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Häusliche Gewalt : Schadet der Porter-Skandal Donald Trump?

  • -Aktualisiert am

Donald Trump am Montag im Weißen Haus Bild: EPA

Donald Trumps Kritiker werfen ihm vor, Gewalt von Männern gegen Frauen zu verharmlosen. Auch die frühere Frau von Rob Porter ärgert sich über den Präsidenten – wegen seiner Reaktion auf ihre Aussage gegenüber dem FBI.

          Jennifer Willoughby hat die beiden Männer mehrfach in Schutz genommen. Rob Porter, der sie bedroht und ihre Tür eingeschlagen haben soll, sei ganz sicher richtig im Weißen Haus gewesen und habe dort einen tollen Job gemacht, sagte sie in der vergangenen Woche im Fernsehen. Nur, mit ihm verheiratet zu sein, das könne sie eben niemandem empfehlen. Und Stabschef John Kelly, der Porter erst nach längerem Zögern gehen ließ, nachdem die Gewaltvorwürfe öffentlich bekannt geworden waren, habe sicher erst spät von alledem erfahren, sagte sie.

          Willoughby machte also nicht den Eindruck, eine Anti-Trump-Kämpferin zu sein. Vielleicht ist so auch ihre Enttäuschung zu erklären – denn sie fühlt sich nun vom Präsidenten verraten, wie sie in einem Artikel für das „Time Magazine“ aufschrieb. Nachdem sein Stabschef John Kelly Rob Porter nach längerem Zögern verabschiedet hatte, wünschte Trump Porter, dem zwei frühere Ehefrauen Gewalttätigkeit vorwerfen, eine „wundervolle Karriere“. Er sagte: „Wir waren sehr traurig, als wir davon gehört haben. Er ist sehr traurig. Er sagt auch, wie Sie wahrscheinlich wissen, er sagt, er ist unschuldig.“

          Jennifer Willoughby schrieb, sie sei geschockt über diese Reaktion: „Als Donald Trump zweimal wiederholt hat, dass Rob sich für unschuldig erklärt hatte, war ich fassungslos. Was war seine Absicht, warum hat er diesen Punkt so betont?“ fragte Willoughby im „Time Magazine“. „Meine Freundin drehte sich um und sagte zu mir: ‚Der Präsident der Vereinigten Staaten hat dich gerade eine Lügnerin genannt.‘ Ja, das hatte er getan.“

          Porters frühere Ehefrau wirft Trump nun vor, Opfer von Gewalt im Stich zu lassen. Die Arbeit von Männern wie Rob Porter bedeute ihm mehr als das Wohlergehen der Betroffenen. Trump, dem mehrere Frauen sexuelle Belästigung vorwerfen, habe die Diskussion über Gewalt gegen Frauen massiv zurückgeworfen. „Wenn die mächtigsten Menschen angesichts erdrückender Beweise meine Geschichte von häuslicher Gewalt nicht glauben, was für eine Hoffnung haben dann andere darauf, gehört zu werden?“ Für sie selbst sei es nicht das Wichtigste, was Trump sage, die Wahrheit existiere schließlich unabhängig von ihm, schrieb Willoughby. Sie verzeihe ihm, doch er schade anderen Opfern von Gewalt.

          Willoughbys Ärger kam nicht nur von den Abschiedswünschen des Präsidenten für ihren früheren Ehemann. Ein Tweet Trumps galt vielen Beobachtern als Versuch, Porters Unschuldsbeteuerungen in den Zusammenhang der Kritik an der „Me Too“-Solidaritätskampagne zu rücken. Trump schrieb: „Das Leben von Menschen wird durch eine bloße Beschuldigung zerschmettert und zerstört.“ Was und wen er damit meinte, schrieb der Präsident nicht. „Es gibt keine Rehabilitation für jemanden, der falsch beschuldigt wird – Leben und Karriere sind weg. Gibt es keinen fairen Prozess mehr?“ Auf welche konkreten Fälle von Falschbeschuldigung sich der Präsident bezog, blieb unklar.

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