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Veröffentlicht: 02.04.2017, 12:27 Uhr

Russland und Amerika Putin hat Trump nichts zu bieten


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Nach dem Vertrag, der 2021 ausläuft, verringern Russland und Amerika die Abschussvorrichtungen für Nuklearraketen um die Hälfte. Noch gravierender für Putin war Trumps Aussage, die Vereinigten Staaten würden ihre Nuklearwaffen modernisieren. Das heißt auch, dass Trump an der amerikanischen Raketenabwehr in Europa festhält. Die aber schmerzt die Russen besonders, weil sie dadurch das strategische Gleichgewicht in Frage gestellt sehen. Denn das besteht nur, wenn die nuklearen Supermächte die Möglichkeit zu einem erfolgreichen Zweitschlag haben. Die Forderung Washingtons, Russland müsse die Krim zurückgeben, hat Moskau ebenso verärgert.

Trump © Reuters Vergrößern Trumps Politik nach der Wahl hat Russland verärgert. Und auch sein Regierungspersonal ist weniger russlandfreundlich als gedacht.

Keine Priorität für dem amerikanischen Präsidenten

Hinzu kommt: Trumps Regierungspersonal ist weniger russlandfreundlich, als es zunächst schien. Zwar machte Außenminister Rex Tillerson als Präsident des Energiekonzerns Exxon-Mobil Geschäfte in Russland, kritisierte die Sanktionen und erhielt von Wladimir Putin 2013 einen Freundschaftsorden. Doch das heißt nicht, dass der Politiker Tillerson nun prorussisch handeln wird. Er weiß, wie die Russen ticken und wieweit er ihnen trauen kann. In Verhandlungen wird er den harten Hund geben. Den ersten Beweis hat er am Freitag beim Treffen der Nato-Außenminister in Brüssel geliefert. Die Allianz müsse über die Antwort auf „Russlands Aggression in der Ukraine und anderswo“ und ihre Aufstellung in Osteuropa diskutieren.

Welchen Deal könnte Putin dem amerikanischen Präsidenten überhaupt anbieten? Reizvoll für Trump wäre eine russisch-amerikanische Front gegen Peking, schließlich sieht er in China die Hauptgefahr für die amerikanische Wirtschaft. Doch Putin braucht Peking als Gegengewicht zum Westen, selbst dann, wenn das Zusammenspiel mit dem Nachbarn nicht immer Moskauer Wünschen entspricht. Deal ausgeschlossen. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet hat Russland wenig anzubieten: Öl und Gas hat Amerika durch Fracking selbst in reichem Maße, es besteht kein Druck, in die Gewinnung russischer Energie zu investieren. Kurzum: Russland hat für Trump derzeit keine außenpolitische Priorität.

Putin muss auf neue Erfolge warten

Dabei hatte Moskau seit 2014 mit relativ wenig Einsatz viel erreicht, um Obamas leichtfertiges Wort von der Regionalmacht Russland Lügen zu strafen. Mit dem kleinen, siegreichen Krieg auf der Krim und in der Ostukraine hat Putin die Beziehung zum Westen verdorben, die Nation aber wieder hinter sich gebracht. Im kommenden Jahr will er noch einmal als Präsident antreten. Der Kreml zielt auf eine hohe Wahlbeteiligung von siebzig Prozent und ein ebenso hohes Ergebnis für Putin.

Der hohe Mobilisierungseffekt, den die Krim-Annexion erzeugte, ist allerdings aufgebraucht. In Syrien mehren sich die Verluste. In der Ukraine gibt es weder ein Vor noch ein Zurück. Ob die Wahlen in Frankreich und Deutschland so ausgehen, dass sich die Position des Kremls verbessert, ist ungewiss. Mit der wirtschaftlichen Lage wird Putin die Russen kaum begeistern können. Ein Szenario für einen neuen Höhenflug in der Popularität war das neue Miteinander mit Amerika – als Bestätigung der globalen Bedeutung Russlands. Vorbei.

Putin wirkt dieser Tage wie ein Spieler im Casino, der mit einem schlechten Blatt gut geblufft und eine große Menge Chips gewonnen hat. Im Rausch des Sieges geht er an die Bar, um einen zu heben. Die Rechnung ist hoch. Doch als er zurückkommt, ist der Schalter geschlossen, an dem die Chips in realen Gewinn eingelöst werden. Nun sitzt er da und wartet.

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