http://www.faz.net/-gpf-9120o

Neue Direktive ans Pentagon : So will Trump Transgender aus dem Militär drängen

  • Aktualisiert am

Präsident Donald Trump Bild: dpa

Donald Trump dreht eine weitere Reform seines Amtsvorgängers Obama zurück: Transgender sollen nicht mehr in der Armee dienen dürfen. Nun wurden Details aus der geplanten Direktive ans Pentagon bekannt.

          Das Weiße Haus will dem Verteidigungsministerium in Kürze detaillierte Anweisungen erteilen, wie es gegen Transgender im Militär vorzugehen habe. Die Direktive werde „in den kommenden Tagen“ erwartet, berichtete das „Wall Street Journal“ am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf mehrere ungenannte Beamte.

          Demnach dürfen laut den zweieinhalbseitigen Anweisungen zukünftig keine Transgender mehr ins Militär aufgenommen werden. Bei bereits dienenden müsse im Einzelfall abgewogen werden, ob sie „einsatzfähig“ seien. Damit ist gemeint, ob sie in einem Kriegsgebiet eingesetzt werden, an Übungen teilnehmen oder monatelang auf einem Schiff leben könnten. Sollte das nach Einschätzung des Militärs nicht der Fall sein, müssten die Transgender aus der Truppe ausscheiden.

          „Überbordende medizinische Kosten“

          Überdies heißt es in dem Dokument, dass medizinische Kosten nicht mehr übernommen werden sollen. Verteidigungsminister James Mattis bekommt sechs Monate Zeit, um die neue Direktive vollständig umzusetzen.

          Trump hatte Ende Juli in einer Serie von drei Tweets verkündet, er sei nach Rücksprache mit Generälen und Militärfachleuten zu dem Entschluss gekommen, dass Transgender „in keiner Funktion im amerikanischen Militär dienen“ dürften. Als Grund nannte er die „überbordenden medizinischen Kosten und Störungen, die Transgender im Militär nach sich ziehen“.

          Das Pentagon wurde von Trumps Kurswechsel damals angeblich kalt erwischt. Der Präsident nimmt mit seiner Direktive die Öffnung des Militärs für Transgender zurück, die sein Amtsvorgänger Barack Obama erst im Jahr zuvor eingeleitet hatte. Obama hatte unter anderem dafür gesorgt, dass das Militär eine medizinische Behandlung auch bei der Diagnose „Geschlechtsidentitätsstörung“ (gender identity disorder oder gender dysphoria) gewährleistet.

          LGBT-Organisationen kritisierten Trumps Ankündigung und wiesen die Unterstellung zurück, Transgender seien im Militär nicht in gleichem Maße einsetzbar wie andere Soldaten. Die demokratische Minderheitsführerin Nancy Pelosi aus Kalifornien antwortete auf den Bericht des „Wall Street Journal“: „So macht man Amerika nicht sicherer. Punkt.“

          Anfang August hatten 53 demokratische Kongressmitglieder in einem Brief an Verteidigungsminister Matttis gegen Trumps Transgender-Verbot in der Armee protestiert. Unter den Kritikern sind auch Republikaner wie etwa Senator John McCain aus Arizona.

          Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Transgender derzeit in der Armee dienen. In einer Studie von 2016 im Auftrag des Pentagons wird ihr Anteil auf 0,1 bis 0,5 Prozent  geschätzt. Das wären 1320 bis 6630 aktive Soldaten und 830 bis 4160 Reservisten. Die Autoren der Studie schätzen zudem, dass die zusätzlichen Gesundheitsausgaben des Militärs für Transgender zwischen 2,4 und 8,4 Millionen Dollar jährlich lägen. Das entspräche einem Anteil von 0,005 bis 0,017 Prozent der Gesundheitsausgaben des Verteidigungsministeriums im Fiskaljahr 2014.

          Transgender ist eine Bezeichnung für Menschen, deren Identität von jenem Geschlecht abweicht, das ihnen zu Beginn ihres Lebens aufgrund körperlicher Merkmale zugewiesen wurde. Die Bundeswehr steht Transgendern offen. Dort heißt es, die sexuelle Identität habe nichts mit der Wehrtauglichkeit zu tun.

          Amerika : Empörung über Trumps Transgender-Verbot im Militär

          Quelle: nto.

          Weitere Themen

          Argentinisches U-Boot bleibt vermisst Video-Seite öffnen

          Argentinien : Argentinisches U-Boot bleibt vermisst

          Ein Marine-U-Boot mit 44 Besatzungsmitgliedern wird seit vergangenem Mittwoch vermisst. Der Kontakt zu dem Schiff sei abgerissen, sagte ein Marine-Sprecher letzten Freitag. Ein Kontaktversuch via Satellit ist misslungen. Nun hat das amerikanische Militär Hilfe angeboten.

          Topmeldungen

          Robert Habeck im Gespräch : „Erbärmlich, dass wir es nicht hinbekommen haben“

          Die FDP habe das Scheitern von Jamaika lange geplant, glaubt der Grüne Robert Habeck. Im FAZ.NET-Gespräch sagt er, warum ein Kompromiss möglich war, Angela Merkel keine Schuld trifft – und wieso er eine Neuwahl für eine „unkontrollierte Sprengung“ hält.

          Kein Recht auf Neuwahlen : Letztlich entscheidet der Präsident

          Der Abbruch der Sondierungsgespräche hat verfassungsrechtlich erst einmal nichts geändert. Ein Recht auf Neuwahlen, gar nach Gutdünken, sieht das Grundgesetz nicht vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.