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Veröffentlicht: 11.11.2016, 13:37 Uhr

Filmemacher lag richtig Wie Michael Moore Trumps Wahlsieg voraussagte

Filmemacher und Oscar-Preisträger Michael Moore veröffentlichte im Juni einen Blogeintrag und sagte den Ausgang der Präsidentenwahl minutiös voraus. Jetzt ruft er zur Revolte gegen Donald Trump auf – und sieht ein Zeichen der Hoffnung.

von Frederik Seeler
© dpa Trump-Wähler sind willkommen: Filmemacher Michael Moore in einer Szene seines Films „Michael Moore in Trumpland“

Eine Minute lang starrt Michael Moore in seine Handy-Kamera und schweigt. Seine Mundwinkel hängen herunter, er rümpft die Nase. Im Hintergrund eine Straße in New York City, einen Tag nach der Wahl; eine Amerika-Fahne hängt schlaff an einer Fahnenstange. Dann dreht er die Kamera und filmt den Demonstrationszug, der an ihm vorbei zieht. „Not my president“ rufen die überwiegend jungen Demonstranten und: „Fuck Donald Trump“. Moore setzt sich an die Spitze des Zugs und filmt weiter. Kommentarlos.

Und Moore braucht den Ausgang der Wahl auch nicht mehr zu kommentieren. Er hat ihn vorausgesehen. Der linke Filmemacher und Oscar-Preisträger aus Michigan warnte schon seit Beginn des Vorwahlkampfs davor, dass Donald Trump eine echte Chance habe, Präsident zu werden.

Fünf Gründe, warum Trump gewinnen wird

Im Juli veröffentlichte Moore einen Blog-Eintrag, in dem er fünf Gründe nannte, warum Trump die Wahl gewinnen werde – obwohl die Umfragen das Gegenteil vorhersagten. „Ich habe schlechte Nachrichten für Euch“, schrieb er damals. „Donald J. Trump wird die Wahlen im November gewinnen. Dieser erbärmliche, ignorante, [...], Vollzeit-Soziopath  wird unser nächster Präsident.“ Seine Leser sollten sich schon mal daran gewöhnen, „Präsident Trump“ zu sagen – und das für die nächsten vier Jahre, so Moore.

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Sein 2016 erschienener Film „Michael Moore in Trumpland“ thematisierte das Leben und den polarisierenden Wahlkampf des Republikaners Donald Trump. Schon vor der Veröffentlichung des Films hatte er den Blogeintrag über Trumps Siegchancen geschrieben. Dieser wird jetzt in den sozialen Netzwerken tausendfach geteilt. Denn Moore analysiert darin genau, warum Hillary Clinton die Wahl nicht wie angenommen gewonnen hat – und das fünf Monate vor der eigentlichen Wahl am 8. November.

1. Der Brexit des mittleren Westens

In seinem ersten Punkt schrieb Moore, dass Trump seine Aufmerksamkeit auf die eigentlich demokratisch dominierten Staaten im Mittleren Westen lenken werde – Wisconsin, Michigan, Ohio und Pennsylvania, den „rust belt“, die Industrieregion Amerikas. Mit den Wahlmännerstimmen allein aus diesen Staaten könne Trump die Wahl gewinnen, sagte Moore voraus.

Er verglich den „rust belt“ mit den Midlands in Großbritannien – kaputt, deprimiert, die Mittelklasse am Boden. Die einst blühende Industrie pleite oder nach China ausgelagert. Trump, der polternde Globalisierungs- und Freihandelsgegner, treffe hier auf fruchtbaren Boden für seine Anti-Establishment-Parolen – genau wie die Brexit-Befürworter in den britischen Midlands. Die Arbeiter wollen den Eliten eins auswischen, die ihren amerikanischen Traum zerstört haben, schrieb Moore. „Trump sei der Molotowcocktail, den sie auf die Eliten werfen können.“

Mit der These sollte er Recht behalten. Donald Trump gewann in den vier Rust-Belt-Staaten. Dank der Stimmen der enttäuschten Arbeiter, die einst demokratisch wählten. Moore selbst stammt aus Flint, Michigan. Seine Dokumentarfilme beschäftigen sich auch mit der Massenarbeitslosigkeit in den ehemaligen Industriezentren des Mittleren Westens.

2. Der wütende weiße Mann

Gerade der „vom Aussterben bedrohte“ weiße Mann stimmt für Trump, schrieb Moore in seinem zweiten Punkt. „Sie haben das Gefühl, die Macht im Land verloren zu haben“. Die liberalen Veränderungen im Land machten ihnen Angst. Nach acht Jahren, in denen ein schwarzer Mann sie „herumschubste“, sei es jetzt die absolute Kränkung für sie, wenn als nächstes eine Frau zur Präsidentin gewählt werden würde. Der chauvinistische Trump werde ihre Wählerstimmen einsacken, prophezeite Moore.

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