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Foto: AP

Trumps Russlandfreunde

Von SIMON RIESCHE, Washington
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16.05.2017 · Dass Donald Trump Geheiminformationen an Moskau verraten haben soll, setzt den Präsidenten in der Affäre um Russland-Kontakte seines Teams noch mehr unter Druck. Welche Mitarbeiter stehen vorrangig im Visier der Ermittler? Ein Überblick.

G ab es geheime Absprachen zwischen der russischen Regierung und dem Wahlkampfteam von Donald Trump? Wurde der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton auf diese Weise geschadet und die Präsidentschaftswahl zu Gunsten des republikanischen Kandidaten beeinflusst? Diese Fragen beschäftigen in den Vereinigten Staaten nicht nur die Öffentlichkeit und zwei Untersuchungsausschüsse des Kongresses, sondern auch die Bundespolizei FBI.

Trump selbst bezeichnete die laufenden Ermittlungen zuletzt als „Hexenjagd“. Weil ihm FBI-Direktor James Comey versichert habe, dass gegen ihn, den Präsidenten, nicht ermittelt werde, habe er kein ethisches Problem darin gesehen, Comey am vergangenen Dienstag zu entlassen. Kritiker sehen das anders: Auch wenn es bisher keine überzeugenden Beweise für eine illegale Zusammenarbeit zwischen russischen Agenten und Trump-Mitarbeitern zu geben scheine, heiße das nicht, dass das auch so bleiben müsse. Die Nachforschungen seien schließlich noch nicht abgeschlossen.

Welche Spuren führen nach Moskau? Wusste die Trump-Kampagne von den russischen Hackerangriffen auf die Parteizentrale der Demokraten oder anderen Beeinflussungsversuchen? Wenn ja – wer genau, zu welchem Zeitpunkt und wie viel? Im Zentrum der Ermittlungen stehen vor allem vier Vertraute des Präsidenten.

Trump soll Russland Geheimdienstinformationen verraten haben. Video: Reuters

Michael Flynn

Im Wahlkampf einer der leidenschaftlichsten Fürsprecher Trumps, musste er Mitte Februar nach nur 23 Tagen im Amt als Nationaler Sicherheitsberater zurücktreten. Die Vorgeschichte: Er hatte unerlaubterweise mit Sergej Kisljak, dem russischen Botschafter in Washington, über ein mögliches Ende amerikanischer Sanktionen gegenüber Russland gesprochen. Die Gespräche fanden noch während der Amtszeit von Barack Obama statt. Anschließend hatte Flynn seine Regierung (allen voran Vizepräsident Mike Pence) nicht ausreichend und wahrheitsgetreu genug über die Verhandlungen informiert.

  • Nur drei Wochen im Amt: Trumps ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn Foto: Reuters
  • Präsident Trump telefoniert im Kreise seines Sicherheitsstabs mit Vladimir Putin Foto: Reuters



Andere Auslandskontakte Flynns werfen weitere Fragen auf. 2015 ließ er sich vom russischen Propagandasender RT zu einer Gala nach Moskau einladen und saß am Tisch von Präsident Wladimir Putin. Nach seinem Rücktritt wurde zudem bekannt, dass Flynn auch von der türkischen Regierung für Lobbytätigkeiten mehr als eine halbe Million Dollar erhalten hatte. Der Geheimdienstausschuss des Senats hat den 58-Jährigen nun offiziell vorgeladen, um ihn so zur Kooperation zu bewegen. Bisher hatte sich Flynn informellen Anfragen verweigert und Immunität gefordert. Sollte ihm diese zugesichert werden, hätte sein Mandant „eine Geschichte zu erzählen“, erklärt Flynns Anwalt vielsagend.

Paul Manafort

Der Lobbyist und Politikberater, der 2016 für ein knappes halbes Jahr als Trumps Wahlkampfchef fungierte, arbeitete früher etwa zehn Jahre lang für den ukrainischen Machthaber Viktor Janukowitsch. Dieser wiederum wurde lange von Russlands Präsident Wladimir Putin unterstützt. Als im vergangenen Sommer bekannt wurde, dass Manafort alleine zwischen 2007 und 2012 über zwölf Millionen Dollar für seine Dienste erhalten hatte, trat er von der Spitze der Trump-Kampagne zurück – ohne allerdings irgendwelche Vorwürfe zu bestätigen.

Trumps ehemaliger Wahlkampfchef Paul Manafort Foto: AP



Im März dieses Jahres wurden dann weitere Kontakte Manaforts nach Russland bekannt. Von 2006 bis mindestens 2009 soll er jährlich zehn Millionen Dollar vom Oligarchen Oleg Deripaska bekommen und dafür unter anderem in Aussicht gestellt haben, die Medienberichterstattung über Russland zu beeinflussen. Seine Tätigkeit habe aber nicht mit eingeschlossen, „Russlands politische Interessen zu vertreten“, verteidigte sich Manafort zuletzt gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Entsprechende Berichte seien Teil einer „Verleumdungskampagne“.

Auffällig ist trotzdem, dass es ausgerechnet Manafort war, der während des republikanischen Nominierungsparteitags in Cleveland gemeinsam mit Trump verhinderte, die Bewaffnung anti-russischer Kämpfer in der Ukraine ins Parteiprogramm aufzunehmen. Ebenso bemerkenswert ist, wie sehr das Weiße Haus zuletzt das Engagement Manaforts im Wahlkampf herunterzuspielen versuchte. Dieses sei „sehr begrenzt“ gewesen und habe nur „eine sehr kurze Zeit“ angedauert, so Präsidentensprecher Sean Spicer.

Carter Page

Hat nach eigenen Angaben Donald Trump nie persönlich getroffen: Carter Page Foto: AP



Der einstige außenpolitische Berater der Trump-Kampagne, der eigenen Aussagen zufolge Trump nie persönlich getroffen hat, soll wegen seiner Verbindungen nach Russland bereits ausgiebig vom FBI überwacht worden sein. Nicht nur traf Page, der von 2004 bis 2007 für die Investmentbank Merrill Lynch in Moskau arbeitete, am Rande von Trumps Nominierungsparteitag Botschafter Kisljak zum Gespräch. Auch zu anderen hochrangigen russischen Regierungs- und Geheimdienstvertretern soll er Kontakt gehabt haben. Bei privaten Vorträgen in Russland soll sich Page zudem immer wieder sehr kritisch über westliche Politik geäußert haben.

Wie verschiedene Medien unter Berufung auf geheime FBI-Unterlagen berichten, haben russische Agenten versucht, über Kampagnen-Berater wie Page direkt Einfluss auf den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zu nehmen. Inwieweit Page, der auch im Dossier des britischen Ex-Agenten Christopher Steele über Trumps angebliche Russland-Verbindung auftaucht, von entsprechenden Versuchen Moskaus wusste, bleibt fraglich. Er selbst bestreitet vehement, gemeinsame Sache mit russischen Kräften gemacht zu haben. Trumps Entscheidung, FBI-Chef Comey zu feuern, begrüßte Page dagegen zuletzt ausdrücklich.

Roger Stone

Auch Wahlkampfberater und Trump-Freund Roger Stone hat sich über Comeys Entlassung sehr gefreut. Er habe sich zur Feier des Tages „eine gute Zigarre“ gegönnt, ließ er einen Reporter wissen. Berichte, wonach er es gewesen sei, der den Präsidenten zur Comey-Entscheidung gedrängt habe, wies er jedoch zurück. Auch Trump dementierte via Twitter: „Ich habe schon lange nicht mehr mit Roger gesprochen.“ Und doch: Trump und Stone kennen sich seit Jahrzehnten. Früh entdeckte der mit allen Washingtoner Wassern gewaschene Strippenzieher das politische Potenzial des New Yorker Immobilienmoguls. Seinen Einzug ins Weiße Haus habe Trump nicht zuletzt dem schillernden Politprofi Stone und seinen skrupellosen Methoden zu verdanken, sind sich zahlreiche Beobachter einig.

Galt schon lange vor Trump als politischer Provokateur: Roger Stone Foto: AP



In Bezug auf Trumps mögliche Russland-Connection wird Stone vor allem durch einen Tweet aus dem letzten Jahr verdächtig. Lange bevor die E-Mails von Clintons Wahlkampfchef John Podesta den Weg in die Öffentlichkeit fanden, verbreitete Stone folgende Ankündigung: „Glaubt mir, bald wird Podesta dran sein.“ War er eingeweiht? Nach eigener Aussage stand er in Kontakt zu Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, und der Hackergruppe Guccifer 2.0, die sich Zugang zu den Computern von Trumps politischen Gegnern verschafft haben will. Inzwischen bestreitet Stone alle Verbindungen. Wie andere Trump-Vertraute war allerdings auch er ein regelmäßiger Gast im vom Kreml gesponserten Fernsehsender RT. In diversen Auftritten kritisierte er dort amerikanische Geheimdienste, machte Russlands Führung Komplimente und lobte Assange und Wikileaks.


Der erweiterte Kreis

Donald Trump mit seinem Kabinett Foto: AP

N eben diesen Hauptpersonen dürften in den aktuellen Ermittlungen aber auch andere Namen aus dem Umfeld des Präsidenten Erwähnung finden. So verfügen mit Außenminister Rex Tillerson, Wirtschaftsminister Wilbur Ross, Bildungsministerin Betsy DeVos und Justizminister Jeff Sessions gleich vier Kabinettsmitglieder über vielschichtige Russland-Verbindungen.

Sessions hatte im Januar unter Eid angegeben, „keine Kommunikation mit den Russen“ gehabt zu haben, musste dann aber einige Wochen später zwei zunächst geheim gehaltene Treffen mit Botschafter Kisljak eingestehen. Trump hielt zu Sessions, der allerdings versprach, sich als Oberaufseher des FBI nicht mehr in die laufenden Russland-Untersuchungen einzumischen. Auch der Sessions-Bekannte und frühere Pentagon-Sprecher J.D. Gordon könnte noch genauer ins Visier der Ermittler geraten. Im vergangenen Sommer soll er im Hintergrund maßgeblichen Anteil daran gehabt haben, das Parteiprogramm der Republikaner im Sinne Russlands zu entschärfen.

Russland-Affäre bringt Trump-Regierung ins Schleudern. Video: AFP

Eine weitere interessante Figur ist der Bruder von Ministerin DeVos, Erik Prince. Noch im Januar dieses Jahres soll sich der Unternehmer und Gründer der Söldnerfirma „Blackwater USA“, der nach der Wahl auch als Berater in Trumps politischem Übergangsteam fungierte, mit einem engen Putin-Vertrauten auf den Seychellen getroffen haben. Wie die „Washington Post“ berichtet, soll Prince dort als Trump-Gesandter aufgetreten sein. Prince dementiert: Das Treffen habe nichts mit Trump zu tun gehabt.

Trumps langjähriger Anwalt Michael Cohen soll unterdessen ausgiebigen Kontakt zu dem russlandfreundlichen ukrainischen Abgeordneten Andrej Artemenko sowie dem russischstämmigen New Yorker Geschäftsmann Felix Sater gehabt haben. Zusammen sollen die drei Männer im Januar sogar einen „Friedensplan“ für die Ukraine diskutiert haben. Diesen habe er allerdings nie im Weißen Haus vorgelegt, versichert Cohen.

Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mit seiner Frau Ivanka Trump Foto: Reuters



Bleibt noch Trumps Familie. Der Präsident selbst versuchte vor Kurzem mit Hilfe eines durchaus fragwürdigen Anwaltsschreibens zu beweisen, dass er in den letzten Jahren kaum geschäftliche Beziehungen nach Russlands pflegte. Derweil müssen sich auch Sohn Donald Trump Junior und Schwiegersohn Jared Kushner Fragen gefallen lassen.

So ließ sich Trumps Erstgeborener im Herbst von einem Russland-nahen Think Tank nach Paris einladen. Kushner wiederum war im Dezember bei einem Treffen mit Michael Flynn und Russlands Botschafter anwesend. Im selben Monat hatte er sich späteren Presseberichten zufolge auch mit Sergej Gorkow, dem Chef von Russlands staatlicher Bank für Außenwirtschaft (VEB), getroffen. Die amerikanische Regierung hatte 2014 wegen des Ukraine-Konflikts Sanktionen gegen die VEB verhängt.



Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 15.05.2017 19:06 Uhr