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Militärs in Trumps Kabinett : Generale an der Macht

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Donald Trump und Verteidigungsminister James Mattis (rechts) an Deck des Flugzeugträgers Gerald R. Ford. Bild: EPA

In Trumps Kabinett sitzen so viele Militärs wie seit 150 Jahren nicht mehr. In einem politikverdrossenen Land, welches das Militärische liebt, kommt das sehr gut an.

          Fragen wie diese gehören zu den Klassikern in amerikanischen TV-Quiz-Shows und familiären Ratespielen: Welche amerikanischen Präsidenten waren zuvor Generale? Und wie viele Präsidenten hatten keinerlei militärische Erfahrung? Die richtigen Antworten sind verblüffend. Zwölf der bislang 45 Präsidenten waren zuvor Generale. Das ist, wenn auch bei stark nachlassender Tendenz, mehr als jeder Vierte. 26 von den 45 waren selbst Soldaten. Nur 19 kamen ohne eigene militärische Erfahrung ins Weiße Haus, darunter drei der vier Präsidenten aus der jüngeren Vergangenheit: Bill Clinton, Barack Obama und Donald Trump.

          Das Militärische ist in den Vereinigten Staaten mit dem Politischen unauflöslich verwoben, seit der General George Washington vor knapp einem Vierteljahrtausend der erste Präsident der neu gegründeten Republik wurde. Zwar gibt es auch in der jüngeren europäischen Geschichte prominente Einzelfälle. Winston Churchill war früherer Major, Charles de Gaulle Brigadegeneral. Doch in keiner westlichen Demokratie setzen sich bis heute militärische Karrieren so oft im Politischen fort wie in den Vereinigten Staaten – mit Ausnahme des Staates Israel. Das war in den Vereinigten Staaten zwar schon immer so, doch ausgerechnet Donald Trump, der selbst nie Soldat war und durch Glück oder womöglich Beziehungen am Vietnam-Einsatz vorbeikam, hat so viele Generale in die Regierung geholt wie kein anderer Präsident vor ihm. Nur Ulysses Grant hatte kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg vorübergehend vier Generale zu Ministern gemacht. Das ist aber fast 150 Jahre her. Außerdem könnte Trump demnächst, wenn sich die Gerüchte bestätigen, sogar noch weitere Militärs an den Kabinettstisch im Weißen Haus holen.

          Der frühere Generalleutnant des Heeres, Michael Flynn, Trumps erster Berater für Nationale Sicherheit, musste zwar inzwischen wegen undurchsichtiger Russlandkontakte wieder gehen. Doch an seine Stelle trat abermals ein General – Herbert Raymond McMaster. Die wichtigsten Posten für die innere und äußere Sicherheit vergab Trump an zwei frühere Generale. Der pensionierte General der Marineinfanterie James Mattis ist Verteidigungsminister, John F. Kelly Heimatschutzminister. Weitere Militärs kommen hinzu, etwa Admiral Mike Rogers als Chef des Geheimdienstes NSA und Ryan Zinke, früher Kapitänleutnant in der Eliteeinheit Navy Seals, als Innenminister. Auch den früheren General David Petraeus hätte Trump gern ins Kabinett geholt, doch ist Petraeus noch von den Folgen einer Liebesaffäre und der damit verbundenen Bewährungsstrafe wegen Geheimnisverrats belastet. Nicht ausgeschlossen aber, dass er über kurz oder lang nachrückt. In Washington hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Petraeus den glücklosen und wohl auch mangels Einfluss frustrierten Rex Tillerson als Außenminister ablösen könnte. Die meisten Militärs, die Trump zu Ministern ernannt hat, sind zwar pensioniert. McMaster aber ist weiterhin Generalleutnant des Heeres und trägt bei seiner Arbeit im Weißen Haus noch oft die Uniform.

          Ein Kabinett aus Militärs und Milliardären

          Dass Trump den früheren General der Marineinfanterie John Kelly zu seinem Stabschef gemacht hat, überraschte am Ende aber Freunde und Feinde des Präsidenten gleichermaßen. Verteidigung, Grenzsicherung, Geheimdienst- und Sicherheitsaufgaben in die Hände von Militärs zu legen, ist noch etwas anderes, als an die zentrale Schaltstelle aller politischen Berater und Mitarbeiter einen früheren General ohne jedwede politische Erfahrung zu setzen. Doch Trump sieht Kelly offenbar als einen Mann für alle Fälle, dem er auch das Management der bislang chaotischen Regierungsmannschaft zutraut. Aber warum setzt Trump auf all die Soldaten? Und warum regt sich in Amerika kaum Protest gegen den Einzug der vielen Militärs in die Regierung, wenn doch fast alles andere, was Trump sagt und tut, wütenden Widerspruch hervorruft?

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