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Trump in Israel : Hauptsache, er war da

Donald Trump an der Klagemauer in Jerusalem Bild: dpa

Mit dem ersten Besuch eines amtierenden amerikanischen Präsidenten an der Klagemauer hat Donald Trump schon jetzt Geschichte geschrieben. Der Symbolkraft folgte jedoch wenig Gehaltvolles.

          Donald Trump ist kein besonders religiöser Mensch. In den seltenen Momenten, in denen er öffentlich über seinen christlichen Glauben sprechen musste, wirkte er in der Vergangenheit bestenfalls linkisch und ungeschickt. Trotzdem wirkte der amerikanische Präsident in Riad so, als wolle er die ultimative Lösung für religiösen Frieden finden. Wenn die drei monotheistischen Weltreligionen „in Kooperation zusammenkommen können, dann ist Frieden in dieser Welt möglich – eingeschlossen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern“, hatte Trump in Riad gesagt. Einen historischen ersten Direktflug zwischen Saudi-Arabien und Israel später steht Trump am Montagnachmittag an der Klagemauer; neben ihm seine jüdischen Familienangehörigen und ein Rabbiner. Trump und sein Schwiegersohn Jared Kushner gehen in den Männerbereich, First Lady Melania und Tochter Ivanka in den kleineren Abschnitt für Frauen. Für den Besuch des Präsidenten ist der gesamte Vorplatz geräumt worden, die Altstadt von Jerusalem wurde abgeriegelt. Kameras zeichnen auf, wie Trump rund eine halbe Minute lang an den Steinen verweilt, bevor er eine kleine Papierrolle in die Mauer steckt.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Minuten zuvor sind die Trumps in der Grabeskirche gewesen, begleitet von den obersten örtlichen christlichen Würdenträgern. Das Protokoll des amerikanischen Generalkonsulats in Jerusalem hatte eigentlich eine Gruppe palästinensischer christlicher Pfadfinder eingeladen, um Trump in die Grabeskirche zu begleiten. Doch die israelischen Behörden genehmigten dies nicht.

          Mit Hubschrauber in Residenz des israelischen Präsidenten

          Mit dem ersten Besuch eines amtierenden amerikanischen Präsidenten an der Klagemauer hat Trump schon Geschichte im Nahen Osten geschrieben, ohne einen „ultimativen Deal“ erreicht zu haben. Doch anders als von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erhofft, hat er dabei keinen israelischen Politiker mitgenommen. Denn völkerrechtlich gesehen gehört die Altstadt zu Ostjerusalem, dessen Annexion durch Israel auch die Vereinigten Staaten nicht anerkannt haben. Diplomaten des amerikanischen Konsulats hatten die Klagemauer im Zuge der Reiseplanung des Präsidenten als einen Teil des Westjordanlandes bezeichnet. Dies führte dazu, dass Netanjahus Büro den Namen des verantwortlichen amerikanischen Diplomaten an israelische Medien durchsteckte.

          Israel-Besuch : Trump besucht als erster Präsident Amerikas die Klagemauer

          Israel betrachtet die Jerusalemer Altstadt als integralen Bestandteil seines Staats. Auch die neue amerikanische Regierung sieht dies offenbar anders. Außenminister Rex Tillerson wollte sich an Bord der Präsidentenmaschine auf dem Flug nach Israel nicht festlegen, wem der muslimische „Al Haram al Scharif“ mit der angeschlossenen jüdischen Klagemauer denn nun gehört. „Jerusalem“, antwortete Tillerson auf eine entsprechende Reporterfrage.

          Kein amerikanischer Präsident ist nach seiner Amtsübernahme früher nach Jerusalem gekommen als Trump, der am Montag nach seiner Ankunft in Tel Aviv die „außerordentliche und andauernde Freundschaft“ zwischen Israel und Amerika hervorhob. Nach der Landung flog Trump mit dem Hubschrauber in die Residenz des israelischen Präsidenten in Jerusalem. Dort sagte ein sichtlich müder amerikanischer Präsident, es gebe eine „großartige Möglichkeit“ für Israel, Frieden im Nahen Osten zu erreichen. „Was mit Iran passiert ist, hat viele andere Teile des Nahen Ostens in Richtung Israels gebracht.“ Dies sei eine „Herausforderung und eine Möglichkeit“. Über Einzelheiten einer etwaigen Normalisierung zwischen Israel und den arabischen Staaten im Angesicht des gemeinsamen iranischen Feindes schwieg sich Trump indessen aus. Die „Menschen“ hätten genug von Blutvergießen und Terrorismus, sagte er allgemein. Iran und Terror sind Themen, die Netanjahu gefallen.

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          „Hunderte Millionen Dollar an Waffendeals sind etwas, wofür wir eine Erklärung bekommen sollten“

          Doch der historischen Symbolkraft lässt Trump am Montagnachmittag wenig Gehaltvolles folgen. Begleitet wird seine Ankunft von Chaos und Misstrauen. Entgegen anfänglichen israelischen Hoffnungen, dass Washington der israelischen Regierung fortan freie Hand lässt, hat Trump die amerikanische Botschaft nicht „sofort“ von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt. Auch das Atomabkommen mit Iran hat Trump nicht aufgekündigt und Netanjahu stattdessen zur „Zurückhaltung“ im Siedlungsbau aufgefordert. Vor wenigen Wochen empfing Trump dann den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas im Weißen Haus vor der Flagge Palästinas – jenes Staates, den es nach dem Willen vieler in der israelischen Regierung nie geben darf. Ebenfalls auf die Zähne bissen sich die Israelis, nachdem bekanntwurde, dass Trump gegenüber dem russischen Außenminister Geheimnisse offenbart hatte, die möglicherweise vom israelischen Militärgeheimdienst stammen. Hinter den Kulissen gab es aufgebrachte Geheimdienstler, doch Netanjahu und seine Minister schwiegen auch dazu. Hinzu kam ein logistisches Chaos bis kurz vor der Ankunft Trumps. Ein mit den Reisevorbereitungen betrauter Beobachter äußerte, die Israelis wollten jetzt kaum mehr, als dass „Trump kommt und wieder geht“.

          Dennoch überschlugen sich die Netanjahus bei der Begrüßung des Präsidenten in ihrer Schmeichelei. Nach dem überschwänglichen und pompösen Empfang Trumps in Saudi-Arabien hatten die Israelis eilig umdisponiert. Statt der zunächst geplanten knappen Begrüßungszeremonie spielte am Rollfeld nun ein Militärorchester auf. Netanjahu hatte kurzfristig angeordnet, dass jeder seiner Minister der erweiterten Willkommenszeremonie am Flughafen beizuwohnen habe. Dort begrüßte Israels Ministerpräsident den amerikanischen Präsidenten mit „Don“, und seine Frau ging gegenüber Trump und dessen Frau Melania sofort zur Verschwisterung über: Man leide ebenso unter den Medien wie die Trumps, sagte Sarah Netanjahu in der Nähe eines offenen Mikrofons. „Die Mehrheit der Menschen in Israel liebt uns, im Gegensatz zu den Medien, deshalb werden wir den Menschen selbst sagen, wie großartig ihr seid.“

          Jenseits der Rhetorik herrscht in Israel jedoch weiter Unsicherheit darüber, was man von Trump wirklich erwarten kann. Den milliardenschweren Rüstungsdeal der Amerikaner mit Saudi-Arabien hatte Washington möglicherweise nicht ausführlich mit Israel besprochen. „Hunderte Millionen Dollar an Waffendeals sind etwas, wofür wir eine Erklärung bekommen sollten“, verlangte Energieminister Yuval Steinitz.

          Quelle: F.A.Z.

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