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Künftiger Präsident Trump : Die Deutschen sollten keine Angst haben

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Ist von ihm eine vernünftige Politik zu erwarten? Amerikas nächster Präsident Donald Trump Bild: AFP

Nach der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten ist klar: Wer heute nach Vernunft sucht, muss nach Deutschland schauen. 70 Jahre nach Kriegsende muss man sich hierzulande vor einer Führungsrolle nicht mehr fürchten. Ein Gastbeitrag.

          Schon die ersten Titelbilder nach der Wahl in Amerika waren erstaunlich.  Auf dem Titel des „Spiegel“ wurde Donald Trump als großer flammender Asteroid dargestellt, der auf unseren kleinen Planeten zurast; darunter steht „Das Ende der Welt“, relativiert allerdings mit dem Zusatz „wie wir sie kennen“. Doch letzteres wird kleingeschrieben, in Klammern gesetzt; die Botschaft ist schon eine andere. Wie viele andere deutsche Medien griff die „Zeit“ zu einer trauernden Freiheitsstatue; umso markanter war die Schlagzeile, auf schlichtem Englisch: „Oh My God!“. Faschismusvergleiche, auf die Deutsche sonst allergisch reagieren, werden in vielen Zeitschriften gezogen.

          Susan Neiman ist Direktorin des Einstein Forums in Potsdam
          Susan Neiman ist Direktorin des Einstein Forums in Potsdam : Bild: Privat

          Inzwischen werden wir in Kommentaren gemahnt, weniger dramatisch zu werden beim Ausblick auf vorerst vier Jahre Trump im Weißen Haus. Einige, die den Details der Präsidentenwahl nicht gefolgt sind, sind der Meinung, man müsse demokratische Prozesse respektieren. Der Hang zur Normalisierung ist verständlich: wer will schon jeden Morgen mit dem Gedanken aufwachen, dass die Welt in eine Krise geraten ist, die kein Mensch zu lösen weiß? Diesem Hang hat die Kanzlerin widerstanden, als sie am Tag nach Trumps Wahlsieg eine beispiellos undiplomatische Rede gehalten hat, in der sie Hillary Clintons Bezwinger an alle Werte der westlichen Welt erinnerte, die er während seiner Kampagne mit Füßen getreten hat. Man kann nur wünschen, dass andere Weltpolitiker den Mut finden, sich ein Beispiel an Angela Merkel zu nehmen. Die Zeit der Diplomatie ist vorbei.

          Seit Monaten wird in den seriösen amerikanischen Zeitschriften darüber debattiert, inwieweit das Attribut „faschistisch“ auf Donald Trump angewendet werden darf. Mit Recht wies Noam Chomsky darauf hin, dass das Wort normalerweise mit einem kohärenten, wenngleich abscheulichen Programm verbunden ist, während Trump an nichts außer sich selbst zu glauben scheint. Doch der Konsens, dass Trumps Methoden wie auch seine Inhalte – insofern es diese gibt – durchaus vergleichbar sind mit denjenigen, die Faschisten und Nationalsozialisten benutzt haben, breitet sich aus. Seitdem Trump Steve Bannon zu seinem Chefstrategen ernannte, gibt es wenige Zweifel.

          Ein historisches Beispiel als Trost

          Bannon, der erst ein Vermögen bei der Investmentbank Goldman Sachs verdiente, bevor er die Leitung der rechtsradikalen Internetseite „Breitbart News“ übernahm, kann man ohne Zögern einen digitalen Goebbels nennen. Wer noch nicht überzeugt ist, sollte sich die Website anschauen – sowie die Pläne, Büros in Berlin, Paris und Amsterdam vor den dort anstehenden Wahlen zu eröffnen. Auch die Bilder von ausgestreckten rechten Händen, die eine rechtsradikale Rede, die mit den Wörtern „Heil Trump!“ und „Heil Sieg!“ begrüßte, sind ernst zu nehmen. Die Bilder sollte man genau anschauen, denn sie wurden nicht im fernen Alabama oder Wyoming, sondern mitten in Washington D.C. aufgenommen, und sie zeigen nicht arme, bildungsferne Menschen, sondern smarte junge Typen.

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