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Ein Jahr nach Trumps Wahl : „Eine Handgranate im politischen System“

  • -Aktualisiert am

„Viele verkennen, dass er sehr wohl strategische Ziele hat“: Amerika-Experte Josef Braml über Donald Trump Bild: AFP

Vor einem Jahr wurde Donald Trump gewählt. Bis heute wird er durch die Weltgemeinschaft falsch eingeschätzt, glaubt Josef Braml. Im FAZ.NET-Interview spricht der Amerika-Experte über Trumps bisherige Politik, seine Erfolge – und das Ende der Republikaner.

          Herr Braml, am 8. November 2016 haben die Amerikaner Donald Trump zu ihrem Präsidenten gewählt. Welche Bilanz ziehen Sie heute, ein Jahr später?

          Wir haben noch keinen Weltkrieg. Trump hat vieles im Inneren erreicht, was bei uns bislang noch gar nicht so aufgefallen ist. Er ist angetreten, den Einfluss des Staates auf die Wirtschaft und das Leben der Menschen so klein wie möglich zu machen. Dafür haben ihn seine Unterstützer zum amerikanischen Präsidenten gewählt. Dafür hat ihn die Wirtschaft finanziell gefördert. Und dafür könnte Trump sogar ein zweites Mal gewählt werden.

          Trump gilt als unberechenbar. Welche seiner bisherigen Handlungen als Präsident kam für Sie am unerwartetsten?

          Mich hat sehr überrascht, dass er in der Außenpolitik die Trans-Pacific Partnership, die sein Vorgänger Obama verhandelt hatte, aufgekündigt hat. Das war eigentlich ein Deal, der Trump hätte gefallen können – denn die übrigen Staaten mussten einige Zugeständnisse in der Handels- und Währungspolitik machen, um weiteren Militärschutz zu erhalten. Ich hätte bei einem „Dealmaker“ erwartet, dass er diesen unter Dach und Fach bringt. Er hat damit China die Möglichkeit gegeben, in ein Vakuum zu stoßen, das die Vereinigten Staaten hinterlassen haben. Da war er handelspolitisch und geostrategisch nicht gut beraten. Ich kann mir vorstellen, dass Trump diesen Fehler bereuen wird. Er versucht jetzt, den Staaten bilateral gegenüberzutreten, weil er meint, dabei mehr herausholen zu können. Aber Trump unterschätzt China. China hat die Situation geschickt genutzt und baut seinen Einflussbereich aus – auf Kosten der Vereinigten Staaten.

          Viele Entscheidungen von Trump sind scharf kritisiert worden. Gibt es auch eine politische Handlung bei der Sie sagen: „Das hat er wirklich gut gemacht“?

          Eine Wertung nehme ich nicht vor, denn ich vertrete nicht seine Philosophie, was einen radikalen Staatsabbau angeht. Aber für Menschen, die wenig Staat wollen, war das sehr effektiv. Dafür wird er hierzulande auch unterschätzt. Viele, die ihn als unfähigen Dummkopf darstellen und ihn mit ihren moralischen Maßstäben messen, verkennen, dass er sehr wohl strategische Ziele hat. Diese zieht er gnadenlos durch und sie werden Amerika und die Welt verändern.

          In einem Interview im vergangenen Jahr haben Sie gesagt, Trump werde entzaubert werden und die Realität werde ihm irgendwann im Weg stehen. Sind wir an diesem Punkt schon angelangt?

          Nein, das wird noch dauern. Man darf nicht vergessen, dass Trump eine gewisse Realität für seine Anhänger schaffen kann. Die meisten Bürger können Politik nicht aus nächster Nähe beobachten und brauchen daher Vermittler wie die Medien. Viele dieser Vermittler haben das Potential, völlig neue Realitäten zu schaffen. Trump kann mithilfe der sozialen Medien Fakten verdrehen und eigene Wahrheiten schaffen. Viele sehen nur diese Realität, die er kreiert. Aber es gibt natürlich immer noch Fakten, etwa die Tatsache, dass China seinen Machtbereich ausdehnt und die Fehler der Amerikaner gnadenlos ausnutzt. Da muss Trump gegensteuern. Er hat schon den einen oder anderen Hardliner aus dem Weißen Haus genommen und durch kompetentere Berater ersetzt – besonders wichtig ist das im geostrategischen Bereich. Eines Tages wird es das Land aber einholen, dass Amerika seit Jahrzehnten auf Pump lebt und Trump diesen Zustand noch verschärft. Der amerikanische Staat könnte schon sehr bald handlungsunfähig sein, weil er zu tief in der Kreide steht.

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