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Veröffentlicht: 12.01.2017, 08:51 Uhr

„Kompromat“ in Russland Machtinstrument versteckte Kamera

Natürlich habe man kein kompromittierendes Material über Donald Trump gesammelt, erklärt Moskau. Dabei gibt es in der jüngeren Geschichte etliche Beispiele, wie Gegner des Kremls genau damit kaltgestellt wurden.

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© dpa Schon am Beginn von Wladimir Putins Aufstieg stand eine Filmszene mit Prostituierten

Prostituierte, die im Auftrag Donald Trumps auf ein Bett in einem Moskauer Luxushotel urinieren; Gas, Korruption und zum Schweigen gebrachte Zeugen; Streit im Kreml über Eingriffe in den amerikanischen Wahlkampf: Was angeblich ein früherer britischer Agent auf 35 Seiten, die das amerikanische Internetportal Buzzfeed nun veröffentlichte, in mehreren „Geheimdienstberichten“ aufschrieb, liest sich wie eine Bestenliste aus dem Trickarsenal russischer Agenten und ihres obersten Dienstherrn, Präsident Wladimir Putin. Liefert (über)reichlich Stoff für einen Spionagethriller mit jeder Menge „Kompromat“, kompromittierendem Material, um den künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

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Putins Sprecher, Dmitrij Peskow, verwendete denn auch in seinem allfälligen Dementi („Nein, der Kreml hat kein Kompromat über Trump“) den englischen Begriff „pulp fiction“, um auszudrücken, was für ein Groschenroman da vorgelegt worden sei. „Das ist eine absolute Ente, eine absolute Fabrikation, und das ist völliger Blödsinn“, ereiferte sich Peskow, der auch selbst in den Papieren vorkommt: als angeblicher Leiter einer Kreml-Operation zur Diskreditierung Hillary Clintons. Peskow wurde grundsätzlich: „Der Kreml sammelt kein Kompromat.“

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Freilich befeuert die Veröffentlichung auch deshalb die Phantasien, weil es in der jüngeren Geschichte etliche Beispiele gibt, wie genau mit „Kompromat“ Gegner des Kremls kaltgestellt wurden. Die versteckte Kamera ist ein Attribut Moskauer Macht. Erst vor kurzem wurde ein innenpolitischer Gegner Putins, der Oppositionspolitiker Michail Kasjanow, mit einer mutmaßlich vom Geheimdienst FSB versteckten Kamera im Bett mit einer Mitstreiterin gefilmt; die Aufnahmen fanden im März vorigen Jahres ihren Weg in den für derlei Aktionen notorischen Fernsehsender NTW. Sie trugen maßgeblich dazu bei, eine geplante „Demokratische Koalition“ der Opposition für die Duma-Wahlen im vergangenen September zum Scheitern zu bringen.

Heimlicher Filmmitschnitt als Mittel der Wahl

Schon am Beginn von Putins Aufstieg stand eine Filmszene mit Prostituierten: Das Staatsfernsehen strahlte im März 1999, als Putin den FSB leitete, einschlägige Bilder eines Mannes aus, der dem damaligen Generalstaatsanwalt Jurij Skuratow ähnelte, im Bett mit zwei Frauen. Skuratow ermittelte damals trotz immer weiter wachsenden Drucks gegen Mitglieder des engsten Kreml-Kreises und der Familie des damaligen Präsidenten Boris Jelzin wegen Korruption. Putin selbst sagte damals, das Video sei „authentisch“, Jelzin suspendierte den Generalstaatsanwalt; entlassen wurde Skuratow letztlich, als Putin, Jelzins loyaler Nachfolger, schon amtierender Präsident war.

© AP, afp Trump weist Vorwürfe von sich

Der heimliche Filmmitschnitt ist in Russland – und in anderen Ländern des postsowjetischen Raumes – ein so gängiger Weg zum „Kompromat“, dass sich jeder bedeutendere Gast im Land vorsehen sollte, mit wem er was wo treibt. Deshalb unterstellt die Ausführung in dem „Geheimdienstbericht“ zu den urinierenden Prostituierten im Moskauer Ritz Carlton – „das Hotel war bekanntermaßen unter FSB-Kontrolle“ – Trump neben Ehebruch und Perversion auch noch Einfalt. Doch gerade weil die filmische Verletzung der Intimsphäre zu Erpressungszwecken so verbreitet ist, könnten die (seit langem kursierenden) Gerüchte über ein Kreml-Kompromat gegen Trump um diese Episode ergänzt worden sein.

Zudem stellen die „Geheimdienstberichte“ eine weitere Version zum Ausscheiden des Leiters der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow, Mitte August vorigen Jahres auf. Putin verkündete damals, sein Weggefährte, mit dem er in Leningrader KGB-Tagen ein Büro teilte, werde sich künftig als Sonderbeauftragter um Umwelt und Verkehr kümmern. Die übliche Formel vom Rückzug auf eigenen Wunsch in Iwanows fünftem Jahr auf dem Posten wurde von vielen als plausibel angesehen, besonders aufgrund eines Schicksalsschlages: Iwanows ältester Sohn war im November 2014 vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate ertrunken. Zudem gilt Iwanow tatsächlich als Umwelt- und Tierfreund. Dennoch wurde eifrig spekuliert, etwa dass Iwanow mit Blick auf den Ukraine-Krieg im Kreml „eine Taube unter Falken“ sei.

Der angebliche frühere britische Agent stellt Iwanow nun einerseits als Gegner, andererseits als Befürworter des Eingreifens in den amerikanischen Wahlkampf dar: In dem auf den 5. August 2016 datierten „Bericht“ soll der Leiter der Präsidialverwaltung „wütend“ gewesen sein, weil Peskow „zu weit gegangen“ sei („Elefant im Porzellanladen“). Im auf den 14. September 2016 datierten „Bericht“ heißt es dann aber, Putin habe Iwanow „wegen schlechter Beratung zu dem Thema entlassen“: Iwanow habe Putin geraten, dass die Pro-Trump- und Anti-Clinton-Operationen „sowohl effektiv wären als auch glaubhaft mit wenig Rückstoß abzustreiten“. Was denn nun?

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