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Veröffentlicht: 28.05.2017, 10:47 Uhr

Kommentar Trump vollzieht die Zeitenwende

Donald Trump ist wieder in seiner Heimat, doch die Lehre aus seiner ersten Europa-Reise bleibt. Amerikas Präsident will nicht führen, er will „sein Geld“ zurück und umschmeichelt Autokraten. Für die Europäer ist das bitter.

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© AP Ein Säbeltänzchen gefällig? Entgegen der Gepflogenheiten früherer amerikanischer Präsidenten besuchte Donald Trump als erstes Auslandsziel nicht Amerikas Nachbarn, sondern Saudi-Arabien.

Wahlen haben Konsequenzen; es ist eben doch von Bedeutung, wer das Siegertreppchen der Demokratie erklimmt  – diese gelegentlich in Vergessenheit geratene Binsenweisheit konnte man in der zurückliegenden Woche  in Aktion erleben, in Gestalt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.  Der Immobilienmogul, der mit der nationalistisch inspirierten Parole „Amerika zuerst“ und der „Erzählung“ von Amerika als Opfer der Weltpolitik den Einzug in Weiße Haus geschafft hat, hat sich mit den „alten“ Partnern der Vereinigten Staaten getroffen. Aber nicht um Süßholz zu raspeln, Gewissheiten in unruhiger Zeit zu bekräftigen oder um, über alle Themen der Agenda hinweg, das Gemeinsame auf dem Weg nach vorne dem Trennenden voranzustellen. Er hat ein paar Schläge ausgeteilt  und so die Hoffnungen in sich zusammenfallen lassen, die Monate im Amt würden einen mäßigenden, disziplinierenden Einfluss auf ihn ausüben, weil er die Vielschichtigkeit der Probleme kennenlernen würde.

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Es ist so, wie es vor und erst recht nach der Wahl im vergangenen November dunkel vorhergesagt worden war: Donald Trump ist niemand, der den Westen zusammenhält, der dessen Werten und ordnungspolitischen Vorstellungen Achtung verschafft. Er ist auf dem Trip des Ultrarealismus, bei dem Partner, wenn sie im Weg stehen, derb bei Seite geschoben werden, im politischen und manchmal sogar im wörtlichen Sinne.  Er ist derjenige, der Schluss damit macht, dass die Vereinigten Staaten – angeblich – überall über den Tisch gezogen würden. Was während des Wahlkampfes bei Wählern gut ankam, die sich auch irgendwie als ewiges Opfer dunkler Mächte in Washington oder sonst wo  sahen,  wurde so auch auf der internationalen Bühne aufgeführt, ob in der Sicherheits-, in der Handels-  oder in der Klimapolitik. Was mögen die Leute in Ländern dazu sagen, die tatsächlich „Opfer“ amerikanischer Politik geworden sind, ganz real und nicht nur in der Phantasie?

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Es fällt nicht leicht, nach dieser Reise des Präsidenten Trump noch daran zu glauben, dass er den Sinn für die Allianzen und Verbindungen erfasst,  aus denen sich die Infrastruktur des Westens zusammensetzt; dass sich ihm die Bedeutung von Vertrauen und Empathie erschließt. Nein, Donald Trump will nicht führen, er will „sein Geld“ zurück, politisch und ganz konkret. Für die weltpolitische Verantwortung der Vereinigten Staaten hat er kein Verständnis. Autokraten schmeichelt er auf peinlichste Weise, gegenüber Demokraten wird er grob und beleidigend. Was soll man davon halten?

Auch frühere amerikanische Präsidenten haben keine Sekunde gezögert, die Interessen ihres Landes  – oder das, was sie dafür hielten – mit Nachdruck und Härte zu verfolgen. Der  Streit über den amerikanisch-britischen Einmarsch im Irak ist noch in Erinnerung. Bei dieser und bei anderen Gelegenheiten wurde dann regelmäßig der Schaden im transatlantischen Verhältnis taxiert. Jetzt aber hat man den Eindruck, es gehe um das Ganze, als wolle Donald Trump all denen Recht geben, die ihn als Abrissbirne der internationalen Ordnung  karikiert hatten.

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Für die Europäer ist das eine bittere Erfahrung. Sie müssen sich weiterhin pragmatisch um Interessenausgleich und um Gemeinsamkeiten mit den Vereinigten Staaten bemühen, selbstverständlich müssen sie das. Sie können aber die Augen nicht davor verschließen, dass sie in der globalisierten,  aufgewühlten und sich dramatisch verändernden Welt des 21. Jahrhunderts für ihre Sicherheit und ihren Wohlstand mehr denn je selbst einzustehen haben.  Dabei dürfen sie sich nicht unterschätzen, allerdings  auch nicht überschätzen.

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