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Korea-Gipfel : Lob für Trumps Rüpel-Diplomatie

  • -Aktualisiert am

Ein Plakat in Südkorea zeigt Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Amerikas Präsident Donald Trump Bild: AP

Selbst Gegner von Präsident Trump zollen ihm Anerkennung für seine Korea-Politik. Trump will das Treffen mit Kim Jong-un zu einem feierlichen Ereignis machen.

          Donald Trump, der Friedensbringer – es sind nicht wenige, die dem amerikanischen Präsidenten den Erfolg in der Diplomatie zwischen Nord- und Südkorea zuschreiben, der nun zum ersten Treffen zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un führte. Michael Morell etwa, vormaliger CIA-Direktor, sagte dem amerikanischen Sender CBS: „Ich denke, es ist das Verdienst des Präsidenten, uns so weit gebracht zu haben. Kein Präsident hat Nordkorea so stark unter Druck gesetzt wie Donald Trump, und das ist eine gute Sache.“

          Der neue amerikanische Außenminister Mike Pompeo sagte in Brüssel: „Wir wären heute nicht da, wo wir sind, ohne Präsident Trumps Kampagne des maximalen Drucks.“ Trumps Drohungen, die zeitweise über Twitter den Konflikt über die nordkoreanischen Raketentests anheizten und bisweilen im Wild-West-Stil gehalten waren, sind in der offiziellen Sprachregelung zum Teil einer absichtsvollen, erfolgreichen Strategie geworden. Und nicht nur der Minister sieht das so. Auch der demokratische Abgeordnete Adam Schiff aus Kalifornien etwa gestand ein: „Ich denke, es ist mehr als fair zu sagen, dass die Kombination aus der Unvorhersehbarkeit des Präsidenten und seiner Kriegsrhetorik etwas zu tun hat mit der nordkoreanischen Entscheidung, an den Verhandlungstisch zu kommen.“

          „Es könnte eine großartige Feier werden“

          Kritiker geben allerdings zu bedenken, dass auch Kim seine Verhandlungsposition im vergangenen Jahr habe stärken können, indem er die internationale Gemeinschaft glaubhaft bedroht habe. Dass Trump sich persönlich mit ihm treffen wolle, verleihe dem nordkoreanischen Diktator eine große Legitimität.

          Trump will nun alles dafür tun, damit sein eigenes Treffen mit Kim Jong-un ein historischer Erfolg wird – und als solcher auch zu Hause wahrgenommen wird. Am Montag kündigte er bei Twitter und später auf einer Pressekonferenz an, dass das Treffen am besten in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea stattfinden solle. Dann könne es eine „großartige Feier“ werden.

          Eigentlich waren Trumps Mitarbeiter bereits seit Wochen dabei, den Gipfel in einem anderen Land vorzubereiten. Singapur soll laut Medienberichten der Favorit gewesen sein. „Die gute Nachricht ist, jeder will uns haben“, so Trump. „Es könnte ein sehr großes Ereignis werden.“ Am liebsten wäre es ihm, wenn das Treffen im Grenzdorf Panmunjom stattfinden würde, in jenem als „Friedenshaus“ bekannten Gebäude, in dem sich auch die beiden koreanischen Staatschefs trafen. „Vielleicht werden sich eine ganze Reihe von Dingen ändern, aber Kim Jong-un war bislang sehr offen und direkt“, sagte Trump. „Ich kann nur ‚bislang‘ sagen, aber er spricht davon, die atomare Testanlage loszuwerden. Er spricht davon, nicht zu forschen, keine ballistischen Raketen abzufeuern, keine Atomtests zu machen. Er ist dem für eine längere Zeit nachgekommen, als jemals jemand gesehen hat.“

          Im Weißen Haus gibt es allerdings auch viel Skepsis, was Trumps Begeisterung vor dem Treffen angeht. Schließlich hatte Kim Jong-un lange alle Bemühungen zur Deeskalation der Krise ignoriert und den Konflikt mit seinen Raketentests immer wieder angeheizt. Viele Kritiker geben auch zu bedenken, dass es kein Grund zur Euphorie sein sollte, wenn sich der amerikanische Präsident mit einem Diktator treffen muss, der die eigene Bevölkerung unterdrückt. Auch gilt längst nicht als ausgemacht, dass sich Nordkorea an eventuell mit Trump getroffene Absprachen halten wird.

          „Es ist viel Theatralik dabei“

          Eine eventuelle Vereinbarung von Trump und Kim Jong-un würde wohl erst einmal allgemeine Absichtsbekundungen enthalten. Ein detailliertes Abkommen, das auch bereits auf die nukleare Abrüstung eingeht und dafür einen Fahrplan bietet, ist erst einmal unwahrscheinlich. Wer die Einhaltung überwachen soll, ob Nordkorea etwa ungehindert Inspektoren ins Land lassen würde, ob und unter welchen Bedingungen die Amerikaner Sanktionen aufheben würden, ist unklar und müsste in den folgenden Monaten ausgehandelt werden. Trump erneuerte unterdessen seine Drohung, das Treffen mit Kim Jong-un notfalls auch zu verlassen, wenn er das oberste Ziel, die Zusage zur nuklearen Abrüstung, nicht erreichen könne. „Die Atomwaffen müssen verschwinden“, sagte der Präsident. „Wenn es kein Erfolg wird, werde ich mich mit allem Respekt verabschieden. So einfach ist das.“

          „Es ist viel Theatralik dabei“, sagte Patrick Cronin, Experte für die Region am „Center for a New American Security“, der „Washington Post“. „Denken Sie nicht zu viel über die Substanz nach. Dieser Prozess hat jetzt Rückenwind, und Trump will die Theatralik weiter treiben, um dieses Momentum aufrecht zu erhalten und zu gucken, ob wir hier einen Wendepunkt erreicht haben. Es ist jetzt an Trump, diesen Rückenwind zu nutzen und aufrecht zu erhalten, damit die Diplomatie dahinter wirken kann.“

          Dass Trump nun angeblich sogar im Gespräch für den Friedensnobelpreis ist, sehen viele seiner Unterstützer mit Genugtuung. Südkoreas Präsident Moon Jae-in hatte sich nach seinem eigenen historischen Gipfeltreffen mit Kim Jong-un dafür ausgesprochen, dass Trump den Preis bekommt. Nicht alle in der Trump-Regierung sind allerdings hoffnungsfroh und diplomatisch, wenn es um Nordkorea geht. John Bolton, neuer Nationaler Sicherheitsberater, sagte noch kurz vor seinem Amtsantritt dem Sender Fox News, man erkenne die Lügen der Nordkoreaner daran, dass sie ihre Lippen bewegten. Falls Nordkorea keine konkreten Zusagen macht, könnten Trump und seine Regierung schnell wieder zu dieser aggressiven Rhetorik zurückkehren. Noch steht für das Treffen von Trump mit Kim Jong-un kein Datum fest.

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