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Neues Woodward-Buch : „Ich bin ein Popularist“

Das neue Buch von Star-Journalist Bob Woodward bietet etliche neue Einblicke in den Arbeitsalltag von Präsident Donald Trump. Bild: Reuters

Donald Trump wütet, er beleidigt und hat von Politik wenig Ahnung: Das neue Buch von Bob Woodward gewährt neue Einblicke in den Alltag im Weißen Haus – zum Beispiel: wie es beinahe zu einem Bündnis mit John McCain gekommen wäre.

  • -Aktualisiert am

          „Wir haben hier ein sehr unpräzises Buch, und das ist zu schade,“ sagt Donald Trump zu dem Journalisten Bob Woodward am Telefon. Zu hören ist die Aufnahme auf der Internetseite der „Washington Post“. „Ich hätte sehr gern mit Ihnen geredet, wenn Sie zu mir gekommen wären,“ behauptet der Präsident. Stimmt nicht, sagt der Journalist, der einst den „Watergate“-Skandal enthüllte.

          Die Aufnahme entstand mit Trumps Einverständnis: Darauf ist zu hören, wie Woodward dem Präsidenten geduldig erklärt, was er alles unternahm, um ihn für sein Buch „Fear“ zu interviewen. Mehr als ein Dutzend Leute habe er mit seinem Anliegen kontaktiert. Wohl nicht die richtigen, meint der Präsident. Und gibt schließlich seiner Beraterin Kellyanne Conway die Schuld, dass sie die Anfrage nicht weitergeleitet habe. „Zu dumm, aber nun ist es nicht mehr zu ändern“, schimpft Trump.

          Woodwards Telefonat mit Trump hat eine gewisse Ähnlichkeit mit den Dialogen, die er in seinem am Dienstag erschienenen Buch nachzeichnet. Im fast täglichen Konflikt mit seinen Mitarbeitern und Ministern wechselt der Präsident ebenfalls zwischen Larmoyanz, Schuldzuweisungen und Wutanfällen. „Fear“ zeigt ein Weißes Haus, in dem die Mitarbeiter laufend damit beschäftigt sind, den Schaden der Aktionen ihres Chefs zu begrenzen. So stahlen der oberste Wirtschaftsberater Gary Cohn und andere Mitarbeiter Briefe vom Tisch des Präsidenten oder verzögerten die Abfassung von Dokumenten, damit Trump sich nicht aus dem Handelsabkommen mit Südkorea und anderen Verträgen zurückzog. Cohn wird im Buch als eine der lautesten Stimmen der Vernunft porträtiert: Er habe versucht, was er konnte, um den Präsidenten davon abzuhalten, die Verbündeten mit Strafzöllen zu überziehen.

          Trump verkündete wieder und wieder, durch die Zölle werde er seinen Wählern ihre alten Jobs in der Stahlindustrie zurückbringen. Cohn versuchte, ihm die Realitäten der heutigen Arbeitswelt in Amerika nahe zu bringen. Über achtzig Prozent des Bruttosozialproduktes werde im Dienstleistungsbereich erwirtschaftet. „Wer betreibt das Geschäft unten bei Ihnen im Trump Tower?“ wollte Cohn wissen. „Starbucks“, räumte Trump ein. „Aber das zählt alles nicht.“ Seine Vorstellung von der heimischen Wirtschaft sei veraltet, warf Cohn ihm vor. Wie könne das sein? „So ist es einfach“, sagte Trump. „Ich habe diese Ansichten seit 30 Jahren.“ Cohn verlor nicht die Geduld: „Das heißt nicht, dass sie richtig sind. Ich dachte 15 Jahre lang, ich könnte Profi-Footballspieler werden. Das heißt noch lange nicht, dass ich Recht hatte.“ Trump ließ sich nicht überzeugen, Cohn verließ schließlich im März dieses Jahres das Weiße Haus.

          Cohn wird in dem Buch namentlich zitiert, Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon ebenfalls. Woodward schildert, wie Bannon am Anfang der Wahlkampagne seine eigenen Ideen in den Trump Tower in New York brachte und die Schwachstellen des Kandidaten abklopfte. „Sie haben öfter für Pro-Choice-Kandidaten gespendet, jetzt müssen Sie Pro Life sein“, erklärte er ihm ein Kernthema des republikanischen Wahlkampfes. Trump schien die gebräuchlichen Begriffe für Abtreibungsgegner und Befürworter des Rechts auf einen Schwangerschaftsabbruch kaum zu kennen und dem auch keine Bedeutung beizumessen: „Sagen Sie mir einfach, was ich machen muss, um das zu ändern. Ich bin... wie nennen Sie es? Pro Life. Ich bin Pro Life, ich sage es Ihnen“, habe er erklärt. Bannons Ideen eines rechten Populismus, die er mit dem Magazin „Breitbart“ unter die Leute brachte, gefielen dem Milliardär auch: „Das gefällt mir, das bin ich. Ich bin ein Popularist“, soll er begeistert versichert haben. „Ein Populist“, habe Bannon ihn korrigiert. „Ja, ja. Ein Popularist“, beharrte der spätere Präsident.

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