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Veröffentlicht: 21.02.2017, 14:18 Uhr

Wegen Pädophilie-Äußerungen Konservative laden ultrarechten Blogger Yiannopoulos aus

Weil er in einem Video Sex mit Minderjährigen verteidigt, darf der ultrarechte Blogger Milo Yiannopolous seine Memoiren nicht veröffentlichen. Der Trump-Fan sorgt mit Angriffen gegen Frauen und den Islam seit langem für diverse Skandale.

© AFP Milo Yiannopoulos

Der ultrarechte Blogger und bekennende Trump-Fan Milo Yiannopoulos hat mit Äußerungen zu Sex mit Kindern den Zorn konservativer Kreise auf sich gezogen. „Nach der Veröffentlichung eines Videos mit der Billigung von Pädophilie hat die Amerikanische Konservative Union entschieden, die Einladung zu widerrufen“, teilte Matt Schlapp von der bekannten Lobby-Organisation der Konservativen in den Vereinigten Staaten mit. Der Verlag Simon & Schuster sagte wegen des Videos überdies die Veröffentlichung der Memoiren von Yiannopoulos mit dem Titel „Gefährlich“ ab.

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Nach den Absagen veröffentlichte der 32 Jahre alte jährige Brite auf seiner Facebook-Seite eine Erklärung, in der er sich selbst als Opfer von Kindesmissbrauch darstellt und hervorhebt, Missbrauch zu verurteilen. Das Video, in dem Yiannopoulos Sex von Männern mit 13-Jährigen verteidigt, war am Wochenende über den Kurzbotschaftendienst Twitter verbreitet worden. Yiannopoulos, der seine Homosexualität offensiv zur Schau stellt, bezeichnete diese Äußerungen nun bei Facebook als „meine übliche Mischung aus britischem Sarkasmus, Provokation und Galgenhumor“, die missverstanden worden sei.

Der Mann, der den neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump gerne als „Daddy“ tituliert, versteht sich als Kämpfer gegen die politische Korrektheit. Er ist Redakteur bei der ultrarechten Internetseite „Breitbart“. Früherer Chef der Seite ist Stephen Bannon, Trumps Chefberater im Weißen Haus. Schon seit Jahren sorgt Yiannopolous, der in Griechenland geboren und in Großbritannien aufgewachsen ist, immer wieder mit radikalen Äußerungen für Skandale. Er beschimpft Transsexuelle als psychisch kranke „Transen“, bezeichnet den Feminismus als „Krebsgeschwür“, hetzt gegen den Islam, macht sich über gleichberechtigte Frauen und den Islam lustig.

Screenshot Milo Yiannopoulos © Facebook / Milo Yiannopoulos Vergrößern Gibt sich in einem Facebook-Post unbeeindruckt: Milo Yiannopolous

Schon als Gründer des Online-Magazins „The Kernel“ bezeichnete Yiannopolous sich als „Kulturlibertären“ und „Fundamentalisten für die freie Rede“, der gegen die „autoritären“ Ideologien der „regressiven Linken“ kämpfe. Im vergangenen Jahr badete er in einer Kunstausstellung in New York in einer Wanne mit Schweineblut, nur bekleidet mit einer „Make America Great Again“-Kappe. Das Blut stamme von unschuldigen Menschen, die von illegalen Einwanderern getötet worden seien, erklärte er.

Im vergangenen Herbst griff er die afroamerikanische Schauspielerin Leslie Jones für ihre Darbietung im „Ghostbusters“-Remake scharf an. Als diese sich wehrte, schrieb er, Jones spiele sich nur als Opfer auf, weil ihr Film gefloppt sei. Jones erhielt daraufhin rassistische Drohungen, der Twitter-Account von Yiannopolous wurde gesperrt. In seiner Fangemeinde aber, die ihn wie einen Helden des Widerstands gegen das „Diktat der politischen Korrektheit“ verehrt, war Yiannopous danach noch beliebter. 

Anfang Februar hatte ein geplanter Auftritt von Yiannopoulos an der Universität Berkeley im Bundesstaat Kalifornien heftige Studentenproteste ausgelöst. Präsident Trump kündigte daraufhin an, der Uni die Bundesmittel zu kürzen.

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