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„Paradise Papers“ : Bannons Attacken auf Clinton offenbar mit Offshore-Geld finanziert

  • Aktualisiert am

Trumps ehemaliger Chef-Stratege Steve Bannon Ende Oktober bei einem Auftritt in Kalifornien Bild: AP

Ein Journalisten-Netzwerk hat Millionen Dokumente zu Steuerparadiesen ausgewertet. Eine Spur führt zu zwei der wichtigsten Unterstützer Donald Trumps.

          Die Attacken des ehemaligen Trump-Chefstrategen Steve Bannon auf Hillary Clinton sind offenbar mit Geld finanziert worden, das in einem Steuerparadies angelegt war. Das berichtete der britische „Guardian“ am Dienstag in Zusammenhang mit den Enthüllungen um die sogenannten Paradise Papers. Im Zentrum der Vorwürfe stehen der amerikanische Hedgefonds-Manager und Trump-Förderer Robert Mercer, die Bermuda-Inseln und ein 2015 veröffentlichtes Buch, „Clinton Cash“.

          An der Veröffentlichung des Buches, verfasst von dem rechtskonservativen Autor Peter Schweizer, war Bannon maßgeblich beteiligt. Das Buch beschreibt, wie die Clintons von den Aktivitäten ihrer Stiftung, der „Clinton Foundation“, profitieren, um ihr persönliches Vermögen zu mehren – ein Vorwurf, der der damaligen Präsidentschaftskandidatin der Demokraten empfindlich schadete. Die „betrügerische Hillary“ („crooked Hillary“) wurde zu einem festen rhetorischen Element in Trumps Wahlkampf.

          Das Geld für „Clinton Cash“ stammt dem „Guardian“ zufolge aus einer Stiftung Mercers. Die Zeitung bezieht sich in ihrem Bericht auf die am Sonntag öffentlich gemachten „Paradise Papers“, mehr als 13 Millionen Dokumente aus 21 Quellen zu Steuerparadiesen, die von einem Journalisten-Netzwerk ausgewertet wurden, zu dem auch der „Guardian“ gehört. Die Dokumente stammen von der Anwaltsfirma Appleby, die in Bermuda ansässig ist, sowie der Firma Asiaciti in Singapur. Beide sind auf Briefkastenfirmen spezialisiert.

          Konstrukt aus acht Firmen

          Dem „Guardian“ zufolge steht der 71 Jahre alte Hedgesfonds-Manager und Milliardär Mercer auf Bermuda insgesamt acht Firmen vor. Laut der Zeitung könnte dieses Firmen-Konstrukt dazu gedient haben, auf legalem Weg eine Steuer in Höhe von bis zu 39 Prozent zu umgehen, die in den Vereinigten Staaten auf Kapitalerträge fällig wird und die Mercers Familienstiftung wohl für Beträge im zweistelligen Millionenbereich hätte zahlen müssen. Mit Geldern dieser Familienstiftung hat Mercer demnach eine millionenschwere Kriegskasse zur Unterstützung konservativer Projekte geschaffen.

          So wurde dem „Guardian“ zufolge nicht nur das von Bannon vorangetriebene Buch „Clinton Cash“ mit Offshore-Geldern aus der Stiftung finanziert, das später unter anderem zu einer offiziellen Untersuchung eines von Clinton in ihrer Amtszeit als Außenministerin verantworteten Verkaufs von Beteiligungen an dem Unternehmen „Uranium One“ führte; auch die die wichtigsten konservativen Akteure der Vereinigten Staaten erhielten Geld.

          Mercer, der bislang vor allem aus dem Hintergrund wirkte, ist in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Förderer der amerikanischen Konservativen aufgestiegen. Er gehörte zu den großen Geldgebern für Trumps Wahlkampf. Auch die Kampagne des texanischen Senators Ted Cruz unterstützte er finanziell.

          Der ultrarechte Blogger Milo Yiannopoulos wurde von dem 71 Jahre alten Hedgefonds-Manager ebenso gefördert wie das rechte Nachrichtenportal Breitbart – und dessen ehemaliger und neuer Chef Steve Bannon. Als treibende Kraft hinter dem Aufstieg Bannons in den engsten Kreis um Trump – Bannon arbeitete für Trump erst als Berater und dann bis August als Chefstratege im Weißen Haus – gilt eine von Mercers drei Töchtern, Rebekah Mercer.

          Mercer will nicht mehr als Rassist bezeichnet werden

          Anfang November ging Mercer allerdings auf Distanz zu Trump, Bannon und Yiannopoulos. In einem Brief an seine Mitarbeiter, über den das Magazin „Fortune“ berichtete, kündigte er seinen Rückzug von der Spitze seines Hedgefonds Renaissance Technologies an.

          Mercer nahm in dem Brief aber nicht nur Bezug auf unternehmerische Entscheidungen, er wurde auch politisch. „Von den vielen falschen Charakterisierungen meiner Person in der Presse war die abscheulichste die Unterstellung, ich sei ein weißer Rassist oder ein Mitglied einer anderen verderblichen Gruppe“, schrieb er demnach. Diskriminierung auf der Basis von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Glauben oder etwas Ähnlichem sei abscheulich für ihn.

          Über sein Verhältnis zu Bannon schrieb er, er habe großen Respekt vor ihm. Er träfe aber seine eigenen Entscheidungen darüber, wen er politisch unterstütze. „Diese Entscheidungen stimmen nicht immer mit denen von Herrn Bannon überein“, so Mercer. Die Unterstützung von Yiannopoulos erklärte der Manager mit der Hoffnung, so einer freieren Meinungsäußerung Geltung zu verschaffen. Doch Yiannopoulos habe ihn in dieser Hinsicht enttäuscht.

          Doch egal wie Mercer heute zu Bannon oder Yiannopoulos steht – sollte sich der vom „Guardian“ ins Spiel gebrachte Verdacht bestätigen, war der Hedgefonds-Manager entscheidend daran beteiligt, politisch rechte Kräfte in den Vereinigten Staaten mit Finanzspritzen groß zu machen und Hillary Clinton zu schaden; mit Finanzgeschäften, die das von den Trump in Zusammenhang mit Clinton so gerne verwendete Adjektiv „crooked“ wohl auch verdienen würden.

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