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Amerika und Nordkorea : Warum Trump Kims Einladung akzeptiert

Ein südkoreanischer Sender berichtet über Trump und Kim. Bild: AP

Amerikas Präsident verspricht sich von einem Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un konkrete Erfolge. Ausgeschlossen hatte er es nie, trotz Drohungen mit „Feuer und Zorn“.

          In einer überraschenden Wendung hat der amerikanische Präsident Donald Trump eine Einladung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un für ein Gipfeltreffen akzeptiert. Ort und Termin des Treffens seien noch zu bestimmen, verlautete aus dem Weißen Haus. Nach Angaben des südkoreanischen Sicherheitsberaters Chung Eui-yong soll das Treffen im Mai stattfinden. Chung hatte Trump zuvor die Einladung von Kim überbracht. „Wir erwarten eine Denuklearisierung Nordkoreas“, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses in Washington. In der Zwischenzeit müssten alle Sanktionen und der Druck aufrechterhalten bleiben.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Woche, die mit dem Abendessen einer südkoreanischen Delegation in Pjöngjang begann, endet für Kim so mit einem diplomatischen Doppelerfolg. Erst akzeptierte der südkoreanische Präsident Moon Jae-in die Einladung Kims zu einem Gipfeltreffen, nun lässt sich auch Amerikas Trump auf das Gespräch mit dem Diktator ein. Für Kim, der seit der Machtübernahme 2011 keine bekannte Auslandsreise gemacht hat und auch keinen ausländischen Staatschef getroffen hat, ist gerade die Zusage Trumps eine ersehnte diplomatische Anerkennung.

          Washington setzt auf Ergebnisse

          Die amerikanische Regierung scheint sicher, dass mit dem angeblichen Verhandlungsgeschick Trumps ein Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Erfolg bringen kann. Trump werde Kim nicht nur für ein Gespräch belohnen, hieß es. Man werde sich mit nicht weniger als mit einer vollständigen Denuklearisierung zufriedengeben, verlautete aus dem Weißen Haus. Der Präsident habe die Einladung zum Gespräch angenommen, weil Kim der einzige sei, der in dem autoritären oder totalitären System eine Entscheidung treffen könne. Trump äußerte in einem Telefongespräch mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe die Hoffnung, dass die Einladung Kims Wunsch signalisiere, dem nordkoreanischen Volk eine hellere Zukunft zu geben.

          Trump hatte schon im Wahlkampf direkte Gespräche mit Kim nie ausgeschlossen. Im Sommer 2016 sagte er in Atlanta, er sei bereit, sich als Präsident mit Kim in Amerika „auf einen Hamburger“ zu treffen. Er würde aber nicht nach Nordkorea reisen. Damals schätzte er seine Chance, dass er Kim zur Aufgabe der Nuklearwaffen überreden könne, auf 10 bis 20 Prozent ein. „Was zur Hölle ist falsch mit sprechen?“, sagte Trump damals. „Man nennt das einen Dialog eröffnen.“

          Als Präsident hatte Trump den Druck auf Nordkorea erhöht und auch militärische Maßnahmen nicht ausgeschlossen. Er drohte mit „Feuer und Zorn“, hielt aber die Tür für Gespräche mit Kim unter den richtigen Bedingungen offen.

          Südkoreas Präsident Moon Jae-in sprach in Seoul von einer historischen Wegmarke für Frieden auf der koreanischen Halbinsel. Wenn Trump und Kim nach dem innerkoreanischen Gipfeltreffen zusammenkämen, würde die vollständige Denuklearisierung ernsthaft auf den Weg gebracht, sagte Moon. Er lobte die Führung von Trump, der Lob nicht nur von den Süd- und Nordkoreanern, sondern auch von den Völkern der Welt erhalten werde. Moon hatte schon im Januar, nachdem Nordkorea sich zur Teilnahme an den Olympischen Winterspielen bereit erklärt hatte, das Verdienst Trump und dessen harter Haltung gegenüber Nordkorea zugeschrieben. Mit der Teilnahme des Nordens an dem Sportereignis hatte die rasante diplomatische Annäherung begonnen.

          Nordkorea will auf Atomtests verzichten

          Der südkoreanische Sicherheitsberater Chung, der am Wochenbeginn mit Kim in Pjöngjang diniert hatte, hatte Trump in Washington am Donnerstag über die Gespräche informiert und die persönliche Einladung Kims überbracht. Er erklärte vor Journalisten abermals, dass Kim eine Denuklearisierung wünsche und weitere Nuklear- oder Raketentests unterlassen wolle. Nordkorea akzeptiere, dass Amerika und Südkorea im kommenden Monat ein wegen der Olympischen Winterspiele verschobenes Manöver abhalten. In Seoul halten sich indes Spekulationen, dass das Manöver als Geste an den Norden in kleinerem Maßstab als sonst üblich stattfinden könnte.

          Nordkorea hat in den vergangenen Jahren dutzende Raketen abgefeuert und mehrfach Atomsprengköpfe getestet. Seit dem vorerst letzten Test im November hält das Regime aber still. Pjöngjang hatte damals erklärt, dass es das Ziel seines Atomprogramms erreicht habe. Fachleute gehen davon aus, dass Nordkorea mit seinen Langstreckenraketen die Vereinigten Staaten erreichen kann. Bezweifelt wird aber, dass Nordkorea die Technik für den erfolgreichen Wiedereintritt eines Atomsprengkopfs in die Atmosphäre entwickelt habe.

          Was ist „Denuklearisierung?“

          Eine große Unklarheit ist, welche Bedingungen Nordkorea für eine Aufgabe seiner Atomwaffen stellt und was es genau unter Denuklearisierung versteht. Frühere Erklärungen Nordkoreas für eine „Denuklearisierung“ der koreanischen Halbinsel zielten darauf ab, dass die Vereinigten Staaten den atomaren Schutzschild über Südkorea aufgäben und/oder ihre Truppen aus dem Süden zurückzögen. Das wäre für die Verbündeten nicht akzeptabel. Auch wegen solcher Unwägbarkeiten mahnt Südkoreas Präsident Moon, das man erst ganz am Beginn von Gesprächen mit Nordkorea stehe.

          Kritiker wie unter anderem die japanische Regierung weisen unentwegt darauf hin, dass die früheren Sechs-Parteien-Gespräche mit Nordkorea nicht dazu geführt hätten, dass Nordkorea sein Atomwaffenprogramm aufgegeben habe. Tokio fürchtet, dass Pjöngjang mit den Gesprächen wieder nur Zeit gewinnen wolle. Als potentielles Ziel in der nachgewiesenen Reichweite nordkoreanischer Raketen ist Japan derzeit stärker durch das Regime bedroht als die Vereinigten Staaten.

          Japans Ministerpräsident Abe sagte am Freitag in Tokio, er begrüße die Änderung der Haltung Nordkoreas, nun über eine Denuklearisierung zu sprechen. Er sei sich mit Trump in einem Telefongespräch einig gewesen, dass die internationale Gemeinschaft maximalen Druck auf Nordkorea aufrechterhalten müsse.

          Mit Blick auf solche Bedenken betonte Chung in Washington, dass Südkorea, Amerika und ihre Partner darauf achten würden, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. „Der Druck wird aufrechterhalten, bis Nordkorea seine Worte mit konkreten Handlungen in Übereinstimmung bringt,“ sagte der südkoreanische Gesandte.

          Die Stellungnahme des südkoreanischen Sicherheitsberaters im Wortlaut

          Der nationale Sicherheitsberater Südkoreas, Chung Eui-yong, verkündete am Donnerstagabend in Washington als erster die überraschende Annäherung. Seine Erklärung im Wortlaut:

          „Heute hatte ich das Privileg, Präsident Donald Trump über meinen jüngsten Besuch in Pjöngjang, Nordkorea, zu unterrichten. Ich möchte Präsident Trump, dem Vizepräsidenten und seinem wunderbaren nationalen Sicherheitsteam, einschließlich meines engen Freundes General McMaster, danken. Ich habe Präsident Trump erklärt, dass uns seine Führung und seine Politik des maximalen Drucks zusammen mit der internationalen Solidarität an diesen Punkt gebracht haben. Ich habe Präsident Trump die persönliche Dankbarkeit von Präsident Moon Jae In für seine Führung überbracht.

          Ich habe Präsident Trump mitgeteilt, dass der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un bei unserem Treffen sagte, er sei der Denuklearisierung verpflichtet. Kim hat versprochen, dass Nordkorea von weiteren Atom- oder Raketentest absehen werde. Er versteht, dass die routinemäßigen gemeinsamen Militärübungen zwischen Südkorea und den Vereinigten Staaten weitergehen müssen. Und er hat seine Bereitschaft ausgedrückt, Präsident Trump so bald wie möglich zu treffen.

          Präsident Trump begrüßte das Briefing und sagte, er werde Kim Jong Un bis Mai treffen, um eine dauerhafte Denuklearisierung zu erreichen. Südkorea ist gemeinsam mit den Vereinigten Staaten, Japan und unseren zahlreichen Partnern auf der ganzen Welt ganz und gar einer vollständigen Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verpflichtet.

          Wie auch Präsident Trump, sind wir optimistisch, einen diplomatischen Prozess fortzuführen, um die Möglichkeit einer friedlichen Lösung auszutesten. Südkorea, die Vereinigten Staaten und unsere Partner dringen gemeinsam darauf, dass wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen und dass der Druck so lange anhält, bis Nordkorea seinen Worten konkrete Taten folgen lässt.“

          Quelle: dpa

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