In Südkorea sorgte besonders Trumps Ankündigung für Verwirrung, für die Zeit von Verhandlungen mit Nordkorea auf Militärmanöver zu verzichten. Die linksliberale Regierung von Präsident Moon Jae-in deutete am Mittwoch aber an, zu einem solche Verzicht gegebenenfalls bereit zu sein. Man müsse über verschiedene Wege nachdenken, um den Dialog mit Nordkorea zu stärken, äußerte ein Präsidentensprecher in Seoul.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Trump hatte nach dem Treffen mit Kim vor Journalisten gesagt, er wolle die „Kriegssimulationen“ mit Südkorea aussetzen, auch weil diese provozierend wirkten – er benutzte den in Washington gängigen Begriff der „war games“. Der Präsident griff damit implizit die Kritik aus Nordkorea an den Manövern auf, die Pjöngjang wiederholt als Angriffsübungen geißelte. Für die Übungen lässt Amerika teilweise B-52-Bomber aus Guam einfliegen, was Trump als sehr teuer beschrieb. Beobachter in Seoul gehen davon aus, dass es sich mit Nordkorea ähnlich verhält. Auch dort stünden hinter der Ablehnung der Übungen oft wirtschaftliche Gründe. Denn wenn amerikanische und südkoreanische Flugzeuge in Grenznähe üben, müssen nordkoreanische Militärflugzeuge für eventuelle Abfangmanöver aufsteigen. Das kostet das devisenknappe Regime viel Treibstoff.

          Die Aussage des amerikanischen Präsidenten der provozierenden Militärübungen konterkariert die bisher übliche Linie der Verbündeten, dass die gemeinsamen Manöver nur der Verteidigung dienen. Die Regierung in Seoul war von der Ankündigung überrascht worden. Wohl auch deshalb betonte sie am Mittwoch die Notwendigkeit, erst einmal genau herauszufinden, was Trump meine. Trump hatte nach dem Treffen mit Kim auch bekräftigt, auf lange Sicht die amerikanischen Truppen aus Seoul ganz abzuziehen.

          Wurde Verteidigungsminister Mattis übergangen?

          Südkoreanische Beobachter äußerten aber auch Verständnis für die Ankündigung Trumps. Eine zeitweise Aussetzung der Manöver gefährde die Verteidigung und Sicherheit Südkoreas nicht unmittelbar, sagte Kim Thae-wan von der nationalen diplomatischen Akademie in Südkorea dieser Zeitung. „Die Aussetzung der Manöver kann als Ouvertüre für den Vertrauensaufbau mit Nordkorea bezeichnet werden, so wie Nordkorea seine Nuklear- und Raketentests ausgesetzt und das Nukleartestgelände in Pyunggeri zerstört hat“, sagte Kim.

          In Washington ließ Verteidigungsminister James Mattis bekräftigen, dass Amerika „felsenfest“ zu seinen Bündnissen stehe. Seine Sprecherin bestritt, dass das Pentagon von Trumps Äußerungen überrascht worden wären. Wann und von wem Mattis erfuhr, dass Trump eine Aussetzung der gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea ankündigen würde, war in Washington zunächst nicht zu erfahren. Doch kein Dementi konnte Beobachtern die Überzeugung nehmen, dass es dem Minister zumindest bei Trumps Wortwahl kalt über den Rücken gelaufen sein muss. Denn in Korea und an vielen anderen Orten der Welt beharren die amerikanischen Streitkräfte seit Jahrzehnten darauf, dass ihre Übungen der Verteidigung und Abschreckung, also dem Frieden und der Stabilität dienen. Dass der Oberbefehlshaber sie nun zur „Provokation“ erklärte, als sei er der nordkoreanische Regierungssprecher, dürfte Trump zwar nicht daran hindern, sie gegebenenfalls wieder anzuberaumen. Doch das Pentagon wird es auf lange Zeit schwerer haben, sie als friedensstiftende Übungen unter befreundeten Armeen zu rechtfertigen.

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