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Russland-Affäre : Muellers Mosaiksteinchen

  • -Aktualisiert am

Schreitet entschlossen voran: Sonderermittler Robert Mueller Bild: AP

Der amerikanische Sonderermittler Robert Mueller macht Fortschritte bei der Lösung des Russlandpuzzles. Trumps Schwiegersohn Kushner gerät zunehmend unter Druck. Die Anwälte des Präsidenten versuchen, den Schaden zu begrenzen.

          Zu guter Letzt gab Sam Nunberg klein bei: Am Freitag stand der ehemalige Berater von Donald Trump der Geschworenenjury Rede und Antwort, vor die ihn Sonderermittler Robert Mueller geladen hatte. Sechs Stunden wurden es am Ende – Nunberg, der zuvor großspurig angekündigt hatte, dass er nicht aussagen werde und man ihn stattdessen verhaften könne, wollte wohl doch nicht ins Gefängnis. „Fox News“ will erfahren haben, dass der Zeuge, der 2015 wegen rassistischer Kommentare aus Trumps Team flog, nun in den Alkoholentzug gehen will. Nunberg verursachte mit seinen Auftritten in der vergangenen Woche einiges an Medienrummel – unter anderem bezeichnete er Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders als „fette Schlampe“, wofür er sich später entschuldigte. Was allerdings bei seiner Aussage herauskam, wurde nicht bekannt. Immerhin kündigte Nunberg, der nach seinem Rauswurf immer noch Kontakte zu Trumps ehemaligem Chefstrategen Steve Bannon und anderen hatte, an, seine E-Mails an die Ermittler zu übergeben.

          Sam Nunberg hatte seine Vorladung selbst an die Medien geschickt. Sonderermittler Robert Mueller spricht nicht mit der Presse, seine Leute tun es offiziell ebenfalls nicht. Was öffentlich wird, kommt von Anwälten, Zeugen – vielleicht, so spekuliert manch einer, auch von Muellers Mitarbeitern. Das Drama, das Nunberg selbst anzettelte, lenkte unterdessen beinahe davon ab, dass Mueller wohl einen weiteren Mosaikstein in sein Ermittlungspuzzle einfügen konnte. Er untersucht, ob das Wahlkampf-Team von Donald Trump mit Russen kooperierte, ob es eine Verbindung zu russischen Manipulationsversuchen der Wahl 2016 gab – und ob Trump entsprechende Ermittlungen behinderte.

          Geheimtreffen auf den Seychellen?

          Mueller soll nun weitere Indizien dafür gesammelt haben, dass Trumps Team mit Russen zusammenarbeitete oder dies versuchte. Kurz bevor Trump Präsident wurde, sollen seine Leute versucht haben, einen Kommunikationskanal nach Moskau aufzubauen. George Nader, ein libanesischer Geschäftsmann, will dazu ein Treffen eines Trump-Vertrauten mit dem Russen Kirill Dmitriev arrangiert haben, der enge Verbindungen zum Kreml habe. Der Vertraute Trumps soll Eric Prince gewesen sein, Chef der Söldner-Firma Blackwater und Bruder von Bildungsministerin Betsy DeVos. Dmitriev und Prince hätten sich im Januar 2017 auf den Seychellen getroffen, berichten amerikanische Medien – und Prince, der zwar keine offizielle Position im Wahlkampf- oder Übergangsteam von Trump hatte, soll dabei in dessen Auftrag gehandelt haben. Der Blackwater-Boss behauptete im vergangenen November bei seiner Ausschuss-Befragung im Kongress, das Treffen sei Zufall gewesen. Doch George Nader, der die Fäden im Hintergrund gezogen haben soll, kooperiert laut der „Washington Post“ nun mit Robert Mueller, seit ihn das FBI am Flughafen in Washington festgesetzt und mehrfach befragt habe. Nader soll nicht nur ausgesagt haben, dass das Treffen von Prince und Dmitriev geplant war. Er selbst soll anschließend auch mehrere Male im Weißen Haus gewesen sein. Dort soll er mit Jared Kushner und Trumps damaligem Chefstrategen Steve Bannon gesprochen haben.

          Bekannt war bislang, dass mehrere Mitglieder von Trumps Team zu unterschiedlichen Zeiten Kontakt mit Russen hatten – zum Beispiel, als Jared Kushner, Donald Trump Jr. und Paul Manafort sich während des Wahlkampfes mit der russischen Anwältin Natalia Wesselnitzkaja trafen, nachdem Trumps Sohn zuvor belastendes Material über Hillary Clinton in Aussicht gestellt worden war. Nun hat Robert Mueller also in George Nader einen weiteren kooperativen Zeugen, der behauptet, dass er in Trumps Auftrag oder mit Zustimmung von dessen Team einen Kommunikationskanal zum Kreml aufbauen sollte. Allerdings: wenn das Treffen von Prince und Dmitriev im Januar 2017 stattfand, dann war es für die Wahl 2016 nicht mehr unmittelbar relevant.

          Mueller könnte damit allein also noch immer nicht belegen, dass es Verbindungen des Trump-Teams zu denjenigen Russen gab, die die öffentliche Meinung im Wahlkampf manipulieren oder sogar Wahlsysteme hacken wollten. Dass es diese Versuche gab, sehen nicht nur die Geheimdienste inzwischen als erwiesen an – Robert Mueller hatte zuletzt 13 Russen deswegen in Abwesenheit angeklagt. Russlands Präsident Wladimir Putin leugnete in einem NBC-Interview jegliche Verbindung dieser Personen und der „Troll-Fabriken“ zu seiner Regierung.

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