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Schwiegersohn wird Chefberater : Das Weiße Haus als Familienbetrieb

Bild: AP

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gilt als mächtiger Strippenzieher hinter den Kulissen. Jetzt verschafft Trump ihm einen zentralen Posten. Auch bei Ivanka Trump zeichnet sich ein Rollenwechsel ab.

          Diese Ernennung deutet mehr als jede andere darauf hin, wie Donald Trump nach seiner Vereidigung am 20. Januar die Regierungsgeschäfte führen wird: Trump macht seinen Schwiegersohn Jared Kushner zum Spitzenberater – und das Weiße Haus zur Familiensache. Frühere Präsidenten wählten ihre wichtigsten Mitarbeiter vor allem nach deren politischer Erfahrung aus. Trump scheint sich eher an den Management-Prinzipien seines New Yorker Immobilien-Imperiums auszurichten: Die Familie steht im Zentrum der Macht.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Ein fast fünfzig Jahre altes Gesetz gegen Vetternwirtschaft verbietet es zwar, Verwandte in die Regierung zu berufen. Es war verabschiedet worden, nachdem der frühere Präsident John F. Kennedy seinen Bruder Robert zum Justizminister ernannt hatte. Kushner zum unbezahlten Berater und nicht zum Minister zu machen, wird von Trumps Team allerdings als Möglichkeit angesehen, diese Vorschriften zu umgehen.

          Auch wenn Trumps Schwiegersohn kein Gehalt für seine Tätigkeit erhalten wird und bereits angekündigt hat, seine unternehmerischen Aktivitäten neu zu ordnen – die Debatte um die aus Kushners Ernennung resultierenden Interessenskonflikte wird sich nicht so schnell beruhigen. Denn Kushners Name ist, ähnlich wie der Trumps, eng mit einem umsatzstarken Immobilienunternehmen verknüpft. Laut „Wall Street Journal“ tätigte Kushner in der Vergangenheit Immobiliengeschäfte im Umfang von insgesamt 14 Milliarden Dollar. Hinzukommt, dass Kushner abgesehen von seiner Zeit in Trumps Wahlkampf- und Übergangsteam keine politische Erfahrung vorweisen kann.

          Trumps Schwiegersohn entstammt einer modern-orthodoxen jüdischen Familie aus dem an New York angrenzenden Bundesstaat New Jersey. Sein Vater Charles gründete 1985 die Unternehmensgruppe Kushner Companies LLC und baute sie in den folgenden Jahren zu einem Imperium mit gewerblichen Objekten und Tausenden Appartements aus. Im Alter von 24 Jahren stieg Jared Kushner in das Unternehmen seines Vaters ein, weil dieser wegen Steuerhinterziehung, illegaler Wahlspenden und Beeinflussung von Zeugen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war.

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          2006 stieg Kushner in die Medienbranche ein und kaufte für zehn Millionen Dollar den „New York Observer“, eine bei der politischen und kulturellen Elite der Stadt beliebte Zeitung. 2009 heiratete er Trumps Tochter Ivanka, die als Papas Liebling gilt. Die beiden haben drei Kinder. Als das in New Yorker Kreisen gut vernetzte „Power Couple“ sich vor wenigen Tagen ein Anwesen in der Hauptstadt Washington aussuchte, nahmen die Spekulationen um eine zentrale Beraterrolle des Trump-Schwiegersohns zu.

          Kushner scheidet aus seinem Immobilienunternehmen aus

          Der ließ nach seiner Ernennung über seine Anwältin Jamie Gorelick wissen, er werde als Berater Trumps die gesetzlich festgelegten ethischen Maßstäbe zur Vermeidung von Interessenskonflikten beachten. Dazu habe man bereits mit dem für diese Standards zuständigen Büro die notwendigen Schritte abgestimmt, sagte die Anwältin am Montag in einem Interview des Fernsehsenders NBC News.

          Kushner wird aus seiner Firma ausscheiden und einen Teil seiner Immobilien sowie „substantielle Vermögenswerte“ verkaufen, an seinen Bruder und einen Treuhandfonds, der von seiner Mutter verwaltet wird. Aus allen Regierungsangelegenheiten, die seine finanziellen Interessen berühren könnten, werde Kushner sich heraushalten, sagte seine Anwältin.

          Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die Bedenken gegen Kushners Ernennung zu zerstreuen, muss sich erst zeigen. Ein Anwalt, der unter anderem den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rand Paul beraten hatte, sagte der „New York Times“, Kushners Pläne erschienen ihm wie ein „Hütchenspiel“, da Kushner Teile seines Vermögens an Familienmitglieder weitergeben wolle. Mit dem Immobilienimperium der Kushners werde Trumps Schwiegersohn weiterhin verbunden sein.

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