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„New York Times“-Journalist : „Die Anklage gegen Papadopoulos hat Trump geschockt“

  • -Aktualisiert am

Unter Journalisten: Prädient Trump in der Air Force One auf dem Weg nach Hawaii Bild: AP

Was macht Donald Trump so einzigartig? Peter Baker, Korrespondent der New York Times, geht im Weißen Haus ein und aus. Im Interview spricht er darüber, was Trumps Tweets über den Präsidenten verraten – und warum die Hauptstadt gegen ihn arbeitet.

          Als Donald Trump vor einem Jahr die Wahl gewann, wurde Peter Baker von seinen Vorgesetzten nach nicht einmal einem Jahr abrupt nach Washington beordert. Der damalige Jerusalem-Bürochef der „New York Times“ hatte bereits die drei Vorgänger des Immobilien-Tycoons während ihrer Zeit im Weißen Haus begleitet. Zurück in D.C., arbeitet Baker als „Chief White House Correspondent.“ Kurz nach dem Gespräch mit uns bekam er einen Anruf. Am Apparat: Präsident Trump. Warum? Das schrieb Baker anschließend auf.

          Herr Baker, Ende Oktober sind im Zuge der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller mehrere Personen, die für Donald Trumps Wahlkampfteam gearbeitet haben, angeklagt worden. Sie gehen ein und aus im Weißen Haus. Wie war die Stimmung danach?

          Sehr gemischt. Als an jenem Montagmorgen bekannt wurde, dass es sich um Trumps ehemaligen Wahlkampfleiter Paul Manafort handeln würde, hat man im Weißen Haus erst einmal durchgeatmet. Am Wochenende zuvor war durchgesickert, dass es erste Anklagen geben würde. Dass Manafort darunter sein würde, hatte man beinahe erwartet. Was in der Anklageschrift stand, wirkte erst einmal erleichternd: nirgendwo tauchte der Name Donald Trump auf. Es klang ganz so, als handle es sich bloß um einen Schurken, dem allerlei Steuervergehen aus vergangenen Tagen angelastet wurden.

          Es dauerte keine Stunde, bis die Sensation herauskam: George Papadopoulos, während des Wahlkampfs Mitglied in Trumps außenpolitischen Beraterstab, hatte eingestanden, das FBI über mögliche Kontakte nach Russland angelogen zu haben. Seine Anklage war bis zu dem Morgen unter Verschluss gehalten worden, um die fortlaufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. Ist der Fall in Ihren Augen brisanter als Manafort?

          Die Nachricht über die Anklage gegen Papadopoulos hat das Weiße Haus geschockt. Niemand wusste, dass er scheinbar über den Sommer hinweg mit den Behörden kooperiert hatte. Das Weiße Haus stellt sich die Fragen: Wer hatte alles Kontakt zu Papadopoulos? Ist er womöglich verkabelt worden, damit die Behörden seine Gespräche abhören konnten? Was den Fall im Vergleich zu Manafort angeht: Mit Papadopoulos Geständnis gibt es jetzt zwei aktenkundige Aussagen über den Versuch von Trumps Wahlkampfteam, die Wahlen zu seinen Gunsten in eine bestimmte Richtung zu lenken.

          In Washington wird deshalb munter spekuliert, ob Trump Sonderermittler Robert Mueller feuert. Eine realistische Diskussion?

          Darüber ist im Weißen Haus gesprochen worden, ja. Aber Trump und seine Berater wissen, dass solch ein Schritt ungeheuren Schaden anrichten würde. Es gibt also derzeit keinen Plan, ihn zu feuern. Obwohl: bei diesem Weißen Haus kann man sich nie ganz sicher sein. [lacht]

          Kaum ein Journalist hat so direkten Zugang zum Weißen Haus wie Peter Baker, der „Chief White House Correspondent“ der „New York Times“
          Kaum ein Journalist hat so direkten Zugang zum Weißen Haus wie Peter Baker, der „Chief White House Correspondent“ der „New York Times“ : Bild: Doug Mills/New York Times

          Trump ist seit knapp 300 Tagen im Amt. Wie sieht Ihre Bilanz bis dato aus?

          Es war ein ziemlich stürmisches Jahr. Trump hatte keine Erfahrung in der Politik oder im Militär wie seine Vorgänger. Er bringt nur die Erfahrung und Persönlichkeit eines Reality-Stars mit ins Weiße Haus und lernt sämtliche Kniffe, während er den Job macht. Die Wirtschaft ist im Aufwind. Trump ist besonders auf die gute Börsenbilanz stolz. Seine Anti-Regulierungsmaßnahmen kommen bei vielen gut an. Und trotzdem fehlt ihm ein legislativer Erfolg. Die geplante Steuerreform soll das ändern. Wenn ihm das nicht gelingt, könnten die Börsenmärkte sehr ungehalten reagieren.

          Gibt es einen Trump-Moment, der Sie beeindruckt hat?

          Es ist nicht mein Job beeindruckt zu sein, so denke ich auch nicht. Ich versuche einfach darüber zu berichten, was passiert.

          Als Freund der Presse hat sich der Präsident nicht gezeigt. Ist die tägliche Arbeit im Weißen Haus eigentlich so hart wie es scheint?

          Es ist kompliziert. Einige von Trumps Aussagen wirken so, als ob wir Journalisten und er uns rund um die Uhr im Weißen Haus in unermüdlicher Feindseligkeit gegenüber stünden. Oft ist es gar nicht so viel anders als bei anderen Präsidenten. Seit eh und je herrscht zwischen Presse und Weißem Haus eine antagonistische Beziehung. Das ist systemimmanent. Der Unterschied zu anderen Regierungen ist, dass die derzeitige die verschiedenen Auffassungen betont wie keine zweite. Trump selbst nutzt die unterschiedlichen Standpunkte ja gern, um seine Wählerschaft anzustacheln. Und gleichzeitig – das darf man dabei nie vergessen – ist Trump ein Typ, der seit Lebzeiten alles tut, um gute Presse zu bekommen.

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