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Streit um Neuauszählung : Trump wettert über Wahlbetrug

  • Aktualisiert am

Donald Trump bei seinem Besuch im Weißen Haus am Tag nach der Wahl. Bild: AP

Millionen illegale Stimmen habe es gegen ihn gegeben, beklagt Donald Trump. Ohne diesen Wahlbetrug hätte er nicht nur die Mehrheit der Wahlmänner sondern auch die Mehrheit der Stimmen gewonnen, schreibt der künftige amerikanische Präsident.

          Der künftige amerikanische Präsident Donald Trump zweifelt das Wahlergebnis von Anfang November an und erklärte am Sonntag, dass sich „Millionen Menschen“ illegal an der Wahl am 8. November beteiligt hätten. Andernfalls wäre sein Sieg noch überzeugender ausgefallen, schrieb Trump per Twitter: „Zusätzlich zur Mehrheit der Wahlmänner hätte ich auch die Mehrheit der Stimmen erhalten, wenn man die Millionen abzieht, die illegal gewählt haben.“

          Einige Stunden später legte der Republikaner nach und prangerte konkret Wahlbetrug in den von seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton gewonnenen Staaten Virginia, New Hampshire und Kalifornien an. Die Medien berichteten verzerrt, das sei „ein großes Problem“.

          Beweise für die von seinen Anhängern sogleich zigtausendfach weiterverbreiteten Anschuldigungen lieferte Trump nicht. Die amerikanische Regierung erklärte, es gebe keine Anzeichen für Unregelmäßigkeiten bei der Wahl. Nach Ansicht vieler Beobachter bezieht Trump sich vermutlich auf einzelne unbestätigte Tweets und höchst fragwürdige Quellen wie die Website Infowars, die das Gerücht verbreitet hatte, drei Millionen illegal in Amerika lebende Ausländer hätten ihre Stimme abgeben können.

          Bernstein: Trump paranoider als Nixon

          Der renommierte Journalist und Clinton-Biograph Carl Bernstein warf Trump „faktenfreien Wahnsinn“ vor. Er sei völlig von der Rolle. „Hätte Nixon ein Twitter-Konto gehabt, würde es nicht so viel Paranoia widerspiegeln“, schrieb Bernstein, dessen legendäre Watergate-Recherchen einst zum Sturz von Präsident Richard Nixon beigetragen hatten.

          Neuauszählung beantragt

          Trump reagierte mit seinen Tweets auf eine anstehende Neuauszählung in Wisconsin, wo er Clinton knapp besiegt hatte. Den „Recount“ in dem Staat hatte die - bei der Wahl chancenlose - Grünen-Bewerberin Jill Stein beantragt. Sie sammelt Geld ein und will auch Neuauszählungen in den Staaten Pennsylvania und Michigan mit ebenfalls knappen Ergebnissen zugunsten von Trump. Hätte Clinton in Wisconsin, Pennsylvania und Michigan gewonnen, wäre sie und nicht Trump der Gesamtsieger geworden.

          Hintergrund sind Hinweise von Computer-Experten, nach denen die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien und deswegen in anderen Bundesstaaten, etwa Kalifornien, nicht benutzt werden dürfen. Die favorisierte Clinton hatte in Stimmbezirken, in denen Wahlmaschinen benutzt wurden, deutlich schlechter abgeschnitten als in Wahllokalen, wo auf handgeschriebene Stimmzettel gesetzt worden war.

          Clintons Lager unterstützt halbherzig

          Das Clinton-Lager hatte am Wochenende mitgeteilt, dass es die Vorstöße der Grünen unterstütze. Zugleich machte es aber klar, dass es keine Änderung des Wahlausgangs durch die Neuauszählungen erwarte. Eigene Überprüfungen in den vergangenen Wochen hätten keine Unregelmäßigkeiten aufgezeigt. Deshalb habe man auch nicht selbst Neuauszählungen beantragt.

          Landesweit erhielt Clinton mindestens zwei Millionen Stimmen mehr als Trump. Die Auszählung in bevölkerungsreichen Staaten wie Kalifornien hält zudem immer noch an, und Fachleute gehen davon aus, dass ihr Vorsprung letztlich bei 2,5 Millionen Stimmen liegen dürfte. Über den Einzug ins Weiße Haus entscheidet allerdings das Wahlleute-Gremium, und hier konnte Trump die Mehrheit für sich gewinnen.

          „Es wäre viel leichter für mich gewesen, die „Popular Vote“ zu gewinnen als die Mehrheit der Wahlmänner, weil ich dann nur in drei bis vier Staaten Wahlkampf hätte machen müssen statt in den 15 Staaten, die ich besucht habe“, twitterte Trump weiter.

          Quelle: bard./Reuters/dpa

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