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Buch „Fire And Fury“ : Trump hält sich für „stabiles Genie“

  • Aktualisiert am

„Ein Genie“: Der amerikanische Präsident Donald Trump ist von seinen geistigen Kapazitäten überzeugt. Bild: AP

Der amerikanische Präsident bescheinigt sich selbst absolute geistige Gesundheit. Der Autor des Enthüllungsbuches über Trump bewertet derweil selbst die Bedeutung seines Werks.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hält sich nicht nur für „wirklich klug“, sondern für ein „Genie“. Das twitterte er selbst am Samstag als Antwort auf das Enthüllungsbuch „Fire and Fury“, dem zufolge jeder in seiner Umgebung im Weißen Haus ihm Amtsunfähigkeit bescheinigt. Den Autoren Michael Wolff bezeichnete er als „Verlierer“ und er griff abermals seinen ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon an, auf den sich Wolff in seinem Buch unter anderem stützt.

          Jetzt, da sich die Vorwürfe einer Zusammenarbeit mit Russland zur Wahlbeeinflussung als Ente herausgestellt hätten, würden die Demokraten und „ihre Schoßhunde, die Lügenmedien“, sich auf die Themen geistige Stabilität und Intelligenz des Präsidenten stürzen, schrieb Trump. „Tatsächlich sind meine beiden größten Stärken in meinem ganzen Leben geistige Stabilität gewesen und (...) wirklich klug zu sein“.

          Als Beweis führt Trump dann an, dass er es von einem „SEHR erfolgreichen Geschäftsmann“ zu einem „Top-Fernsehstar“ und dann gleich „im ersten Anlauf“ zum amerikanischen Präsidenten gebracht habe. „Ich glaube, das würde nicht als klug, sondern als Genie kennzeichnen, und dazu als ein sehr stabiles Genie!“, schrieb Trump, der sich bereits 2000 als Kandidat der Reform Party um das Amt des amerikanischen Präsidenten beworben hatte.

          Wolffs Buch nannte er „langweilig und unwahr“. Der Autor habe Bannon benutzt, „der geweint hat, als er gefeuert wurde, und um seinen Job gebettelt hat“.

          Der Autor des Buchs selbst sieht den Anfang vom Ende der Präsidentschaft Donald Trumps gekommen. Sein Buch habe den Menschen die Augen geöffnet, was die mangelnden Fähigkeiten des amerikanischen Präsidenten angehe, sagte Michael Wolff in einem BBC-Interview am Samstag.

          Außerdem verteidigte er die Teile seines Buches, in denen er die geistige Gesundheit des Präsidenten in Zweifel zieht. Wolffs Buch enthält zahlreiche Zitate von wichtigen Mitarbeitern im Weißen Haus, die Zweifel an Trumps Befähigung für das Präsidentenamt äußern. Es zeichnet unter anderem ein Bild eines Präsidenten, der wegen seiner Führungsschwäche von seinen eigenen Mitarbeitern verhöhnt wird.

          In dem Buch heißt es unter anderem, Trump habe eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, wiederhole sich ständig und weigere sich, schriftliche Notizen zu lesen. Autor Wolff zitiert namentlich mehrere Vertraute und Berater des Präsidenten, die ihn mit wenig schmeichelhaften Begriffen wie „Idiot“ oder „Trottel“ charakterisieren.

          Das Enthüllungsbuch über die Präsidentschaft Donald Trumps war in vielen Läden innerhalb von Stunden ausverkauft.
          Das Enthüllungsbuch über die Präsidentschaft Donald Trumps war in vielen Läden innerhalb von Stunden ausverkauft. : Bild: dpa

          „Die Geschichte, die ich erzähle, scheint diese Präsidentschaft auf eine Weise darzustellen, die sagt, dass er nicht fähig ist, seinen Job zu machen – der Kaiser hat keine Kleider“, sagte Wolff. Das sei der Hintergrund für die Wahrnehmung und die Einsicht, die Trumps Präsidentschaft letztlich ein Ende bereiten würden.

          Neben dem Außenminister Tillerson, der sagte, er habe Trumps mentale Fitness nie in Zweifel gezogen, warf sich auch First Lady Melania Trump in die Bresche. Es handle sich um ein „Werk der Fiktion“, sagte ihre Sprecherin Stephanie Grisham dem Sender CNN. „Es ist ein Boulevardblatt im Langformat, das falsche Erklärungen und völlige Erfindungen verbreitet.“

          „Fire and Fury“ : Auf Anhieb zum Bestseller

          Kritik gab es auch an der Arbeitsweise Wolffs. So haben mehrere zitierte Personen nach der Veröffentlichung verlauten lassen, dass sie Trump nie als „Idiot“ oder „Kind“ bezeichnet haben. Der Journalist der „Washington Post“ Mark Berman entdeckte eine Ungenauigkeit in dem Buch. So steht dort, Berman sei bei einem Frühstück im Four Sesons Hotel anwesend gewesen. Der Journalist schreibt jedoch auf Twitter, er sei noch nie im Four Seasons gewesen. Später fügte er hinzu, dass Wolf ihn mit einem Lobbyisten verwechselt habe.

          Das Buch schlägt derweil in den Vereinigten Staaten trotzdem weiterhin hohe Wellen. In der Hauptstadt Washington war es teilweise schon kurz nach Eröffnung der Läden ausverkauft. Der Milliardär und Großspender der Demokraten Tom Steyer gab an, 535 Bücher gekauft zu haben und diese nun persönlich an sämtliche Mitglieder des amerikanischen Kongresses verteilen zu wollen, berichtet die Politik-Zeitung „The Hill“.

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