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Veröffentlicht: 02.06.2017, 15:31 Uhr

Obamas Verantwortung für Trump Wer hat die liberale Weltordnung zerstört?

Wer trägt die Verantwortung für die Wahl Trumps und die Erosion des Westens durch Russland und Putin? Ein Hinweis für Obama-Anhänger: Seht euch euer eigenes Vermächtnis an, bevor ihr den ersten Stein werft! Ein Gastbeitrag.

von James Kirchick
© AFP Wladimir Putin (left) and his former american counterpart Barack Obama in 2016

Auf dem letzten G20-Gipfel in Hangzhou machte Barack Obama Wladimir Putin mächtig Angst. Oder zumindest versuchte er es. Zwei Monate zuvor hatten amerikanische Geheimdienste dem Präsidenten mitgeteilt, sie seien sich „sehr sicher“, dass russische Hacker in die Server des Democratic National Committee eingedrungen waren und gut 20.000 gestohlene Emails an WikiLeaks weitergeleitet hatten, das diese Mails dann auf seine Website veröffentliche.

Die interne Korrespondenz, die unmittelbar vor der National Convention der Demokraten in Philadelphia an die Öffentlichkeit gebracht wurde und zeigte, dass die Parteiorganisation die später dann auch zur Präsidentschaftskandidatin gekürte Hillary Clinton gegenüber ihrem aufmüpfigen Herausforderer Bernie Sanders bevorzugt hatte, brachte die Demokraten in große Bedrängnis und führte zum Rücktritt der DNC-Vorsitzenden Debbie Wasserman Schultz wie auch zu dem Vorwurf, der Nominierungsprozess sei „manipuliert« worden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump griff diesen Vorgang auf, als er wenige Tage später sagte, er hoffe, die Russen könnten auch „die fehlenden 30.000 Mails“ von Clintons privatem Server finden.

Obama, der befürchtete, die russische Einmischung könne Trump die Präsidentschaft einbringen und sein eigenes Vermächtnis gefährden, nahm Putin auf dem Gipfeltreffen beiseite und sagte, ihm, er solle damit aufhören, sonst müsse er mit „ernsten Konsequenzen“ rechnen. Wir wissen nicht, was Putin darauf erwiderte oder ob er überhaupt reagierte. Wie ernst er jedoch die Drohungen des nominellen Führers der freien Welt nahm, wurde deutlich, als WikiLeaks nur wenige Wochen später eine große Zahl gleichfalls von russischen Hackern gestohlener Emails des Clinton-Wahlkampfleiters John Podesta veröffentlichte.

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