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Nach Entlassung des FBI-Chefs : Ein Showboat namens Donald Trump

Stürmische Zeiten für Donald Trump Bild: AP

Weiter Verwirrung um die Entlassung des FBI-Chefs: Donald Trump widerspricht seinem Vize und hat auch nicht auf Empfehlung gehandelt. Die Absetzung Comeys war für ihn schon lange beschlossen. Welche Rolle spielte ein gemeinsames Dinner?

          Im Sender Fox News verglich ein Kommentator Donald Trump jetzt mit einem Haifisch. Der ziehe seine Bahnen, schlage seine Haken und wisse dabei nichts von der Aufregung und Panik, die er am Strand verursache. Das war ein treffendes Bild am Ende eines Tages, an dem der Präsident in wenigen Minuten alle bisherigen Bemühungen seiner Leute zunichtegemacht hatte, stimmig zu erklären, warum der FBI-Direktor James Comey am Dienstag so plötzlich entlassen wurde. Je mehr Auszüge der Sender NBC am Donnerstag von seinem Interview mit Trump herausgab, desto düpierter standen dessen Sprecher und Fürsprecher da.

          Andreas Ross

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Voller Verachtung für entsprechende Reporterfragen hatten sie bis dahin abgestritten, dass die Ermittlungen über etwaige Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung in den Erwägungen des Präsidenten irgendeine Rolle gespielt hätten. Trump sei vielmehr zum Handeln gezwungen gewesen, so hatte es auch Vizepräsident Mike Pence dargestellt, nachdem ihm der neue stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein Comeys Fehlverhalten im Umgang mit der E-Mail-Affäre Hillary Clintons dargelegt habe. Im Kündigungsbrief hatte Trump denn auch geschrieben, er „akzeptiere die Empfehlung“ zur Entlassung Comeys von Rosenstein.

          Nun aber versicherte Trump, die Entlassung sei längst beschlossen gewesen, als er mit Rosenstein über das Thema sprach: „Ich hätte ihn so oder so gefeuert, ungeachtet der Empfehlung.“ Und keineswegs hatte der Präsident dabei nur seine demokratische Rivalin Hillary Clinton im Sinn, die sich von Comeys beispiellosem Vorgehen um ihren Sieg geprellt sieht. „Als ich tatsächlich entschied, es einfach zu tun“, sagte Trump nun über Comeys Entlassung, „da habe ich mir gesagt: Weißt du, diese Russland-Sache mit Trump und Russland ist eine erfundene Story. Sie ist ein Vorwand der Demokraten, warum sie die Wahl verloren haben, die sie hätten gewinnen sollen.‘“

          Trump duldet in seinen Gewässern kein zweites glänzendes Schiff

          Einblick in seine wahren Beweggründe könnte Trump auch gegeben haben, als er den gutaussehenden Zwei-Meter-Mann Comey zum Blender und Effekthascher erklärte. Er benutzte dafür den Ausdruck „showboat“, und jeder Trump-Biograph weiß, dass der schillernde Präsident in seinen Gewässern kein zweites Schiff duldet, das glänzt und funkelt. Trump widersprach in dem Interview nicht nur seinem Stellvertreter und seinen Mitarbeitern, sondern auch sich selbst. Denn die Untersuchung über die angeblich „erfundene Story“ der Demokraten wollte er wenige Augenblicke später unbedingt fortgesetzt sehen: „Ich will, dass sie sehr stark und sehr gut ist“, sagte Trump. „Ich will dem auf den Grund gehen. Wenn Russland gehackt hat, wenn Russland irgendwas mit unserer Wahl getan hat, will ich es wissen.“

          Trump über Comey : „Er hat keinen guten Job gemacht“

          Andrew McCabe, der bis auf weiteres das FBI führt, versicherte denn auch im Senat, die Untersuchung gehe ungebremst weiter. Doch er widersprach dem Weißen Haus an anderen Stellen. So nannte er die Untersuchung „hochbedeutsam“, während Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders sie als Marginalie abgetan hatte. Energisch wies McCabe auch den vom Weißen Haus geschürten Eindruck zurück, Comey habe in der eigenen Behörde das Vertrauen verloren. „Die riesige Mehrheit der FBI-Angestellten genoss zu Comey eine tiefe und positive Verbindung“, sagte er. Sanders beharrte dagegen darauf, sie werde seit Comeys Rauswurf von Dankesbotschaften „unzähliger“ Agenten überschüttet – „und dabei kenne ich gar nicht so viele Leute beim FBI“.

          Auch neuer FBI-Chef widerspricht Trump

          Etwas vorsichtiger ging McCabe auf Distanz zu Trumps Behauptung, Comey habe ihm dreimal versichert, dass gegen ihn persönlich nicht ermittelt werde. Im Interview hatte Trump geschildert, wie er bei einem „sehr netten Dinner“ Comey direkt danach gefragt habe und dieser ihm versichert habe, das sei nicht der Fall. McCabe sagte im Senat: „Üblicherweise beantworten wir diese Frage nicht.“ Aus Comeys Umgebung wird das fragliche Abendessen zu zweit im Weißen Haus kurz nach Trumps Amtsantritt ohnehin ganz anders beschrieben.

          Während der Präsident behauptet, der 2013 für zehn Jahre ernannte Comey habe um den Termin gebeten, „weil er seinen Job behalten wollte“, sei Comey seinerzeit über die Einladung Trumps irritiert gewesen. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf eine frühere Darstellung Comeys gegenüber Vertrauten berichtet, fragte Trump ihn, ob er ihm „Loyalität“ versprechen könne. Comey will geantwortet haben, dass er als FBI-Direktor keine „politische Zuverlässigkeit“ zusagen könne, sondern nur „Ehrlichkeit“. Trump soll daraufhin „ehrliche Loyalität“ erbeten und Comey geantwortet haben: „Die werden Sie bekommen.“

          Huckabee Sanders sagte dazu: „Wir glauben nicht, dass diese Schilderung zutrifft.“ Doch die Glaubwürdigkeit seiner Sprecherin hatte Trump da bereits gründlich unterminiert. Auf Twitter mokierte sich der Präsident am Freitag über Erwartungen der Medien, dass seine Sprecher und anderen Vertreter stets zutreffende Angaben machen könnten, wo er doch ein „so aktiver Präsident“ sei und immer „so viel los ist“: „Vielleicht wäre es das Beste“, drohte Trump, „alle künftigen ,Pressebriefings‘ abzusagen und um der Korrektheit willen schriftliche Antworten herauszugeben???

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