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Republikaner über die Wahlen : „Ein kleiner Warnschuss tut ganz gut“

  • -Aktualisiert am

In Florida jubeln Anhänger des Republikaners Ron DeSantis. Der leidenschaftliche Trump-Unterstützer gewann das Rennen um den Gouverneursposten knapp. Bild: Reuters

Ein blaues Auge, mehr nicht – es hätte weitaus schlimmer kommen können. Der Wahlabend in Amerika unter gar nicht mal so unglücklichen republikanischen Verlierern.

          Als sich der Sender „Fox News“ am Wahlabend in Washington aus der Deckung wagt, wird in Kalifornien noch gewählt. Macht nichts, die Hochrechnungen lassen wohl nichts anderes zu. Und so schickt der Sender gegen 21:30 Uhr Ortszeit eine Eilmeldung heraus: „Demokraten erobern Repräsentantenhaus zurück.“

          Im Trump-Hotel in D.C., wo hinter der Bar auf den anderen zwei von insgesamt vier riesigen Bildschirmen tonlos „CNN“ läuft, verursacht das nicht mehr als leichtes Schulterzucken. „Ich hatte nichts anderes erwartet. Die Republikaner verlieren das Repräsentantenhaus an die Demokraten, und der Senat bleibt bei uns“, sagt Michael T. Adamson, der mit Kollegen an der Bar steht und Bier trinkt, während die Wahlergebnisse im Fernsehen eintreffen. „Vielleicht ist das gar nicht schlecht“, sagt Toby Davis, der mit Adamson in einer Kanzlei in Washington zusammenarbeitet, „so ein kleiner Warnschuss wird für 2020 vielleicht ganz gut tun.“

          Die beiden Männer haben vor zwei Jahren Trump gewählt, obwohl sie zuerst andere Kandidaten unterstützt hatten, John Kasich und Ted Cruz. Und auch heute sind sie nicht ganz überzeugt von ihrem neuen Präsidenten. „Ich glaube nicht, dass es ihm schaden würde, wenn er einen versöhnlicheren Ton fände“, sagt Davis, der Trumps Rhetorik für einen der Gründe hält, warum am Ende des Abends mehr als zwanzig Sitze im Repräsentantenhaus an die Demokraten verloren gingen. In den letzten Tagen vor der Wahl gab Trump noch einmal den Panikmacher: Statt sich beispielsweise auf die guten Wirtschaftszahlen im Land zu konzentrieren, entschied sich der Präsident, den Fokus wieder auf das Thema Migration zu legen.

          „Damit er endlich aufhört zu twittern“

          „Wenn es nach mir ginge, würde er sein Telefon wegschmeißen, damit er endlich aufhört zu twittern“, sagt Karen Nelson. Sie steht unter dem Vordach einer Bücherei in einem Vorort von Washington, wo die Urnen für den örtlichen Wahlbezirk untergebracht sind. Es regnet seit 90 Minuten in Strömen. Die Wahllokale haben vor ein paar Stunden geöffnet, laut Wahlleiterin kam der erste Ansturm zwischen 6 und 9 Uhr in der Früh. Nelson, die als Immobilienmaklerin arbeitet, erzählt, dass sie heute Mittag zum ersten Mal nicht für die Republikaner gestimmt habe. Sie findet das, was der Präsident zum Thema Migration zu sagen hat, schlichtweg hetzerisch. „Ich bin von der Republikanischen Partei enttäuscht, dass sie ihren Anstandspflichten nicht nachkommt und sagt: Es reicht, bis hierhin und nicht weiter.“ 

          Sechs Stunden später, am anderen Ende der Stadt, verrät der Pizzageruch im Gang der American University in D.C., wo genau die College Republicans, eine Gruppe von jungen konservativen Studenten, ihre Wahlparty steigen lassen. Rund 150 von ihnen sitzen im abgedunkelten Wechsler Theater. Vorne wird „Fox News“ auf die Leinwand geworfen, hinten stapeln sich Pizzakartons. Alle sitzen eng beieinander, die Klappsitze sind wie im Kino angeordnet. Und doch wird hier weniger konzentriert geguckt als in der Bar am Trump Hotel, obwohl es in dem Uni-Saal nur Cola, Fanta und Sprite zu trinken gibt. Aus allen Richtungen kommen Unterhaltungsfetzen: „Er hat mir den Screenshot geschickt. Die hat tatsächlich geschrieben, dass wir 9/11 verdient gehabt hätten. Als ob wir uns unsere eigenen Verschwörungstheorien ausdenken würden“, schallt es aus einer Ecke. Aus einer anderen: „Ich will nicht, dass Trump noch einmal gewinnt, der Typ ist dumm.“

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