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Aktualisiert: 14.06.2017, 23:36 Uhr

Michael Cohen Trumps „Pitbull“ in Bedrängnis

Michael Cohen zählt zu den engsten Vertrauten des amerikanischen Präsidenten. Nun wird Trumps Anwalt fürs Grobe vor dem Geheimdienst-Ausschuss aussagen. Es geht um mögliche Verstrickungen in Hackerangriffe gegen die Demokraten.

von Frauke Steffens, New York
© AP Trumps Anwalt Michael Cohen im Tower seines Mandanten in New York.

„Lose my number“, melde dich nicht wieder bei mir – das sagt Michael Cohen gern zu Reportern, die das verbreiten, was er und sein Mandant Donald Trump Fake News nennen. In jüngster Zeit sind das vor allem Berichte über die Russland-Verbindungen von Trumps Team. Zunächst weigerte Cohen sich, zum Thema auszusagen – jetzt will er es aber doch tun, im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, allerdings erst im September.

Michael Cohen steht schon viel länger an Trumps Seite als die meisten anderen im Umfeld des Präsidenten. Seit fast zehn Jahren beseitigt er rechtliche Hindernisse, verklagt Gegner. Im Trump-Unternehmen hat Cohen seit Jahren den Spitznamen „Pitbull“. Er gilt als Mann fürs Grobe. Einem Reporter des amerikanischen Fernsehsenders ABC sagte Cohen 2011: „Wenn Sie etwas falsch machen, komme ich Ihnen drauf, packe Sie am Schlafittchen und lasse Sie nicht wieder los, bis ich mit Ihnen fertig bin.“

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Cohen hat den gesamten Wahlkampf in Talkshows bestritten, war ein reisender Werber für Donald Trump, egal, wie extrem dessen Aussagen wurden. Als Trump Mexikaner pauschal als Vergewaltiger bezeichnete, war es Michael Cohen, der die Wogen glätten sollte. „Donald Trump hat wunderbare Beziehungen mit den Latinos“, sagte er gegenüber CNN. Und wenig später: „Donald Trump hat nie irgendwelche Beleidigenden oder herabsetzenden Bemerkungen über Mexikaner geäußert.“ Thema beendet. Cohens Strategie ist nicht, Trumps Worte mit Argumenten zu unterfüttern. Ähnlich wie sein Mandant stellt er einfach Behauptungen auf. Zu beweisen, ob sie stimmen, ist seine Sache nicht.

Cohen ist auch materiell mit Trumps Unternehmungen verbunden: Teile seines Vermögens stecken in Trump-Immobilien. Cohens politische Orientierung ist ähnlich wandelbar wie die seines Mandanten. Er war zunächst Mitglied der Demokraten, wählte 2008 Barack Obama und wechselte 2017 dann zur republikanischen Partei. Sein Name ist auch verknüpft mit einem der jüngsten Trump-Skandale: er sitzt im Vorstand der Eric Trump Foundation von Trumps Sohn. Die Stiftung kümmert sich um krebskranke Kinder. Jetzt wird ihr vorgeworfen, Gelder, die eigentlich für diesen Zweck bestimmt waren, an Donald Trump weitergeleitet zu haben. Ob Cohen persönlich etwas damit zu tun hatte, ist noch ungeklärt.

Wer wissen will, warum sich nun die Untersuchungsausschüsse für Cohen interessieren, muss weit zurückblicken. Ein Teil der Vorwürfe mit Blick auf etwaige Verknüpfungen in Sachen Russland dreht sich um die Ukraine. Dabei könnte Michael Cohen laut den Recherchen amerikanischer Journalisten eine aktive Rolle gespielt haben. Er verfügt über familiäre Verbindungen in das vom Bürgerkrieg zerrissene Land und gründete vor einigen Jahren gemeinsam mit seinem Bruder dort eine Ethanol-Firma, für die er vergeblich amerikanische Investoren suchte und auch Kontakte zu russischen Geschäftsleuten knüpfte.

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