http://www.faz.net/-gpf-8lnq7

Kriegsgefahr durch Narzissten : Warum Trump so gefährlich wie Wilhelm II. ist

  • -Aktualisiert am

Von sich selbst überzeugt: Donald Trump Bild: AP

Wenn narzisstisch geprägte Persönlichkeiten wie Donald Trump oder Wilhelm II. an die Spitze eines Staates gelangen, können ihre Ziele und Führungsmethoden den Frieden gefährden – und dem „bösen Zufall“ Tür und Tor öffnen. Ein Gastbeitrag.

          „Säbelrasselnd stolpert er über das internationale Parkett, düpiert, brüskiert und bedroht das zunehmend besorgte Ausland“. Nein, damit war nicht Donald Trump gemeint, sondern Wilhelm II. Aber an diese Charakterisierung (von John C.G. Röhl) fühlt man sich erinnert, wenn man wieder einmal mit einer der Eskapaden von Donald Trump konfrontiert wird. Und hieran knüpfen sich – genau wie vor dem Ersten Weltkrieg – die Ängste der Menschen, wohin das eines Tages führen könnte.

          Schon damals wurde deutlich, dass durch verantwortungsloses Reden und irritierendes, martialisches Verhalten Spannungen aufgebaut werden können, die zu ihrer „Entladung“ dann oft nur noch eines Zufalls (wie in Sarajevo) bedürfen. Dabei traf den Deutschen Kaiser zweifelsohne eine Mitverantwortung, indem er über Jahrzehnte hinweg und bis hin zu seinem „Blankoscheck“ an Österreich durch sein Verhalten zum Spannungsaufbau mit beigetragen hatte. Neuere Forschungsarbeiten haben deutlich gemacht, dass damals niemand – auch Wilhelm II. nicht – den Weltkrieg wollte, sondern am Ende der Zufall eine verhängnisvolle Rolle spielte. Das Argument, es wäre früher oder später unvermeidlich doch noch zum Ausbruch des Krieges gekommen, wird zum Beispiel weder von Christopher Clark noch von Herfried Münkler geteilt. Beide sehen hinreichende Anhaltspunkte für andere mögliche Entwicklungen.

          Trump und Wilhelm II. eint ein gefährliches Rollenverständnis

          Es gibt viele Stimmen, die sowohl bei Wilhelm II. als auch bei Donald Trump Persönlichkeitsmerkmale sehen, die für einen „Narzissten“ typisch sind und damit ein Rollenverständnis markieren, das in einer herausgehobenen Position der Politik als gefährlich angesehen werden muss. Bevor dies näher erläutert wird, sei ein kurzer Blick auf beide Persönlichkeiten vorangestellt.

          Zunächst zu Wilhelm II.: Hervorgehoben wird insbesondere seine Unausgewogenheit. Sie äußerte sich zum einen in einer Sprunghaftigkeit, die ihn zwischen Drohgebärden und Rückzugsgefechten hin und her schwanken ließ. Unausgewogenheit zeigte sich aber auch in Wilhelms Überschwänglichkeit. Seinen Stil empfanden viele als unangemessen und unreif. Eine dritte Form der Unausgewogenheit waren seine Empfindlichkeit, Großtuerei und Inszenierungssucht.

          Kaiser Wilhelm II.
          Kaiser Wilhelm II. : Bild: dpa

          Wilhelms Führungsstil war ausgeprägt autokratisch. Von allen Politikern und Diplomaten erwartete er ein sehr angepasstes Verhalten. Selbständige Meinungsäußerung und Widerspruch wurden ungnädig quittiert. Er wollte alles selbst machen und mischte sich überall ein. Konsequenzen waren unwürdige Gängelung, Liebedienerei, Günstlingswirtschaft und die Entmachtung der zuständigen Organe. Diese mutierten zu bloßen Ausführungsgehilfen des höchstherrschaftlichen Willens.

          Es gab jeweils zwei Alternativen: Entweder lagen die Willensentschließungen des Monarchen schon so fest, dass die Minister und Staatssekretäre sie nur resignierend entgegennehmen konnten. Oder aber Wilhelm zeigte sich als ausgeprägter Gefühls- und Augenblicksmensch, was einer rational nüchternen Handlungsweise naturgemäß entgegenstand. Er prägte entscheidend das Bild, das Deutschland der Welt bot. Der Historiker Christopher Clark bemerkt dazu: „Wer verkörperte die beunruhigenden Aspekte der deutschen Außenpolitik (ihre Schwankungen, die fehlende Ausrichtung und frustrierten Ambitionen) besser als der fieberhafte, taktlose, zu Panik neigende und herrische Kaiser Wilhelm II.“?

          Auch Trump zeigt ausgeprägt autokratisches Verhalten

          Die Ähnlichkeiten zwischen Wilhelm und Trump werden an verschiedenen Stellen deutlich. Auch dem Republikaner wird eine Unausgewogenheit attestiert – auch bei ihm als Sprunghaftigkeit, die ihn zwischen Drohgebärden und Rückzugsgefechten hin und her schwanken lässt. Auch bei ihm sehen Beobachter Überschwänglichkeit und einen unangemessenen und zum Teil unreifen Stil. Auch bei ihm Empfindlichkeit, Großtuerei und Inszenierungssucht.

          Weitere Themen

          Nordkorea startet die nächste Stufe

          Wasserstoffbombe : Nordkorea startet die nächste Stufe

          Sollte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un versuchen, seine Zerstörungskraft mit einer Wasserstoffbombe im Pazifik zu demonstrieren, wären die Folgen unübersehbar. Wie groß ist die Gefahr - abseits der Kriegsrhetorik? Eine Analyse.

          Wortkrieg zwischen Kim Jong-un und Donald Trump Video-Seite öffnen

          Nordkorea : Wortkrieg zwischen Kim Jong-un und Donald Trump

          Im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm dreht sich die Eskalationsspirale immer schneller. Nach seiner Drohung vor der UN-Vollversammlung, Nordkorea notfalls "völlig zu zerstören", legt US-Präsident Donald Trump jetzt mit neuen Sanktionen nach. Pjöngjang deutet daraufhin die Möglichkeit eines Wasserstoffbomben-Tests über dem Pazifik an.

          Topmeldungen

          Wahlkampfabschluss der AfD : Revolte von rechts

          Am Abend vor der Wahl trifft sich der Landesverband der AfD Sachsen zur Kundgebung in Görlitz. Ohne Frauke Petry. Die hatte zuvor abgesagt – wegen „innerparteilichen Querelen“. Dafür tritt einer ihrer Feinde auf.
          Versuchen fast alles, um Merkel zu stürzen: Die AfD-Spitzenkandidaten Weidel und Gauland.

          Neue Internetseite der AfD : Teuflisch genial

          Im Online-Wahlkampf holte sich die AfD Unterstützung von einer Werbeagentur, die bereits für Donald Trump arbeitete. Jetzt hat die Partei eine neue Website veröffentlicht – und startet damit eine Schmutzkampagne gegen die Kanzlerin.

          SPD-Wahlkampffinale in Aachen : Er rettet, was zu retten ist

          Nach Monaten der Euphorie glaubt fast niemand mehr an einen Wahlsieg der SPD. Trotzdem bringt Martin Schulz bei seinem letzten großen Wahlkampfauftritt seine Kampagne in Würde zu Ende – „egal, was morgen rauskommt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.